Großes Fiebermessen: Machtschwester Angela und ihre 83 Millionen Patienten

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"Machtschwester Angela" (links) "Machtbruder Bill" (rechts) - Foto: Imago

Gnädig legt sich dunkelste Finsternis über die Station Deutschland. Machtschwester Angela erscheint zum Dienst. Wie immer in den vergangenen fünfzehn Jahren. Aus den Patientenbetten ist Schnarchen zu hören. Übertönt wird es vom Geknatter flatternder Papiermasken vor den kranken Schnarchnasen. Machtschwester Angela macht das Gerät fertig. Es sieht aus wie eine Pistole, ist aber ein Fieberthermometer. Gleich wird sie ihre Runde durch die Station beginnen und ihren Patienten leise das Thermometer an die Stirn halten. Damit keiner aufwacht. Die Glosse.

von Max Erdinger

Zur gleichen Zeit dreht der Obdachlose Harry S. (49) seine Runden durch das umnachtete Köln. Mit seiner alten Taschenlampe hält er Ausschau nach achtlos weggeworfenen Mund-Nasen-Masken. Viele von ihnen sehen noch ganz brauchbar aus. Er sammelt sie aus Rinnsteinen auf, findet sie hinter Gebüschen im Park und unter Sitzbänken am Rheinufer. Harry S. lebt kostenbewußt und nachhaltig. Ehe es auch dem Morgen graut, hat er seinen persönlichen Tagesbedarf an Masken eingesammelt. Ein kleines Nickerchen unter der Brücke in den frühen Morgenstunden, dann muß er wieder raus und sein Tagwerk beginnen. Er wird stundenlang die Abfallkörbe nach weggeworfenen Pfandflaschen durchstöbern. Niemand würde Harry S. den Pfandbetrag ausbezahlen, wenn er dabei nicht eine seiner nächtens gesammelten Second-Mouth-Masken vor dem zahnlosen Mund trüge.

Harry S. liebt seine Stadt „alaaf“. Er weiß von Städten an Flüssen in Ländern, wo sich die Regierung nicht die Bohne für die Volksgesundheit interessiert, obschon die Hauptstadt nach einer Seuche benannt wurde, nämlich der Budapest. – Dort wäre er ungern, sagt Harry S. (49).

Die Station, auf der Machtschwester Angela arbeitet, hieß früher einmal R3. Erst als die basisdemokratische Patientenmitbestimmung in der psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalt (HuPfla) eingeführt worden war, ist sie in „Deutschland“ umbenannt worden. Machtschwester Angela ärgert sich heute noch über das Datum der Abstimmung. Das war drei Tage, nachdem die Station wegen Überfüllung mit zwangseingewiesenen Rechtspopulisten einen Aufnahmestopp verhängen musste. Sie selbst hatte an jenem unseligen Tag frei und machte einen Verwandtenbesuch in Südafrika.

Mit ihrer Fiebermeßpistole in der Hand verläßt Machtschwester Angela das Stationszimmer und macht sich leise murmelnd auf den Weg ins erste Patientenzimmer. „Das ist unverzeihlich. Das muß rückgängig gemacht werden. Wir schaffen das.“, brabbelt sie flüsternd vor sich hin, als sie am „Deutschland“-Schild auf dem Flur vorbeihuscht. Seit die Station umbenannt worden ist, hat Machtschwester Angela das Gefühl, daß es sich nicht mehr um ihre Station handelt. Aber es ist ohnehin eine ihrer letzten Machtwachen auf der Station „Deutschland“. Zwar hat sie niemandem davon erzählt, aber insgeheim freut sie sich schon auf ihren Ruhestand im fernen Paraguay. Unbemerkt von allen anderen hat sie sich ein dortiges Häuschen vom Munde abgespart.

Leise quietscht die Tür des ersten Patientenzimmers beim Öffnen. Machtschwester Angela ärgert sich schon wieder. Konnte es sein, daß auf ihrer Station irgendetwas nicht geschmiert worden war? Im fahlen Schein der Taschenlampe nähert sie sich behutsam dem Bett des alten weißen Mannes, um nur ja nicht das Geknatter seiner Atemschutzmaske zu übertönen. Er könnte sonst aufwachen, der Schnarcher.

Machtschwester Angelas hängende Mundwinkel ziehen sich wie von Geisterhand nach oben und garnieren ein diabolisches Grinsen, als sie den rechten Arm mit der Fiebermeßpistole hebt, um sie dem alten Knatterer an die Stirn zu halten. 23 Grad. Das ist normal für einen renitenten Impfverweigerer, denkt sie, und begibt sich ans nächste Bett. 21 Grad. Sie geht von einem ihrer Schützlinge zum anderen, kehrt dann zurück ins Stationszimmer, teilt die Summe der gemessenen Temperaturen durch die Anzahl der Stationspatienten,  und trägt dann die Durchschnittstemperatur in die Liste ein. 22 Grad. Alles bestens. Die perfekte Stationstemperatur.

Nur ein böser Traum

Hallo! Hallo!? Aufwachen! Das war nur ein böser Traum. Wie Sie solche Sachen nur in Ihren Kopf hineinbekommen? Ob Sie bei „Angela“ und „Köln“ wohl unterbewußt „Henriette“ und „Harry S. (49)“ mit „Klapse“ verbinden? – Könnte sein. Jetzt stellen Sie sich einmal vor, der Artikel, den Sie momentan lesen, sei eine Drohne.

Wir steigen gemeinsam – „gemeinsam“ ist das zweitschönste Wort nach „die Menschen“ – auf in die Höhe, Köln wird immer kleiner und die ganze Bundesrepublik rückt in unser Blickfeld. Was sehen wir? – Genau: Machtschwester Angela ist in Wahrheit gar keine Schwester, Bruder auch nicht, obwohl sie sich das durchaus selbst aussuchen dürfte, und Deutschland ist mehr als eine psychiatrische Station in Köln. Deutschland ist eine riesige Freiluft-Psychiatrie. Man muß seinen Aussichtspunkt nur hoch genug wählen, um den Überblick zu bekommen. Was sehen wir also ganz genau von sehr weit oben? Eine Freiluft-Klapse, die voll ist mit gehorsamen Angstpatienten. Sie fürchten sich vor einem Virus, das so gut wie nirgends vorkommt. Das sei nicht realistisch, meinen Sie? – Bitte, dann träumen Sie einfach weiter.

Daß Deutschland dennoch eine riesige Freiluft-Klapse ist, können Sie aber nicht ernsthaft bestreiten. Schauen Sie mal genau hin. Oder lesen Sie die Zeitung. Heute ist dort zu lesen, daß ein 43-Jähriger einen 16-Jährigen im Bus zuerst auf seine „fehlende“ Maske hingewiesen hatte, und daß der Jugendliche Widerworte gab. Es kam zu einem Gerangel, in dessen Verlauf der 43-Jährige dem Teenager mehrmals ins Gesicht trat. Sie meinen, das sähe noch nicht nach Klapse aus? – Doch, genauso geht es zu in der Klapse. Und wenn Sie wissen wollen, wie es außerdem noch zugeht in der Klapse, dann zählen Sie mal die Covid-19-Kranken, die es nach den zügel- und hemmungslosen Antirassismusorgien von vor drei Wochen inzwischen geben müßte, diesem bekenntnisreichen Gesinnungsrudelbums, dem öffentlichen. Schwierig, oder?

Wo die Politik es schafft, den Bürgern einzureden, es sei nicht normal, daß sie, wenn sie überdurchschnittlich alt und außerdem schwer krank sind, an einer dazukommenden, „neuartigen Erkrankung“ – multipel krank also -, das Zeitliche segnen, dort muß es sich um eine riesige Freiluft-Klapse handeln. Es geht gar nicht anders. Und ganz besonders verrückt muß es zugehen, wenn in einem solchen Lande entgegen allen sonstigen Gepflogenheiten die Nebenwirkungen jener bitteren Pillen nicht beachtet werden, die sich die Patientenschaft von der Regierung weitgehend widerstandslos verschreiben läßt. „Nebenwirkungen“ ist normalerweise nämlich ein Topthema. Jedem Kopfgesunden wären die schädlichen Nebenwirkungen, das Ende von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit z.B., wenigstens ein paar kritische Nachfragen wert. Nicht so in einer veritablen Freiluft-Klapse. Dort treten die ganz Kranken die völlig Gesunden mit den Füßen ins Gesicht.

Ganz Deutschland sei ein Irrenhaus – und Frau Merkel sei die Anstaltsleiterin, flüstert man in für gewöhnlich gut informierten Kreisen. Hatte die DDR noch Hammer & Zirkel im Ährenkranz auf der Flagge, so müßte die Bundesrepublik inzwischen eine Fliegenklatsche samt Mückenhirn herzeigen, auf schwarz-rot-goldenem Grund, umrahmt von einer pinkfarbenen Klobrille, wollte man über eine Flaggen-Neugestaltung nachdenken (lassen).

Nebenbemerkung zur „Nebenwirkung“: Sehr gut denkbar ist, daß es sich bei den „Nebenwirkungen“ gar nicht um Nebenwirkungen handelt, sondern um die beabsichtigte Wirkung. Dafür gibt es zahlreiche Indizien.

Überlegen Sie mal

Überlegen Sie mal, was sich alles mit einem Volk anstellen läßt, das auf die folgenden Flunkereien hereinfällt und sie für bare Münze nimmt: Die Zahl der mit einem äußerst unzuverlässigen Test festgestellten Infektionen wird mit dem Wort „Infizierte“ näher bezeichnet. Zu diesen „Infizierten“ zählen auch Papayas und Liter von Motorenöl, die getestet worden sind. Wieviele „Infizierte“ es gibt, hängt davon ab, wieviele solcher unzuverlässigen Tests durchgeführt werden. Die Zahl der „Infizierten“ läßt sich also ganz nach Belieben rauf- und runterfahren, je nachdem, ob die Panik gerade zielwidrig abflacht oder schon kontraproduktiv ansteigt. Die Hoffnung auf „bessere Zeiten“ darf nämlich nicht allzu sehr leiden. Das Volk soll schließlich konzentriert bei der Sache bleiben, – „nach vorne schauen, dorthin, wo die liebe Zukunft liegt“ -, anstatt nervös herumzuzappeln, wenn es in der Gegenwart gemolken wird.

Auf „zuviel Panik“ folgt „Entwarnung“ durch „sinkende Infiziertenzahlen“. Bei zu wenig Panik steigert man die Testrate. So erfolgt die Panik-Feinjustierung. Als „Coronatoter“ gilt im Extremfall jemand, der mit 180 Sachen an einem Alleebaum zerschellt ist, wenn bei seiner Obduktion festgestellt wird, daß er mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert war. Fest steht, daß man in einem veritablen Irrenhaus auch glaubhaft versichern könnte, der Raser sei an einer Holzallergie verstorben. In demselben Irrenhaus könnte man den Patienten auch weismachen, daß eine extrem gesunkene Todesfallzahl bei der alljährlichen Grippewelle, bei Herzinfarkt und Schlaganfall und einer parallel dazu stark angesteigenden Zahl „Coronatoter“ absolut nichts zu bedeuten hat. Was totgeschwiegen wird, hat offensichtlich keinerlei Bedeutung.

Als gesunder Kranker fragt man sich, warum noch keiner auf die Idee gekommen ist, das SARS-CoV-2-Virus als Wundermittel gegen Herzinfarkt und Grippe zu vermarkten und auf diese Weise steinreich zu werden. Um ein absolutes Spitzen-Irrenhaus würde es sich handeln, wo die Patienten glauben, aus der Verhältnismäßigkeit zwischen fiktiven Infizierten und herbeidefinierten Coronatoten ließe sich eine tatsächliche Todesrate errechnen, derentwegen man pflichtschuldigst panisch zu werden habe.

„Aber das ist ja Deutschland!“, rufen Sie erstaunt aus? – Bingo.

In diesem Irrenhaus namens Deutschland ist es außerdem möglich, den Patienten weiszumachen, bei der Suspendierung ihrer Grundrechte und dem regierungsamtlich herbeigeführten Ruin zigtausender wirtschaftlicher Existenzen von Selbständigen handle es sich um „temporäre Maßnahmen“. In einem Land, das von Kopfgesunden bewohnt wird, wäre sehr schnell aufgefallen, daß die „temporären Maßnahmen“ Folgen zeitigen, die alles andere als „temporär“ sind, weil sie nämlich von großer Nachhaltigkeit geprägt sind. Wo Selbständige auf Regierungsbefehl hin auch nur ein einziges, „temporäres“ Mal in den Ruin getrieben werden, wird sich so schnell kein Selbständiger mehr finden, der investiert. Millionen in einen Freizeitpark zu investieren, womöglich noch mit Krediten, um sich dann von der Regierung in den Ruin treiben zu lassen, sobald ein als wahnsinnig gefährlich definiertes Virus um die Ecke kommt, – das passiert niemandem ein zweites Mal. Von wegen „temporär“. Wo eine Regierung also behaupten kann, sie habe „temporäre Maßnahmen“ verfügt, obwohl deren Auswirkungen Langzeitqualitäten haben, da kann es sich gar nicht mehr um eine Kulturnation handeln, geschweige denn um eine von dichten Denkern. In einem solchen Fall handelt es todsicher um eine riesige Freiluft-Klapse mit absolut undichten Panikern.

In einem Land, das von geistig Gesunden bewohnt ist, würden sich die Bürger bei ihrer Regierung für die Ratschläge bedanken, die sie zur Infektionsvermeidung gibt, mit der Königin im besten Einvernehmen von einem hübschen Gruppenfoto herunterlächeln – und sie würden darauf bestehen, sich um ihren je eigenen Schutz selbst zu kümmern. Die Königin würde übers ganze Gesicht strahlen und erwidern: „Das ist aber nett von dir, liebes Volk. Und so erwachsen, auch.“ Außerdem würden geistig gesunde Bürger das Infektionsgeschehen selbst beobachten und ihre Entscheidungen danach ausrichten.

In einem Land mit geistig Gesunden wäre es auch nicht möglich, im Rahmen von „Notstandsgesetzen“ weitere Gesetze wie z.B. ein „Rechtsverordnungsweiterwirkungsgesetz nach Abklingen des Notstands“ zu erlassen, geschweige denn, daß es die Regierung eines solchen Landes hinbekäme, ihren Bürgern die digitale Totalüberwachung des Lebens mit dem Zauberwort „Gesundheitsschutz“ als alternativlos anzudrehen. In einem solchen Land würden sämtliche Warnleuchten hektisch blinken und die Sirenen würden laut „CHINA!“ heulen.

Wenn ich es mir recht überlege: Sie hatten keinen seltsamen Traum, als Ihnen die Machtschwester Angela erschien. Sie lagen im Wachkoma. Und Harry S.(49) benützt tatsächlich achtlos „entsorgte“ Mund-Nasen-Masken, weil er ohne Maske nicht an das Pfandgeld für seine gesammelten Flaschen kommt.

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