Der unsichtbare Krieg

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Deutschland unter Merkel; Foto: © jouwatch Collage
Deutschland unter Merkel; Foto: © jouwatch Collage

Sie hatte es schon wieder getan. Genauso wie Merkel ihren plötzlichen Sinneswandel bezüglich der Grenzöffnung bei einem Auftritt im Oktober 2015 damit begründete, dass es sonst „Krieg“ gibt, hat sie erneut dieses Wort verwendet, diesmal „hybrider Krieg“. Damals verwendete sie das böse K-Wort scheinbar unüberlegt, wie aus dem Nichts und zu einem Zeitpunkt, zu dem den meisten ein moderner Krieg in Mitteleuropa völlig undenkbar erschien.

Es passierte in einem Podiumsgespräch auf der MSC 2019 mit dem Leiter der Sicherheitskonferenz Ischinger, unmittelbar nach ihrem eigenen Redebeitrag sprach sie vom hybriden Krieg mit Russland. Der Auftritt wurde live im Fernsehen übertragen und ihre Worte konnten nicht mehr geschnitten werden. Gleich am nächsten Tag wurde Merkel in verschiedenen Mainstream-Medien vorgeworfen, „Verschwörungstheorien“ zu verbreiten.

Daraus könnte man auf zwei Tatsachen schließen: Die Steuerung zwischen regierenden Establishment und Mainstream-Medien funktioniert nicht immer reibungslos und zweitens, wir befinden uns gerade in einem hybriden Krieg. Doch was ist das?

In der Wikipedia kann man nachlesen, dass es bei dieser Art des Krieges um die Kombination von konventionellen und irregulären Kampfweisen in Verbindung mit terroristischen Aktionen und kriminellem Verhalten geht. Elemente dieser Kriegsart sind unter anderem: die Nutzung von biologischen und chemischen Kampfmitteln, von Desinformations- und Propaganda-Kampagnen sowie Cyberattacken. Bereits 2016 diagnostizierte die NATO, dass solcherart Konflikte u.a. auch von sozialen Techniken zur Spaltung der Gesellschaften bestimmt werden.

Kommt uns das bekannt vor: „Biologische Kampfmittel“, „Desinformations- und Propaganda-Kampagnen“, „Spaltung der Gesellschaft“?

Desinformations- und Propaganda-Kampagnen und Cyberattacken kann man auch zu Informationskrieg, Information Warfare zusammenfassen.

Informationskrieg ist die Manipulation von Informationen, denen Menschen vertrauen, ohne sich dessen bewusst zu sein, mit dem Ziel die Entscheidungen der angegriffenen Menschen so zu beeinflussen, das sie gegen ihre ureigenen Interessen gerichtet sind, jedoch im Interesse desjenigen, der den Informationskrieg durchführt.

Täglich werden wir mit Bildern von Kriegen, Bürgerkriegen, Unruhen oder kriegsähnlichen Konflikten mit unendlich viel Leid und Zerstörung in den Medien und sozialen Netzwerken geflutet. Unsere Vorstellung von Kriegen bleibt in der Vergangenheit gefesselt. Erst die Befreiung von dieser gedanklichen Fessel führt zum Erkennen der Schlachtfelder des Informationszeitalters, im Hier und Jetzt.

Da stellt sich als nächstes die Frage, wer eigentlich die Kriegsgegner sind. Handeln tatsächlich nur Staaten oder supranationale Gebilde, wie NATO oder EU, die sich gegen ihre jeweiligen externen Feinde verteidigen oder auf illegale Weise andere Nationen angreifen?

Jerome Glenn bezeichnet in seinem Werk „Future Mind“ moderne Kriege als Wahrnehmungskriege. Nehmen wir Kriege nicht wahr, weil sie nicht geführt werden oder sind Kriege nicht mehr existent, weil wir sie nicht wahrnehmen oder aber müssen wir unsere Sinne schärfen, um unsere Wahrnehmung zu verbessen? Seit der Kapitulation der Sowjetunion am Ende des Kalten Krieges leben wir im friedlichsten Europa, das es je gab, wird uns vorerzählt. Aber ist das auch so? Ein paar wehrhafte Reste verteidigen Deutschland noch am Hindukusch und in der afrikanischen Savanne. Der im Lande stationierte Rest löst gerade seine Rechtsextremismusprobleme.

Frage nur so am Rande: „Was treiben eigentlich die Cyberarmeen, bei dem jeder Soldat aus einem sicheren Büro agiert, so den lieben langen Tag?“.

Bei der zutiefst gespaltenen Gesellschaft ist es legitim zu fragen, was eigentlich aus den Bürgerkriegen der Vergangenheit geworden ist. Aktuelle Bilder von BLM, der „Capitol Hill Occupied Protest“ zone (CHOP) in Seattle oder das Stuttgarter „Party-Event“ lassen uns in Europa zukünftig mehr gewaltsame Auseinandersetzungen befürchten.

Genau das ist der Schleier, der uns die eigentliche Kampfzone nicht erkennen lässt. Denn der Krieg läuft bereits. Die Bürgerkriege in der Welt des Informationszeitalters finden in den Köpfen statt. In Abwandlung des bei uns schon verankerten Gedichtverses von Carl Sandburg „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ können wir hier und da auch die moderne Variante hören: „Stell dir vor, es ist Krieg – und keiner merkt es.“ Und jetzt sind wir genau am richtigen Punkt.

Die Angreifer im Informationskrieg sind irregulär, denn es sind keine Kombattanten, da man sie nicht von Zivilisten unterscheiden kann. Schlimmer noch, sie sind unsichtbar und agieren aus dem Dunklen. Und in diesem Dunklen tummeln sich auch noch andere zwielichtige Gestalten, wie Psychopaten, Pädophile, Kriminelle, Schlapphüte, Terroristen, Aktivisten…

Das sind aber nur die kleinen Fische, die uns ausnutzen, betrügen, erpressen, uns zu strafbaren Taten verleiten, Konten plündern oder Informationen stehlen wollen. Die Gefahr geht von den großen Fischen aus.

Thomas Hobbes schrieb es bereits 1668 in seinem Werk Leviathan „Scientia Potentia Est „, „Wissen ist Macht“. Die Macht, um die es dabei geht, ist konzeptuelle Macht. Es ist die Macht, die aus Ideen (Konzeptionen) erwächst.

Valeriy Pyakin, Autor der Konzeption Gesellschaftlicher Sicherheit, bezeichnet diese Macht als „unumschränkt und die höchste Ebene der Hierarchie der Macht“. Und weiter vom selben Autor: „Hauptprinzip ist: Jeder handelt im Ausmaß seines Wissens und Verständnisses des allgemeinen Laufs der Dinge in seinem Interesse und im Aussaß dessen, was er nicht versteht – im Interesse derer, die mehr wissen und verstehen.“

„Wer nichts weiß, muss alles glauben“, lautet ein berühmter Satz von Marie von Ebner-Eschenbach. Wer diesem Manko entrinnen will, muss sich schon aktiv auf die Suche begeben.

Echtes Wissen stellt einen Wert dar. Was jemand veröffentlicht haben will, ist Werbung, ist ein Leitspruch aller guten Journalisten. Alles was uns „kostenlos“ angeboten wird, ist auf die eine oder andere Art Public Relation oder gut deutsch Propaganda.

Wissenserwerb ist aufwändig, er kostet mindestens Lebenszeit. Bestimmte Themen und Wissensbereiche sind vor allgemeiner Kenntnisnahme geschützt, Staatsgeheimnisse, Geschäftsgeheimnisse aber auch Privatsphäre anderer zählen dazu. Solcherart Schutz ist in manchen Fällen gerechtfertigt, in anderen jedoch nicht, der Übergang ist fließend. Zensur oder community standards erschweren das Finden von Informationsquellen im Netz. Und am Ende kosten die Informationen auch noch Geld. Und immer ist Zeit notwendig, um gewonnene Informationen zu überprüfen bzw. die Verlässlichkeit der Quelle zu eruieren. Staatliche bzw. privatwirtschaftliche Akteure mit großen Budgets sind ungleich bevorteilt.

Aber noch ist nicht alle Hoffnung verloren. Eine der größten Errungenschaften, die uns die Erfindung des Internets gebracht hat, ist die Möglichkeit, dass sich Akteure, die an Wahrheit interessiert sind, vernetzen können und gemeinsam eine ernstzunehmende Kraft darstellen. Begriffe wie Wahrheitssucher, Truther oder in neuster Zeit die QAnons haben die meisten Internetnutzer schon einmal gehört.

Die Bewegungen Architects & Engineers for 9/11 Truth und das 9/11 Truth Movement (Warheitsbewegung für den 11. September) gehen davon aus, das Beweise im Zusammenhang mit der Zerstörung der drei World Trade Centers Gebäude vom Nationalen Institut für Standards und Technologie (NIST), welches die offizielle Untersuchung durchgeführt hat, manipuliert und vertuscht werden. Mehr als 18 Jahre nach dem Ereignis stehen sich die offizielle und die verschiedenen alternativen Theorien unvereinbar gegenüber.

Noch eine weitere Eigenschaft des Internets ist bedeutsam. Das Netz vergisst nichts. Es ist zu einem riesigen verteilten Datenspeicher geworden. Werden an der einen Stelle Informationen unterdrückt, sprießen sie an anderer Stelle wieder, vergleichbar mit Hydra, der zwei neue Köpfe wuchsen, nachdem einer abgeschlagen wurde.

Die angepasste Variante einer bekannten Weisheit könnte so lauten: Wer sucht wird sehr viel finden. Und natürlich auch viel Müll. Und dem Sucher wird nicht abgenommen, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Jeder kann oder muß für sich selbst entscheiden, wem er trauen, was er glauben, was er hinterfragen und was er anzweifeln will.

„Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“ heißt es beim Literaturnobelpreisträgers André Gide. Sich dieses stets zu Herzen nehmen vermindert die Gefahr, falschen Gurus aufzusitzen oder sich in Sackgassen zu verrennen. Und auch etwas Demut gehört dazu, wenn es zu erkennen gilt, dass der eigene Ansatz falsch war. „Es irrt der Mensch so lang er strebt“ lies Goethe den Herrn im Himmel verlauten.

Ein Ergebnis der Spaltung der Gesellschaft ist, daß die Wahrheitssuche zunehmend zum Kulturkampf wird. Bedenklich ist es, alle „Fakten“ als falsch abzulehnen, nur weil sie das Narrativ des gesellschaftlichen Establishments unterstützen. Im Gegenzug sind erst recht nicht alle alternativen Theorien und „alternativen Fakten“ wahr.

Das die alternativen Theorien zunehmend an Kraft gewinnen, erkennt man am Bemühen der selbsternannten Wahrheitswächter in den Mainstream-Medien oder Internet-Prangern, wie etwa Psiram, diese als „Verschwörungstheorien“ zu etikettieren.

Die Betitelung „Verschwörungstheoretiker“ bzw. die Bezeichnung „Verschwörungstheorie“ setzt sich gar nicht erst mit der alternativen Theorie auseinander, sondern hat das Ziel zu diffamieren, also die Theorie oder den Autor abzuwerten, so dass die Theorie möglichst nicht weiterverbreitet wird. Die Begrifflichkeit wird im Informationskrieg immer dann angewandt, wenn eine Theorie nicht der vom gesellschaftlichen Establishment entworfenen und von Wissenschaft und medialen Mainstream verbreiteten Rahmenerzählung (Narrativ) übereinstimmt.

Der Begriff „Verschwörungstheorie“ ist auch viel jüngeren Datums als die damit gescholtenen Theorien. Wahrscheinlich wären Kopernikus, Galilei oder Kepler ebenso bezeichnet worden, wenn es das Wort damals schon gegeben hätte.

Die Wortschöpfung selbst stammt von der CIA und wurde geschaffen, um die öffentliche Meinung nach dem Attentat auf John F. Kennedy in den Griff zu bekommen, nachdem die zur Untersuchung eingesetzte Warren-Kommission vermeldete, Oswald sei der alleinige Täter gewesen. Die Mehrheit der Amerikaner ist auch heute noch davon überzeugt, dass Kennedy Opfer einer Verschwörung wurde. An dieser Stelle könnte man es mit Verschwörungstheorien bewenden lassen, und sich einfach dafür entscheiden den Begriff nicht mehr zu verwenden.

Aber Schatten ist nur dort, wo es auch Licht gibt. Wir kennen das geflügelte Wort: „Nur wer den Ball hat, wird auch angegriffen.“ Die Anwendung des Begriffes der „Verschwörungstheorie“ gibt einer alternativen Theorie erst den Ritterschlag, macht das Thema erst zu einem wichtigen und es fordert nahezu heraus, sich damit auseinanderzusetzen.

Andererseits sollte es keineswegs bedeuten, dass jede Theorie, die mit diesem Begriff geadelt wurde auch richtig ist, die Wirklichkeit in sich geschlossen gut erklärt.

Einen Hinweis, dass Ideen an Kraft gewinnen, gab die EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, als sie in einem Videoclip zu Corona stark an die Vorlage aus dem Dschungelbuch anlehnte. Die Schlange Kaa sang mit hypnotisierenden Augen: „Hör auf mich, Glaube mir, Augen zu, Vertraue mir…“. Von der Leyen sang: „…vertrauen sie journalistischer Sorgfalt in den Qualitätsmedien…“. Die Tatsache, dass von der Leyen selbst ran musste, spricht Bände.

Zu guter Letzt noch ein Aufruf zu einem Selbstexperiment: Gelingt es einen Monat auf Rundfunk und insbesondere Fernsehen zu verzichten?

Selbstgesteckte Spielregel: Es werden aktiv nur selbstgewählte Beiträge konsumiert: Internet, Bücher, Zeitschriften, Kultur, Filme, Musik, … egal was, Hauptsache bewusst gewählt.

Viel Erfolg

Merkel auf der MSC 2019 ((ab Minute 41:15)

Von der Leyen

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