Virus, Welle & Schutzmaßnahme: Frau Niemeyers Märchenstunde bei „n-tv“

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"n-tv"- App: Es gibt Sinnvolleres - Foto: Imago

Schon wieder einmal sind wir Weltmeister, wenn es nach „n-tv“ geht. Wir sind nämlich das vernünftigste Volk auf dem gesamten Erdenrund. Gezeigt hat das angeblich das kollektive Verhalten der Masse unter den Bedingungen des „Lockdown“ und der „Corona-Schutzmaßnahmen“. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Wie gut es ist, in einer beispiellosen Krise wie der „Pandemie“ einen Sender wie „n-tv“ zur Verfügung zu haben, wird jedem klar, der wegen seiner Kurzarbeit Zeit zum Grübeln übrig hat. Das sind allerweil sehr viele der „die Menschen“. So mancher Mensch fragt sich nämlich, ob es wahr sein darf, daß er für so bekloppt gehalten wird, den ganzen medialen Mist für bare Münze zu nehmen, der ihm im Zusammenhang mit der „Pandemie“ aufgetischt wird. Hier springt „n-tv“ in die Bresche, richtet den Zweifler wieder auf – und nach der Lektüre von „Radikal richtig gemacht“ ist auch der argwöhnischste Skeptiker wieder davon überzeugt, Angehöriger des vernünftigsten Volks auf Erden zu sein.

Nur beim besonders hartnäckigen Zweifler wächst die Skepsis gerade wegen eines solchen Artikels weiter und nimmt geradezu albtraumartige Dimensionen an. Weil er sich fragt, wozu ein solcher Artikel überhaupt verfasst worden ist. Und nicht nur das. Er fragt sich auch, ob die „die Menschen“ im Kopfe wirklich schon so durch den Wind sind, wie man bei „n-tv“ wohl unterstellt haben muß, um einen Artikel wie „Radikal richtig gemacht“ überhaupt zu veröffentlichen in der offensichtlichen Gewißheit, daß „es“ die Leser schon fressen werden.

Was ist Gehirnwäsche?

Die Lobhudelei auf Klugheit und Besonnenheit eines maskierten Volks stammt von Frau Frauke Niemeyer, was – ich schwöre – nichts besonderes bedeuten muß. In Politik und Medien sind Frauen schließlich Normalität geworden. So schreibt sie also allen Ernstes: „Doch auch, wenn die Kontaktsperre allein bereits eine Herausforderung war, zeigte die Infektionskurve bald, dass es sich gelohnt hatte, bei dem Beschluss der Einschränkungen nicht blind dem Beispiel anderer europäischer Staaten zu folgen, sondern jeden einzelnen Aspekt eines Lockdowns kritisch zu betrachten.“ – Diese Einschätzung ist der helle Wahnsinn in seiner Klarsichtigkeit. Tatsächlich: Andere Länder hatten es mit dem „Lockdown“ noch heftiger übertrieben. Jeder einzelne Aspekt des Lockdowns hierzulande ist aber allein deswegen noch nicht kritisch betrachtet worden. Im Gegenteil.

Es gibt ein ganzes Bündel einzelner Aspekte, über die bis zum heutigen Tage gar keine Betrachtungen angestellt werden sollen. Wer dagegen verstößt, wird zum Ausgestoßenen, zum Coronaleugner und zum hirnlosen Hasardeur. Es gibt bekanntlich sehr fundierte Einwände von sehr qualifizierten Wissenschaftlern aus der Medizin, der Epidemiologie und der Statistik. Und der Umgang mit diesen Einwänden zeigt, daß eben nicht jeder einzelne Aspekt eines Lockdowns kritisch betrachtet worden ist, sondern daß die Veröffentlichung solcher kritischen Betrachtungen unterbunden werden sollten. Das ist aber nur leidlich gelungen. Immer größeren Teilen des Volks wird nämlich trotzdem klar, daß es mit dieser „Pandemie“ Länge mal Breite verschaukelt worden sein könnte. Das ist kein schönes Gefühl für die immer größer werdenden Teile. Deswegen geht der Artikel von Frau Frauke Niemeyer höchstens als nettgemeinter Versuch durch, ein unschönes Gefühl wieder zu vertreiben. Nur ein besonders Böswilliger würde Frau Frauke Niemeyer unterstellen, daß sie Gehirnwäsche zu betreiben versucht. Aber auch der böswilligste Hahn findet einmal ein Korn. So ist das leider.

1. Die Kontaktsperre war keine Herausforderung. Da gab es nichts „sportlich“ zu nehmen. Die ubiquitäre Verwendung des Wortes „Herausforderung“ für alles, was früher z.B. als Problem oder als unhaltbarer Zustand, als Kompetenz- und Amtsanmaßung, oder als sonst etwas beseitigenswertes gegolten hätte, ist für sich genommen schon eine „Herausforderung“ im Rahmen der Wiederherstellung von rhetorischer Redlichkeit, und zwar in der Hoffnung auf eine daraus resultierende Wiederherstellung der intellektuellen Redlichkeit.

2. Die Infektionskurve zeigte, daß die Verfügung des Lockdowns zu einem Zeitpunkt erfolgte, an dem die Infektionskurve auch ohne Lockdown bereits im Abflachen begriffen war. Ansonsten zeigte die Infektionskurve in Bezug auf die verfügten Maßnahmen gar nichts. Noch nicht einmal die Zahl der Infizierten zeigte sie, sondern lediglich die Zahl bekannt gewordener Infektionen. Daß sie etwas anderes gezeigt habe, ist genau das Märchen, das Frau Frauke Niemeyer hier in eine wahre Geschichte verwandeln will. Versuch erkannt, Versuch gebannt.

3. Auf daß die „alarmierende Infektionskurve“ einen real wirkenden Hintergrund erhalte, wurden kurzerhand alle Verstorbenen zu nützlichen „Coronatoten“ umdefiniert, sobald es auch nur die kleinste Chance auf „Plausibilität“ gab. Wer aus welchen Gründen auch immer verstarb, wurde kurzerhand zum „Coronatoten“ umdefiniert, sobald sich eine Infektion zum Zeitpunkt seines Todes nachweisen ließ. Das lief parallel zu der Meldung, daß viele der Infizierten gar keine Krankheitssymptome zeigten. Und so kam es, daß mit einer steigenden Zahl „Coronatoter“ die Zahl der Herzinfarkt- und Grippetoten dramatisch sank, um hier nur zwei Todesursachen zu nennen, die vor Corona noch als solche durchgegangen wären.

4. Wenn sich überhaupt irgendetwas gelohnt hat, dann ist es, daß der Existenznachweis eines leicht zu täuschenden Volks erbracht wurde. Daraus lassen sich – beileibe nicht von allen – zutreffende Schlüsse ziehen. Der Nachweis: Licht zu räuschen muß sein, wer sich von offiziellen Stellen eine „Todesrate“ als real andrehen läßt, die sich errechnet wie folgt: Man nehme zunächst die Zahl der lediglich bekannt gewordenen Infektionen und benenne sie dreist mit dem Wort „Infizierte“, ganz so, als ob feststünde, wieviele Infizierte es tatsächlich gibt, obwohl das niemand weiß, weil das ganze Volk gar nicht getestet wurde. (Sogar, wenn das ganze Volk getestet worden wäre, wüsste man es wegen der exorbitanten Fehlerquote des Tests noch immer nicht. Es wurden nämlich sogar Papayas „positiv“ getestet.) Alsdann setze man die Zahl derer, die vorher nach Gusto als „Coronatote“ bezeichnet worden sind, in ein Verhältnis zur Zahl der „Infizierten“ und behaupte anschließend, man habe nun eine reale „Todesrate“, die einzig und allein dem Virus geschuldet sei.

Die Tatsache, daß sich die Masse eine derartig dämliche Milchmädchenrechnung als „die Realität“ andrehen ließ, führt dann tatsächlich zu einer lohnenswerten Erkenntnis: Logik, Verstand und Redlichkeit haben in Mainstream-Deutschland ausgedient. Aus dieser Erkenntnis lassen sich Schlüsse ziehen, z.B. der, daß es an der Zeit sein könnte, dieses Land fluchtartig zu verlassen, weil so viel Dummheit verdammt gefährlich werden kann. Gefährlicher als jedes Virus, sogar. Weil: Wer sich den Schnack von den „Infizierten“, den „Coronatoten“ und einer daraus errechneten „Todesrate“ andrehen läßt, der läßt sich sehr wahrscheinlich noch ganz anderen Blödsinn widerstandslos als „die Realität“ servieren. Stichworte: Planet, Menschheit, Weltklimarettung.

5. Der wesentlichste, weil dem Ganzen übergeordnete – und dennoch am wenigsten beleuchtete Aspekt ist der folgende: Genau die Regierungen, die einen Lockdown verfügt haben, sind zugleich auch diejenigen, die es sich als Allerletzte leisten können, einen derartig gigantischen Irrtum auch einzuräumen, wenn er denn einer sein sollte. Ganz im Gegenteil. Selbst dann, wenn ihnen selbst inzwischen klar geworden worden sein sollte, welche fatalen Fehlentscheidungen sie getroffen haben in der Absicht, sich selbst politisch in Sicherheit zu bringen, müssten sie am heutigen Tag erstrecht alles dafür tun, das alte und falsche Narrativ am Leben zu erhalten. Gut für diese Regierungen: Sie können dabei auf Frauen wie Frau Frauke Niemeyer von „n-tv“ zählen. Für das Volk und seine Grundrechte ist das allerdings sehr, sehr übel.

6. Sollte sich bei „n-tv“, dem Sender, der nicht nur mir persönlich in der „Coronakrise“ extrem negativ aufgefallen ist (Chefredaktion: Frau Tanit Koch, vormals „BILD“), irgendwann einmal der Wille zur objektiven Berichterstattung wieder einfinden, wird man sich zwangsläufig fragen müssen, warum Frau Frauke Niemeyer in ihrem Artikel „Radikal richtig gemacht“ nicht auf die gesundheitlichen „Kollateralschäden“ hingewiesen hat, die direkte Folge der „Schutzmaßnahmen“ sind – und welcher Absicht diese Unterlassung folgte. Es gibt schließlich nicht wenige, die behaupten, die gesundheitlichen Schäden durch die „Schutzmaßnahmen“ überstiegen inzwischen diejenigen, die dem eigentlichen Virus geschuldet sind. Von den wirtschaftlichen Schäden einmal ganz abgesehen.

Last not least stellt sich die Frage, was wohl die Gründe dafür sein könnten, daß ein derartig unsubstantiierter Artikel wie „Radikal richtig gemacht“ von „n-tv“ überhaupt lanciert wird. Es darf spekuliert werden.

Fest steht jedenfalls so viel: Wenn man unbewiesene Behauptungen nicht länger mehr debattiert sehen will, dann stülpt man ihnen am besten Betrachtungen zu Sachverhalten über, die ihre Relevanz erst dadurch erhalten, daß der Adressat die unbewiesenen Behauptungen als real akzeptiert, ohne daß er sich dessen bewußt werden würde. Man verschiebt also den Betrachtungsschwerpunkt in die Irrelevanz. Kriminalpsychologen ist dieses Phänomen geläufig. Täter lassen sich in polizeilichen Verhören gern ausführlich auf Nebensächlichkeiten ein in der Annahme, sie könnten die vernehmenden Beamten dadurch vom Wesentlichen ablenken. „Wo waren Sie zum Tatzeitpunkt am soundsovielten?“ – „Ganz alleine in der Sauna. Sie, Herr Kriminalkommissar, können sich ja gar nicht vorstellen, wie gesund es ist, in die Sauna zu gehen. Ich erzähle es Ihnen gern …“

Das ist es, was der „n-tv“-Artikel „Radikal richtig gemacht“ von Frau Frauke Niemeyer sein soll: Ein Ablenkungsmanöver. Es galt vermutlich die Order: „Pinseln Sie dem Leser den Bauch, Frau Frauke Niemeyer. Erzählen Sie ihm, welche großartige Leistung er vollbracht hat, indem er die Corona-Vorschriften gewissenhaft beherzigte. Loben Sie ihn für seine Disziplin. Das gefällt ihm und tötet seine potentiell kritische Haltung.“ – Nicht mit mir, Frau Frauke Niemeyer!

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