BKA erklärt Tchibo-Massagestab zur „verbotenen Waffe“ – Stehen bald Baumärkte unter Terrorverdacht?

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Tchibo - Umschlagplatz verbotener Waffen? (Foto:Imago/Huebner)

Ein beliebter Massagestab, der Ende vergangenen Jahres in Tchibo-Shops bundesweit angeboten wurde, wird vom BKA allen Ernstes als „verbotene Waffe“ eingestuft – und damit ist alleine schon ihr Besitz strafbar. Da drängt sich die Frage auf: Gelten demnächst Baumärkte, wo es Messer, Hämmer, Eisenstangen, Dachlatten und sogar Äxte frei zu kaufen gibt, als illegale Waffenhändler oder gar Terror-Ausrüster?

Und müssen sich demnächst auch Sex-Shops, Beate Uhse & Co., warm anziehen – weil die Kriminalen aus Wiesbaden die Zweckentfremdung auch mancher dort vertriebener Produkte anprangern und plötzlich für Gegenstände Verbote aussprechen, die mit einiger Phantasie durchaus auch als Waffen missbraucht werden könnten? Wie die „Hessisch-Niedersächsische Allgemeine“ (HNA) schreibt, war es zuerst die Polizei Hamburg gewesen, die den Tchibo-Konzern auf die Gefahr hingewiesen habe, „bei falscher Verwendung des Stabes“ sei ein „erhöhtes Risiko“ gegeben.

Dies trifft allerdings auf so gut wie alles zu, was frei gekauft werden darf. Der Gewalttäter ist die Gefahr, nicht die improvisierte Tatwaffe. Tchibo blieb jedenfalls nichts anderes übrig, als die „Waffe“ aus dem Sortiment zu nehmen. Wie die HNA schreibt, stößt die Einstufung des Massagestabes durchs BKA in den Waffen-Foren im Internet auf „starkes Unverständnis“ der dort diskutierenden User. Der 190 Gramm schwere und 32 Zentimeter lange Stab mit Federung ist dabei eigentlich für die Massage des Rückens gedacht.

Waffen-Paranoia und Reichsbürger-Verdachtsgruppen

Er erinnert an eine Teleskopstange, doch für einen solchen „Totschläger“ ist er viel zu leicht. Daran ändert auch die am Ende angebrachte Stahlkugel nichts, mit der im Normalgebrauch durch kleinere Schläge auf betroffene Körperregionen Verspannungen gelöst werden sollen, was dem Wohlempfinden dienen soll. In der Verpackungsbeilage wird zudem bereits auf ein mögliches Verletzungsrisiko hingewiesen.

Umso absurder, dass dieses harmlose Gimmick fortan vom BKA unter „verbotenen Waffen“ geführt wird – und sich damit in Gesellschaft von Kriegswaffen wie Handgranaten, Raketenwerfer oder Panzerfäusten, Tasern/Distanz-Elektroschocker, vollautomatische Schusswaffen, Schlagringen, Butterflymessern und Wurfsternen wiederfindet. Für das BKA war bei der Einstufung wohl ausschlaggebend, dass angeblich einzelne „Reichsbürger“ im Besitz der Tchibo-„Waffe“ gewesen sind. Bleibt im Interesse der Baumärkte nur zu hoffen, dass es in dieser Szene möglichst wenig Heimwerker gibt. Es sei denn, jeder mit einem Werkzeugkasten steht demnächst unter Extremismusverdacht. Nichts ist unmöglich. (DM)

 

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