Vergessene Hochrisikogruppen: Für Panikmache der Regierung sind Schlachthöfe geeigneter als Pflegeheime

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Corona im Seniorenheim (Symbolbild:ScreenshotYoutube)

Vor allem die Bevölkerungsgruppe, die nachweislich von Covid-19 schwer betroffen ist und für die die bisherigen Einschränkungen als einzige Sinn macht, wird von der Bundesregierung sträflich vernachlässigt. Während neuerdings Schlachthöfe zu wahren Fundgruben für dramatisch ausschlachtbare neue Fallzahlen sind, gerät das Infektionsgeschehen in Alten- und Pflegeheimen völlig aus dem Blick.

Dabei haben Ausbrüche in diesen Einrichtungen – ganz anders als in zertifizierten Fleischbetrieben, die nun zu Prügelknaben gleich mehrerer Interessengruppen werden (vom Tier- bis Arbeitsschutz) – dort ganz andere Auswirkungen und stellen tatsächlich akute Gefahren dar. Denn während in den durchgetesteten Schweine- und Geflügelzerlegebetrieben überhaupt nicht klar ist, ob es sich bei den hohen positiv getesteten Fällen wirklich überwiegend um Sars-CoV2-Betroffene handelt (oder nicht vielmehr um Reaktionen auf Antikörper nach Tierimpfungen), und während von den betroffenen Werksleiharbeitern auch kaum jemand erkrankt geschweige denn schwer, führt vor allem in Pflegeeinrichtungen jeder Ausbruch zu katastrophalen Konsequenzen.

Deshalb werfen Patientenschützer der Bundesregierung nun vor, sich nicht um die Situation rund um das Virus in Pflegeeinrichtungen zu kümmern. „Nach nur wenigen Tagen lagen Zahlen zum Corona-Infektionsgeschehen in der Fleischindustrie vor. Doch wie es bei den über 800.000 Pflegebedürftigen in den Heimen aussieht, ist weiterhin unklar“, wetterte gestern der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, und verwies auf eine Anfrage der Linksfraktion an die Bundesregierung, in der die Abgeordnete Pia Zimmermann unter anderem nach der Zahl der von Corona-Infektionen betroffenen Pflegeheime gefragt hatte.

Ausgerechnet Alte und Schwache aus dem Blick verloren

Die Linken-Politikerin wollte auch die aktuellen Zahlen zu Infizierten, Verstorbenen und Genesenden in Pflegeeinrichtungen wissen; allerdings konnte die Regierung, so die „dts Nachrichtenagentur“, keine einzige der Fragen beantworten. Daraus zieht Brysch den bitteren Schluss, dass die Bundesregierung habe „auch fünf Monate nach dem ersten Covid-19-Fall nicht verstanden hat, wo das Virus am härtesten zuschlägt“ – nämlich in der Altenpflege. Faktenbasierte Hochrechnungen gingen alleine hier von 4.500 Toten aus, so der Patientenschützer. Nach wie vor gebe es keine gesonderten Zahlen der Infizierten, Toten und Genesenen in Pflegeeinrichtungen.

Das gelte sowohl für Pflegebedürftige als auch für Altenpflegekräfte. „Bund und Länder befinden sich auf einem Blindflug. Die Angaben für die Pflegeheime müssen aber sofort ersichtlich sein“, forderte er. Es dürfe keine weitere kostbare Zeit verloren gehen. Brysch forderte CDU-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf, umgehend für eine solide Datengrundlage zu sorgen. Dafür müsse der Minister eine entsprechende Änderung des Infektionsschutzgesetzes auf dem Weg zu bringen. Doch Spahn ist derzeit ja mit Wichtigerem beschäftigt – zum Beispiel seine Corona-Verordnungen durch möglichst unbefristete Fortschreibung der „Pandemie-Notlage“ in dauerhaftes Recht zu überführen. (DM)

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