Frankreich: Neue Querfront lässt Macron erzittern

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screenshot YouTube

Er nimmt Worte wie „Volksmord“ in den Mund, stellt sich gegen den „Maastricht-Staat“ und bezeichnet sich selbst stolz als „Populisten“. Der französische Philosoph und Schriftsteller Michel Onfray vereint mittlerweile Linke und Rechte hinter sich und geht mit einer neuen Zeitschrift an den Start. Angesichts der Zustimmung munkelt man bereits von einer Präsidentschaftskandidatur von Onfray bei der nächsten Wahl im Jahr 2022. Bei Merkels-Busenfreund Präsident Macron macht sich leichtes Unbehagen breit. 

Die deutsche Medienlandschaft zeigt sich entsetzt. Ausgerechnet „Front populaire“ heißt Onfrays neues 160-Seiten-Magazin, benannt nach der linksradikalen französischen Volksfrontregierung von 1936. Seine Debattenzeitschrift samt Webseite soll als „Ideenlaboratorium für ein „politisches Alternativprojekt“ gegen Präsident Emmanuel Macron“ dienen, der für ihn „Strohmann des Maastricht-Staates“ ist, berichtet die Welt hinter der Bezahlschranke. Er selbst verortet sich weiter auf der linken Seite, doch EU- Gender- und Islamkritik machen ihn dort zum abtrünnigen Aussenseiter und „Guru der Rechtsextremisten“. Onfray gehört laut Wikipedia zu den „neuen atheistischen“ Islamkritikern. Er spricht vom Aufstieg eines „muslimischen Faschismus“ nach der Islamischen Revolution im Iran und bezeichnet den Islam als „strukturell archaisch“.

Für seine Haltung bekomme er „spontanen Applaus und Unterstützung…von ganz rechts“. Marine Le Pen, Alain de Benoist, Vordenker der Nouvelle Droite, oder „offen reaktionären Publikationen wie Valeurs actuelles, Éléments und Causeur sowie der „antimuslimische TV-Polemiker Eric Zemmour“, stimmten ihm zu, ätzt die taz.

Den französischen Denker und EU-Kritiker, der für einen „Frexit“ wirbt, ficht die Kritik seitens der etablierten Medien wie Le Monde und Libération nicht an: „Sobald man nicht denkt wie sie, fahren sie die Panzer, Vernichtungslager, Schoah, Gaskammern, Zyklon B und die Luftwaffe auf!“, entgegnet er ihnen laut taz völlig unbeeindruckt.

Neben Rechten wie Marine Le Pen konnte er auch linksradikale und neokonservative Denker und Symbolfiguren wie Jacline Mouraud hinter sich versammeln, die mit einem Gelbwesten-Video berühmt wurde.

Der 61-jährige erfolgreiche Philosoph, dessen Markenzeichen – die eckige schwarze Brille, auch das Logo seines gleichnamigen YouTube-Kanals Michel Onfray TV mit fast 60.000 Abonnenten ist, hat bereits mehr als 100 Bücher veröffentlicht.

Seine neue Zeitschrift „Front populaire“, die seit diesem Mittwoch an französischen Kiosken zu erwerben ist, habe bereit im Vorfeld mehr 26.000 Abonnenten gewonnen und Hunderttausende Euro eingebracht, berichtet die Welt. Das Motto „Seid entschlossen, nicht zu dienen, und ihr seid frei“, einem Zitat aus Étienne de la Boéties Abhandlung „Über die freiwillige Knechtschaft“ aus dem 16. Jahrhundert, hat sich Onfrays für sein Unternehmen auf die Fahnen geschrieben. Frankreich sei tot, gestorben 1992 mit dem Maastrichter Vertrag, so Onfray.

Die EU vernichte das französische Volk, glaubt Onfray und wirft Brüssel mit seinen allumfassenden Integrationsbestrebungen Europas „dominierendes Denken“ vor. Mit seinem Projekt will er eine „rot-braune Allianz gegen Brüssel voranbringen“, so die Welt. Damit versammelt er offenbar Unzufriedene aus beiden Lagern hinter sich. Der „Populist-Philosoph, wie ihn die ‚Welt nennt, sei zum „kleinsten gemeinsamen Nenner für Anti-Europäer“ geworden.

Unerhörterweise hat Onfray keine Hemmungen, das Konzept des „Volkes“ in den Mittelpunkt seiner neuen Denk- und Politikschmiede zu stellen, stößt es der Welt-Autorin Martina Meister mehr als sauer auf: „Der tyrannische „Maastricht-Staat“ vernichte das Volk, behauptet der Philosoph. Im Vorwort zu seinem Magazin spricht er von populicide, das ist ein französischer Neologismus, den man mit Volksmord übersetzen kann“, so Meister.

Das berge einiges „Störpotenzial“. Staatspräsident Emmanuel Macron schaue bereits besorgt auf die Bestrebungen des Philosophen. Er fürchtet offenbar, dass der streitbare Schriftsteller ihm die Gewinnchancen gegen Marine Le Pen bei den Wahlen 2022 versemmelt. Würde ein weiterer „populistischer“ Außenseiter als Kandidat ins Spiel kommen, könnte die Wahl unberechenbar werden, so die Angst des kleinen Staatsmannes Macron, der seit Langem mit schlechten Umfragewerten kämpft.

Onfray selber wiegelt Fragen zu einer Präsidentschaftskandidatur – noch – ab. Er sei das ganz sicher nicht, aber an einem Programm arbeite er schon. Sollte es jedoch im Umfeld seines „Ideenparlaments“ jemanden geben, der die Chance habe, das System zu stürzen, würde ihm das große Genugtuung bereiten, freut sich Michel Onfray jetzt schon. (MS)

 

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