Im „SPIEGEL“: Frau Stokowski gibt Frau Yaghoobifarah Schützenhilfe gegen die Polizei

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Margarete Stokowski - Foto: Imago

Frau Margarethe Stokowski springt im „SPIEGEL“ ihrer arg in die Bredouille geratenen Kollegin Hengameh Yaghoobifarah bei, die in der „taz“ behauptet hatte, Mülldeponien wären der richtige Ort, um rassistische Polizisten dort leben zu lassen. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

In aller Munde ist dieser Tage die „taz“-Autorin Hengameh Yaghoobifarah. Der Bundesinnenminister wollte sie wegen sogar wegen ihres Artikels „All Cops are berufsunfähig“ anzeigen. Frau Hengameh Yaghoobifarah machte sich Gedanken über die berufliche Zukunft von Polizisten, die einen neuen Job brauchen, wenn die Polizei aufgelöst werden würde, der Kapitalismus aber bliebe. Weil sie bei der Polizei keinerlei Sozialkompetenz entdecken konnte, kam sie zu folgendem Schluß: „Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.

Nun würde man als ganz normaler Mann annehmen, daß alle diese wunderbaren Frauen, die es im Zeitalter der Gleichberechtigung … in Zeiten der Gleichstellung bis in die Redaktionen von Fernsehsendern und die Sessel der Talkshow-Republik gebracht haben, sich ganz fürchterlich für eine Kollegin wie Frau Yaghoobifarah schämen würden und froh darüber wären, wenn schnell Gras über den peinlichen Artikel der knapp 30-Jährigen aus Kiel wachsen würde, weswegen man Frau Yaghoobifarah besser nicht noch einmal erwähnen sollte. Weit gefehlt! Frau Margarethe Stokowski springt im „Spiegel“ ihrer „taz“-Kollegin bei. Und Innenminister Seehofer hat von seiner Absicht, Frau Yaghoobifarah anzuzeigen, auch wieder Abstand genommen. Man munkelt, Frau Angela Merkel habe ihm diese Zurückhaltung auferlegt. Wie schon so oft.

Ebenfalls munkelt man, daß Frau Merkel, Frau Esken, Frau Brunschweiger, Frau von der Leyen, Frau Neubauer, Frau Thunberg, Frau Will, Frau Illner oder so viele andere öffentliche Frauen quasi eine Ehrenrettung für das Patriarchat und die Gewißheiten darstellen, in welchen frühere Generationen lebten. Die legten nämlich evident sehr viel weniger Wert darauf, die Ansichten solcher Frauen zur Kenntnis zu nehmen. Ein historischer Verzicht, der auf Lebenserfahrung und Weisheit früherer Generationen hinweist. Aber sei´s drum. Im Jahre 2020 muß man sich mit dem beschäftigen, was ist.

„Die Polizei, dein Feind und Hater“

So lautet Frau Stokowskis Schlagzeile im „Spiegel„. Als Teaser dann: „Rassismus bei der Polizei gibt es. Aber anstatt sich dieser Tatsache zu stellen, arbeiten sich Politiker lieber an einer „taz“-Kolumne ab, die satirisch die Gewalt in deutschen Behörden kritisiert.“ – Schön, daß Frau Stokowski die „Spiegel“-Leser*Innen darauf hinweist, was als Satire zu interpretieren ist. Als ganz normaler Mann wäre man im Leben nicht darauf gekommen, daß es sich Frau Yaghoobifarahs Schmähschrift um Satire handeln könnte.

Viel eher hätte man die Fotos von Frau Yaghoobifarah für eine gehalten. Im Nachgang zu ihrem „taz“-Artikel sind nämlich Selfies der „taz“-Schreiberin in den sozialen Netzwerken aufgetaucht, die sowohl Anmut als auch Liebreiz schwer durch den Kakao ziehen. Die Kielerin mit den iranischen Wurzeln erinnert in schwarzen Overknee-Lackstiefeln und zarten Dessous sehr an die persische Prinzessin Ismat Al Dawlah.

social.excite.de schreibt: „Geboren wurde die Prinzessin der Kadscharen 1883 in Teheran und es kam dazu, dass 145 Männer um ihre Hand anhielten. Einige der heiratswilligen Männer nahmen die Ablehnung persönlicher als andere und 13 davon entschieden sich, dass Suizid die einzige Option ist, mit dieser Ablehnung umgehen zu können. Schließlich heiratete sie dann doch, bekam 2 Söhne und 2 Töchter und ließ sich wieder scheiden.

Prinzessin Ismat Al Dawlah – Foto: Screenshot Facebook
Hengameh Yaghoobifarah – Foto: Screenshot Youtube

Der Diskriminierungs-Schnack

Frau Margarethe Stokowski konzediert, daß sehr viele „die Menschen“ keine schlechten Erfahrungen mit der Polizei gemacht haben. Andere jedoch schon. Und daß man das wissen könnte, „wenn man diesen Menschen häufiger zuhören würde. Man könnte das ahnen, wenn man die Nachrichten liest, in denen immer wieder rechte und rechtsextreme Netzwerke in Polizei oder Bundeswehr aufgedeckt werden: Wie vertrauenswürdig sind die, die eigentlich für Sicherheit zuständig wären, wenn man gleichzeitig weiß, dass es WhatsApp-Gruppen gibt, in denen Polizisten einander verfassungsfeindliche Symbole schicken und schreiben: „Wir hassen alle Afrikaner“?

Nun ist es zweifellos so, daß die Definition dessen, was von Frauen wie der „Spiegel“-Margarethe als rechts oder rechtsextrem bezeichnet wird, nicht mehr ist, als deren  persönliche Einschätzung entlang des gültigen 1. Axioms der Sozialpsychologie. Diesem Axiom zufolge konstruiert jeder Mensch sich seine eigene Realität. In der wiederum kommen bestimmte Fragen je nach persönlichem Gusto einfach nicht vor.

Frau Margarethe Stokowski scheint sich die folgenden Fragen jedenfalls nicht gestellt zu haben: Wenn es keine Gründe für das Entstehen dessen gibt, was sie selbst als „rechte“ oder „rechtsextreme“ Netzwerke bezeichnet – sie meint übrigens immer „braunlinks“, wenn sie „rechts“ sagt – , warum entstehen sie dann „immer wieder“? Wieso sollen „Rechte“ nicht für Sicherheit sorgen können und wollen, „Linke“ aber schon? Will sie ihren Lesern ernsthaft weismachen, daß sich der Haß gewisser Polizisten auf Afrikaner aus deren Herkunft und Hautfarbe nährt?

Kann oder will sie nicht sehen, daß eine solche WhatsApp-Message viel eher mit dem zu tun hat, was Polizisten in Ausübung ihres Dienstes an Erfahrungen mit Afrikanern sammeln – und daß sich dieser behauptete Haß deswegen bezieht auf das, was Afrikaner tun, und nicht auf ihre Herkunft und Hautfarbe? Und daß sich das eben auch auf die Häufigkeit bezieht, mit der sie es, gemessen an ihrem prozentualen Bevölkerungsanteil, eben tun? Was wäre „rechts“ oder „rassistisch“ an der Bemerkung, daß 94 Prozent aller gewaltsam zu Tode gekommenen „Menschen mit afrikanischem Hintergrund“ von anderen „Menschen mit afrikanischem Hintergrund“ gemeuchelt werden? Und was wäre unlogisch an dem Rückschluß, daß es unter den „Menschen mit afrikanischem Hintergrund im Vordergrund“ eine überproportional häufig anzutreffende Verachtung für das Leben anderer Menschen geben muß, ganz egal, welche Hautfarbe sie haben? Wieso sollte ein deutscher Polizist, der das thematisiert, ein Rassist sein, wenn es doch genügend Schwarze gibt, die ihm in der Sache rechtgeben?

Das scheint sie sich nicht überlegt zu haben, die Frau Stokowski vom „Spiegel“. Daß Polizisten für Sicherheit „zuständig wären“, ist auch nicht wahr. Sie sind es und sie würden ihrer Zuständigkeit auch gern gerecht werden, wenn sie selbst nicht fürchten müssten, für ihre Arbeit ständig diffamiert zu werden als notorische Gewalttäter und Rassisten. Tatsächlich ist es so, daß wir Sicherheit hätten, wenn nicht durchideologisierte „Volksvertreter“ dahinter her wären, daß die Polizei eben nicht so für Sicherheit sorgen kann, wie sie das gern tun würde.

Beweislastumkehr für Polizisten

Realiter ist es so, daß für Polizisten in Berlin bereits eine Beweislastumkehr gilt. Rassistische Motive müssen ihnen gar nicht mehr nachgewiesen werden, sondern die Polizisten selbst müssen glaubhaft machen, daß es in dem Zusammenhang keine gab, in dem ihnen welche vorgeworfen werden.

Wenn also illegaler Drogenhandel ein Geschäft ist, von dem sich überproportional häufig Afrikaner ernähren, und wenn deshalb überproportional häufig Afrikaner auf Drogenbesitz hin überprüft werden, dann geschieht das aus Gründen der empirischen Erfahrung, nicht aus rassistischen. Die Polizei kann nichts dafür, daß überproportional viele Drogendealer in Berlin so aussehen, als ob sie afrikanische Wurzeln hätten. Wie soll ein Polizist da beweisen, daß er keine „rassistischen“ Motive hatte, als er Verdacht schöpfte?

Subjektivismus

Was allerdings wäre neu an der Feststellung, daß Frau Margarethe Stokowski sich die richtigen Fragen meist gar nicht stellt? Es ist ja gerade ihr hemmungsloser Subjektivismus, für den sie von ihrer Leserschaft geliebt wird. Unvergessen sind ihre feministisch verpeilten Betrachtungen zum Spargel. Die waren schon sehr liebenswert in ihrer ganzen Subjektivität, auch wenn sie fürchterlich dumm gewesen sind. Das macht aber nichts.

Weil wir aber in Deutschland sind, jenem Land also, das bunt, tolerant, weltoffen und in der subjektivistischen Vielfalt der „richtigen Gefühle“ den Bach runtergeht, lesen wir das hier: „Es ist egal, wie man die „taz“-Kolumne fand und ob man sie selbst anders geschrieben hätte, wenn die Person, die sie geschrieben hat, unter Beschuss von Rechten und vom Staat steht. Es geht dann nicht darum, wie gut sie den Text geschrieben hat, sondern ob man sich dafür einsetzt, dass sie für diesen Text nicht verklagt wird. Es geht dann darum, Grundrechte zu schützen.

Oh, die edle Margarethe. Ob ihr wohl die Grundrechte so wichtig wären, wenn es darum ginge, daß meinereiner für seine Texte nicht verklagt wird? – Wohl kaum. Sie kann ja noch nicht mal polizeiinterne WhatsApp-Chatgruppen unbehelligt lassen. Und um die Sicherheit im öffentlichen Raum geht es ihr ebenfalls nicht. Sonst würde sie sich nicht auf die Seite jener Hengameh Yaghoobifarah schlagen, die genau die Polizei angreift, von der sie erwarten würde, daß sie auch ihr Leben vor Gewalt schützt.

Schmarotzen an der Substanz

Es ist mit der guten Frau Stokowski und der Frau Yaghoobifarah so, wie mit so vielen anderen Frauen ihrer Couleur. Sie leben von Voraussetzungen, die sie selbst nicht schaffen und auch selbst nicht aufrechterhalten können. Ihre Freiheit, zu sagen und zu schreiben, was ihnen gerade einfällt, steht und fällt mit jener freiheitlich-demokratischen Grundordnung, der Polizisten verpflichtet sind. Und es wäre gerade der „rechte“ Polizist in seiner „überkommenen Geschlechterrolle“, der sein Leben riskieren würde, um das ihre zu schützen. Es wären überhaupt Männer, die auch heute noch ihr Leben riskieren müssten, wenn es darauf ankäme, mit physischer Gewalt das anarchische Gewaltchaos abzuwenden, das durchideologisierte Linkspopulisten erst einmal herbeiregiert – und geschrieben hätten.

Polizisten entwickeln im Lauf ihrer Dienstjahre ein sehr realistisches Menschenbild. Mit dem Idealbild, das in den durchideologisierten Krachschädeln feministischer und antirassistischer Schönschwätzerinnen existiert, hat jenes realistische Menschenbild kaum etwas zu tun. Es ist ganz einfach so: Wer, wie Frau Stokowski und Frau Yabfu … egal jetzt … in Zeiten wie diesen noch immer viel lieber rechte und rassistische  Schreckgespenster an die Wand malt, als die Gefahren wahrzunehmen, die man gar nicht mehr erst zu malen braucht, hat sich bereits disqualifiziert.

Es ist noch keine fünfzig Jahre her, daß man als Jugendlicher im Sommer unbesorgt zwei Stündchen im Englischen Garten in München schlafen konnte, wenn man nach einer Nacht in der „Schwabinger 7“, im „Atelier Jean“ oder im „Allotria“ auf die erste S-Bahn warten musste, die einen nachhause brachte. Das wäre heute suizidal. Und es wäre genau deswegen suizidal, weil man dauernd mit dem Erscheinen eines Teils jener „Partyszene“ rechnen müsste, die in Stuttgart die Innenstadt zerlegt hat – und die einem allein deswegen schon übel mitspielen würde, weil man ihr nicht angehört und auch nichts mit ihr zu tun haben will. Weswegen man sich heute wohl auch als „Rassisten“ bezeichnen lassen muß.

Es war einmal

Die Bundesrepublik Deutschland war einmal ein lebens- und liebenswertes Land in einer Zeit, zu der die Stokowskis und Hengamehs noch nicht einmal auf der Welt gewesen sind. Vielleicht würden die supergescheiten Dämchen anders daherreden, wenn sie selbst die Siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch miterlebt hätten. Damals reiste man als Teenager noch mit dem Rucksack, einem Interrail-Ticket und knapper Urlaubskasse durch Europa. Wenn man spätabends in Athen am Bahnhof angekommen war, lief man den ganzen Weg bis nach Piräus zu Fuß und legte sich dort in einem öffentlichen Park noch ein paar Stündchen hin, ehe die erste Fähre auf eine der griechischen Inseln ging. Es waren paradiesische Zeiten. Aus und vorbei – in ganz Europa.

Und daß diese Zeiten vorbei sind, während von allen Seiten das „Macho- und Rassisten“-Geschwätz politkorrekter Utopisten auf einen herniederprasselt, ist nicht zuletzt der eingebildeten Überfliegerei solcher Intellektbestien wie Stokowski und Yaghoobifarah – ah, es geht doch nach einer Weile – zu verdanken. Sie machen nie einen Punkt.

„Rassistische“ und „gewalttätige“ Polizisten nach einem Einsatz – Foto: Screenshot Facebook

Wäre die Polizei tatsächlich so „rassistisch“ und „gewalttätig“, wie aus den einschlägigen Kreisen heraus immer behauptet wird, dann sähe sie nach einer Nacht wie der vom Wochenende in Stuttgart nicht so aus, wie sie aussah.

Es gibt keinen Grund, Hengameh Yaghoobifarah gegen eine Anzeige in Schutz zu nehmen. Auch für Margarethe Stokowski nicht. Ob es zur Anklage kommt, entscheidet die Staatsanwaltschaft.

Das ist übrigens ein Land, in dem das OLG Köln jüngst geurteilt hat, daß allgemein  despektierliche Äußerungen über Frauen auf der privaten Webseite eines 70-jährigen Rentners als Volksverhetzung zu betrachten – und auch so zu ahnden seien. Wenn man nicht schon wüsste, daß die Bundesrepublik zum Lande des Messens mit zweierlei Maß verkommen ist, dann käme Volksverhetzung für Yaghoobifarahs „taz“-Artikel durchaus als Tatbestand in Betracht. Anders als Frauen sind Polizisten nämlich tatsächlich eine „Gruppe“.

Birgit Kelle bei Twitter sarkastisch: „Ich warte dann auf die Verteidigungsschriften von Frau Stokowski, wenn bald in einer schwungvollen Satire irgendwo Frauen, Schwule, Schwarze, Behinderte, Juden oder Migranten auf den Müll geschickt werden. Natürlich rein gewaltfrei, tolerant und humorvoll.

 

 

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