Wucher auf Steuerzahler-Kosten: Die Warn-App wird zum Millionen-Flop

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Foto: Von r.classen/Shutterstock

Startup-Unternehmer, die ihr Geld mit Apps machen, und mittelständische Softwareentwickler können kaum glauben, welche astronomischen Summen – bislang wird mit 68 Millionen Euro kalkuliert – der deutsche Staat für die seit Dienstag erhältliche Corona-Warn-App ausgeben. Das Preis-Leistungsverhältnis scheint hier vollends aus den Fugen gehoben. Neben dem offenkundigen Wucher mehren sich außerdem die Zweifel am Sinn des ganzen Unterfangens.

Abgesehen davon, dass hier die wissenschaftliche Backgroundarbeit und maßgebliche Aufgaben des Entwicklerstabs ja auch beim verantwortlichen Robert-Koch-Institut saßen und dass somit Personalaufwand, der in der freien Wirtschaft vom Entwickler zu stellen ist, sowie bereits entfällt: Die Entwicklung von Apps mit ungleich komplexeren Funktionen – etwa im Spielebereich, aber auch bei vergleichbaren gesundheitlichen Anwendungen – veranschlagt Kosten im allenfalls oberen sechs- bis unteren siebenstelligen Bereich. Selbst wenn man das Anforderungsprofil – bestenfalls Dutzende Millionen anonymisierte Daten und verschlüsselte Bewegungsprofile – höher ansetzt, ist die Größenordnung von 68 Millionen Euro völlig abenteuerlich.

Dass die dafür eingesetzten Steuergelder just von der Wirtschaft am Ende aufzubringen sind, für die dann wieder ganz andere Konditionen in einem knallharten Wettbewerb mit marktrealistischen Kalkulationen gelten – dies stieß im Netz den IT-Branchenvertretern übel auf. Auf Facebook schrieb ein Entwickler: „Die IT-Branche ist aus dem Häuschen: 68 Mio für diese Corona-App? Ernsthaft? Es wird täglich übler, was ich so lese, welche Konkurrenz (die eigentlich nicht mal welche ist) ich mit meiner eigenen Firma gesund machen ‚darf‘, während ich selbst erst ab Anfang Herbst den ersten Euro in die eigene Tasche erwirtschaften darf – jedes Jahr…“

Tatsächlich hängt ein ganzer Rattenschwanz von Profiteuren an diesem teuren, in seinem Nutzen aber mehr als fragwürdigen Spielzeug; einige machen sich hier – krisensicher – richtig die Taschen voll, und es sind keine unbekannten – sondern die „systemrelevanten“ Primi der Digitalisierung in Deutschland. Wie der „Spiegel“ schreibt, entfallen auf den Softwarekonzern SAP rund 9,5 Millionen Euro für die App-Entwicklung, zuzüglich Umsatzsteuer, zuzüglich zwei Millionen für die Wartung der Software in den Jahren 2020 und 2021.

Abenteuerliches Preis-Leistungs-Verhältnis

Damit nicht genug: Auf die Telekom-Tochter T-Systems entfallen 7,79 Millionen Euro für die Inbetriebnahme (ebenfalls plus Steuern) sowie 43 Millionen Euro für den Betrieb der App. Hierunter fallen Kosten für die Wartung und den Betrieb der Server, für die Infrastruktur, die IT-Security sowie die Hotline. Und: Zu alledem kommen noch Kosten für Werbung – Anzeigenschaltungen, Spots etc.. Eigentlich – und mit dieser Zahl wurde wochenlang hantiert – sollte die App ja „nur“ 20 Millionen kosten.

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