Wie in der DDR: Deutscher Fernsehpreis für „exzellente“ Corona-Berichterstattung der Staatsmedien

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Sieht so Qualitätsjournalismus aus? "Das Erste"-Chefredakteur Rainald Becker beim Agitieren (Screenshot:Youtube)

So wie vor der Wende die „Stimme der DDR“ regelmäßig von Staat und Partei für ihr „ausgewogenes“ und „niveauvolles Programm“ ausgezeichnet wurde, so hängen sich inzwischen die staatshörigen, zwangsgebührenfinanzierten ÖRR-Medien selbst die Lorbeeren für ihre journalistischen „Verdienste“ um: Aktuell ist dies paradetypisch bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises zu studieren.

Auch wenn die Gala wegen der Pandemie dieses Jahr ausfällt, so verwundern den Preisträger nicht wirklich: Der Sonderpreis für die „Corona-Berichterstattung“ im Rahmen der Verleihung des diesjährigen Deutsche Fernsehpreises geht – welche Überraschung – an gleich mehrere Sender und deren Nachrichtenformate. Vor allem – wie könnte es anders sein – an jene von ARD und ZDF. Wie die ARD via „Tagesschau“ – stolz wie Bolle – mitteilt, erhalten im „Ersten“ Marcus Bornheim, Chefredakteur von ARD-aktuell und damit zuständig für die „Tagesschau“ selbst sowie für die „Tagesthemen“ die Auszeichnung; doch damit nicht genug: Auch WDR-TV-Chefredakteurin Ellen Ehni und ARD-Chefredakteur Rainald Becker werden für die Sendung „ARD extra: Die Corona-Lage“ gewürdigt.

Dass ausgerechnet Becker zu den Preisträgern gehört, haut dem Fass hierbei wirklich den Boden heraus – und grenzt an Realsatire: Anfang Mai ließ jener in einem denkwürdigen „Tagesthemen“-Kommentar im übertragenen Sinn „die Maske fallen“ – und zeigte, wes Geistes Kind er wirklich ist; so werde es „keine Rückkehr zur Normalität mehr geben“; diejenigen, die für weitere Lockerungen auf die Straße gingen, seien „Spinner“ und „Verschwörungstheoretiker“, und man müsse heilfroh sein, von Angela Merkel durch die Krise geführt zu werden statt von Trump und Johnson.

Damit nicht genug: Nach Corona müsse endlich der große Systemwandel kommen, mit Konsumverzicht und „verändertem „Lebensstil, so wie dies 200 US-Künstler forderten – darunter die von Becker als leuchtende Vorbilder zitierten Multimillionäre Madonna und Robert de Niro. Für diese Wahnsinnsindoktrination auf Kosten der Gebührenzahler bekommt „das Erste“ nun also Orden umgehängt, respektive: sie hängen sie sich selber um.

Schamlose Eigenlobhudelei

Doch auch beim ZDF wird Regierungsloyalität gewürdigt: Dort erhalten Bettina Schausten, Leiterin „Aktualität“ und zuständig für die Sendungen „heute“ und „heute Journal“, ebenso wie Katrin Helwich, Redaktionsleiterin „Auslandsjournal Spezial Corona Global“, die Auszeichnung. Zur Gesichtswahrung erhalten auch noch ein paar Privatsender ihre Meriten – bei RTL geht der Sonderpreis etwa an RTL-Chefredakteur Michael Wulf (für „RTL aktuell“ und „RTL Nachtjournal“), be „n-tv“ an die Chefredakteurin Sonja Schwetje (für „ntv Corona-Berichterstattung“) und bei ProSieben an Chefredakteur Stefan Vaupel (für „ProSieben Spezial Corona-Update.Live“). Bei Sat.1 wurde Chefredakteur Jürgen Meschede für das „Sat.1 Frühstücksfernsehen. Gemeinsam durch die Krise“ ausgezeichnet.

Es ist kein Zufall, dass just die Sender, die vor 22 Jahren den Deutschen Fernsehpreis aus der Taufe gehoben haben – ARD bzw. Das Erste,  ZDF, RTL und Sat.1 -, gesetzte Dauergewinner sind – und jetzt auch wieder bei der Corona-Berichterstattung zu den Hauptabräumern der angeblich vorbildlichen Berichterstattung gehören. Es handelt sich um klassische Selbstbeweihräucherung; doch nachdem schon in der Corona-Krise von Meinungsvielfalt und kritischem, die Corona-Maßnahmen der Politik wirklich unbequem hinterfragendem Journalismus in den vergangenen drei Monaten wenig zu sehen war, fällt diese beim Fernsehpreis dann auch nicht mehr weiter ins Gewicht.

Geradezu urkomisch hingegen liest sich die Würdigung der Preisträger durch die Jury, der neben – wiederum bei den ausgezeichneten Sendern in Lohn und Brot stehenden – Darstellern wie Maria Furtwängler („Tatort“) oder die Filmproduzentin Natalie Scharf (die vor allem fürs ZDF diverse Produktionen übernahm) auch ZDF-Moderator Mitri Sirin sowie ARD-Journalisten angehören: Man verstehe diese Auszeichnung für die prämierten Sender „ausdrücklich als Verpflichtung zu Qualitätsjournalismus im digitalen Medienzeitalter und als Ermutigung für verantwortungsbewusste Journalistinnen und Journalisten“. Die Corona-Pandemie sei „gerade im Bereich Information zur Bewährungsprobe“ geworden, die man „mit Bravour“ gemeistert habe. (DM)

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