Abt. Tränendrüse: Der „Zeit“-Leser muß bitterlich weinen

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Tarsis Bonga 32, Chemnitz, enttäuscht nach der Niederlage - Foto: Imago

Die „Zeit“ wird immer mehr von einem Klatsch- & Tratschblatt zu Zewa-Wisch & Weg. Saugfähiges Papier löst das Triefaugenproblem des „Zeit“-Lesers. Das ganze Mitleid für den armen Herrn Floyd. Die hämische Medienkritik.

von Max Erdinger

Wussten Sie, daß George Floyd sogar bei seiner Festnahme noch geschwindelt hat? Die „Zeit“ hat es herausgefunden. Genauer: Frau Vanessa Vu hat es für die „Zeit“ herausgefunden. Wahrscheinlich ist sie Rassistin. George Floyd ist, Frau Vu zufolge, nicht daran gestorben, daß er keine Luft mehr bekommen hat, sondern daran, daß er keine bekommen durfte. Wir können von Glück reden, daß es kluge Frauen gibt. Noch klügere Frauen würden es kurz und schmerzlos machen, und einfach hinschreiben, was sie gern behaupten wollen. In diesem Fall wäre das gewesen: George Floyd wurde aus rassistischen Motiven heraus ermordet.

Nichts mit simulierter Feingeistigkeit. Bekam nicht, durfte nicht. Weil er nicht durfte, bekam er nicht. Weswegen Frau Vu auch gleich zu Beginn verschweigt, daß harte Drogen harmlos sind. Keinesfalls haben sie etwas mit Luftnot und Herzversagen in bestimmten Situationen zu tun. Daß harte Drogen nicht harmlos sind, wollte sie allerdings ebenfalls nicht erzählen. Und daß George Floyd jede Menge davon in der Blutbahn hatte, nämlich Fentanyl und Metamphetamin. Damit dem „Zeit“-Leser nicht schon zu Beginn des Artikels mit der Schlagzeile „Rassismus: 20 Dezibel“ die Tränendrüse austrocknet. Weil man sich sonst das saugfähige Papier auch hätte sparen können. Ungelogen: Was Frau Vanessa Vu danach noch alles herausgefunden hat, dafür bräuchte man eine eigene Zewa -Wisch & Weg-Fabrik.

„I can´t breathe“

Das sind nur drei Wörter. Eindeutig zu wenig für Frau Vanessa Vu. Deshalb bedürfen sie einer poetischen Ausschmückung. Und die Pötrie geht so: „Die Wucht, die Tragik dieses einfachen Satzes erschließt sich nicht nur aus seinem Inhalt, der eine Beschreibung eines sich immer wiederholenden Schicksals schwarzer Menschen in den USA zu sein scheint. In der Kombination mit den Videoaufnahmen verdichtet sich in ihm die Erzählung vom Schwarzsein in den USA: Oben der Weiße, unten der Schwarze, ein verstörend großer, intuitiv erfassbarer Machtunterschied„. – Sehen Sie? Schon sind „wir“ richtig traurig. Weil wir die verdichteten „die Menschen“ sind. Und der liebe George war einer von uns. Gut, er war dann einer von uns, wenn wir alle Weltbürger sind. Sind wir ja auch. Aber erst an einer hinteren Stelle. Zuvörderst sind wir Heimatbürger. Allerdings sind wir noch Weltbürger, bevor wir Weltallbürger sind. Weltallbürger ist das größte, was man als Bürger in Deutschland werden kann. Frau Vanessa Vu würde das vermutlich unterschreiben. Weswegen sie sich auch große Sorgen um den Rassismus in den Vereinigten Staaten von Drogenamerika macht.

Das sind so Probleme, die der Heimatbürger, der nicht Herr Vu heißt, einfach nicht hat. Weil aber gerade der Heimatbürger ein empathischer Mensch ist, ist er natürlich brennend und voller Anteilnahme an den Befindlichkeiten jeder x-beliebigen Frau Vu interessiert. Es wird schon noch ein paar geben. Die „Zeit“ wird nicht die einzige haben. Weil der Herr Heimatbürger aber nicht nur empathisch, sondern auch antirassistisch ist und jede Rassendiskriminierung ablehnt, aus der sowieso nur rechter Haß und chauvinistische Gewalt resultieren, gibt er trockensten Auges zu bedenken, daß die erste Voraussetzung für rassistische Gewalt das Vorhandensein jener verschiedenen Rassen ist, welche die Grünen gern aus dem Grundgesetz gestrichen hätten. Als Wort „Rasse“. Keine Rasse mehr im Gesetz, kein Rassimus mehr im Alltag. Der überwundene Rassismus hieße dann vermutlich Menschismus. Der Menschist wäre dann ein arges Übel in der menschlichen Gesellschaft der „die Menschen“.

Das mit der „Erzählung vom Schwarzsein in den USA“ stimmt aber. Also, daß oben der Weiße und unten sich der Schwarze befindet. Das konnte man nach der US-Präsidentenwahl im November 2016 schon gut an Obamas Gesicht erkennen. Was für ein Glück, daß es kluge Frauen gibt. Das sagte ich schon. Man kann es aber gar nicht oft genug sagen, heutzutage. Noch klügere Frauen allerdings würden anmerken, daß Donald Trump die optimale Lösung darstellt, weil er den Antirassisten und den Feministen jene Einigkeit in ihrem Haß auf sich ermöglicht, die im Falle, daß die weiße Frau Clinton dem schwarzen Herrn Obama im Präsidentenhaus gefolgt wäre, einem Streit um den Rassismus weißer Feministinnen zum Opfer gefallen sein würde – und in der Forderung hätte gipfeln können, eine schwarze Frau hätte kandidieren sollen. Wenn möglich Rollstuhlfahrerin und lesbisch. Samt der Forderung nach einer Umbenennung des Weißen Hauses in Schwarzes Haus und der Streichung der „Boston Tea Party“ aus den Geschichtsbüchern.

Tötet Kolumbus!

Im US-Staat Virginia wurde bereits eine Kolumbus-Statue gemeuchelt. In der Stadt Richmond ist der alte Seefahrer von seinem Denkmalsockel im Byrd-Park gestoßen worden und wurde im James-Fluß ersäuft. Was für eine Gaudi beim Antirassismus-Volksfest! – „Hier ist des Volkes wahrer Himmel, Zufrieden jauchzet Groß und Klein; Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.„, schrieb Goethe, der alte Gaudibursche. Ja gut, der hieß aber nicht Vanessa mit Vornamen.

Cheese: Bitte lächeln

Weltberühmt ist inzwischen das Foto von dem Polizisten mit dem seltsamen Nachnamen Chauvin, wie er George Floyd hinter dem Polizeiauto zu Tode kniet. Die Bildbesprechung mit Frau Vanessa Vu: „Das Bild habe „die unsichtbare Dimension des Rassismus sichtbar gemacht“ und „die unsichtbare Dimension des Weißseins“, sagte die Soziologin Natasha A. Kelly. Aus ihrer unterlegenen Position heraus konnten und durften sich (…) Floyd nicht wehren. Die Auseinandersetzung war kein Kampf von Mann gegen Mann, kein Kampf unter Gleichen.“ – Tja, das mit der Gleichheit bei Festnahmen ist so eine Sache. Nirgendwo auf der ganzen Welt will sich die Staatsgewalt angewöhnen, den Verbrechern auf Augenhöhe zu begegnen. Kein Polizist legt sich bei einer Festnahme selbst die Handschellen an. Keiner legt sich neben den Festgenommenen auf den Boden, um mit ihm zusammen Entspannungsatmung zu üben. Noch nicht einmal deeskalierend. Nein, das sind tatsächlich keine Kämpfe unter Gleichen, selbst dann nicht, wenn der weiße Dorfpolizist den weißen Hinterlechner Rudi festnimmt, obwohl der einen Sonnenbrand hat.

Was für ein Glück, daß es nicht nur kluge Frauen gibt, die für die „Zeit“ schreiben, sondern auch noch welche, die saumäßig gut Soziologie können. Aber wenn zwei solche Überfliegerinnen über den „Kampf von Mann gegen Mann“ schreiben, der in ihren Gefühlsaugen wohl edler wäre, als die kunstlose Festnahme per Staatsgewalt, dann wird es trotzdem komisch. Wir sollen aber weinen, nicht lachen. Die „Zeit“ ist ein besinnliches Blatt voll der Saugfähigkeit, keines für die trockene Heiterkeit. Für die gute Laune sorgt der „Spiegel“. Der hat auch von Gates wesentlich mehr Geld bekommen, als die „Zeit“. Mit vollen Hosen ist eben gut stinken.

In den USA ist bei einer Festnahme schon vor Floyd ein anderer Amerikaner mit afroamerikanischem Hintergrund erstickt. Das war 2014. Der Mann hieß Eric Garner. Er soll ebenfalls gesagt haben: „I can´t breathe“. Daraus schließt Frau Vanessa Vu messerscharf: „Entsprechend stimmen die letzten aufgezeichneten Sätze der beiden nicht. Sie sagten, sie konnten nicht atmen, aber sie hätten es gekonnt. Sie durften es nicht„. So, und jetzt hat sie mich. Ich muß weinen. Weil mich die Gesetzestreue solcher Festgenommenen zu Tränen rührt, die zwar Luft holen könnten, es aber sein lassen, weil sie nicht dürfen.

Für „Zeit“-Schreiberinnen wie Frau Vanessa Fu hält der gewöhnliche Franke eine Lebensweisheit zur Berücksichtigung bereit: „A bleds Gschmarri hosd schneller bonanner wäi fümbf Mark.“ Hier die Übersetzung: „Ein blödes Geschmarr hast du schneller beisammen als fünf Mark.“

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