Nazijagd auf der Baustelle: Wirbel um Bagger mit „Führerhaus“-Schild

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Überall besorgte Nazi-Jäger (Smbolbild: shutterstock.com/Von tommaso lizzul)

Stuttgart – NS-Halluzinationen im Alltag: In Zeiten, da der Kampf gegen Nazis, Faschisten und Rechtsextreme umso vehementer geführt wird, je weniger echte Vertreter dieser Gruppen in Wahrheit existieren, wird begierig nach jedem Indiz für „braunes“ Gedankengut gefahndet. In Stuttgart-Kaltenbach geriet nun der auf einem Bagger angebrachte Schriftzug „Führerhaus“ zum Aufreger.

Dass die deutsche Sprache nach wie vor das Wort „Führer“ kennt, meist hinter vor- und nach gestellten Bezugsbegriffen wie „Lok-„, „Fremden-“ oder auch „Ver-„, aber auch „-schein“ oder „-los“, ist für mancheinen bereits skandalöser Ausdruck einer nie vollzogenen linguistischen Entnazifizierung. Wenn der Wortbestandteil „Führer“ dann aber auch noch in als „altdeutsch“ empfundener Frakturschrift auftaucht, muss es sich um einen Fall für den Verfassungsschutz handeln.

Das Corpus Delicti – „Führerhaus“-Nazirunen auf einem Bagger (Screenshot:Stuttgarter Nachrichten)

Wie die „Stuttgarter Nachrichten“ schreiben, sorgt nun ein Bagger auf einer Straßenbaustelle in der Kaltentaler Schlossbergstraße inmitten der baden-württembergischen Landeshauptstadt für helle Aufregung: Auf dem Fenster von dessen Fahrerkabine findet sich das Wort „Führerhaus“ – ein Hinweisschild, das auf das Führerhäuschen Bezug nimmt, in dem – wie die Zeitung in ihrem Artikel für ganz Begriffsstutzige klarstellt „- Gott sei Dank nicht der Führer sitzt, sondern der zum Führen des Fahrzeugs berechtigte Fahrer.“

Dass das Wort in historisierender, altbacken-germanisch anmutender Schrifttype (die noch in die 1970er Jahre überall in der deutschen Öffentlichkeit gebräuchlich war) geschrieben ist, beunruhigte wachsame Nazijäger prompt. Ein Leser schrieb der Lokalzeitung einen Brief, die daraufhin besorgt formulierte: „Das wirft die Frage auf: Verherrlicht der Fahrer den Führer?“.

Unternehmen fleht um Vergebung

Um einem drohenden Shitstorm vorzugreifen, wälzte sich der Inhaber und Geschäftsführer der Baufirma Binder aus Remseck sogleich pflichtschuldig im Staub und bat um Vergebung: „So etwas dürfen unsere Baggerfahrer nicht tun. Das haben wir ganz bestimmt nicht gemacht. Unsere Fahrzeuge werden manchmal mit Graffiti verschmiert.“ Seine Firma sei ein Unternehmen, das Arbeitnehmer aus ganz Europa beschäftige: „Wir sind ganz bestimmt nicht nationalsozialistisch eingestellt, und ich werde auf die Baustelle fahren und dem Vorfall nachgehen.“. Für den Baggerfahrer gab es dann noch eine Abmahnung, die Aufschrift wurde entfernt.

Bleibt für den Unternehmer zu hoffen, dass sich die örtliche Antifa-SA mit dieser Büßergeste und Entschuldigung zufrieden gibt – und keine Strafexpedition schickt, um ihrer „antifaschistischen“ Überzeugung Nachdruck zu verleihen. (DM)

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