Auf die Knie? Nur vor Gott!

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Foto: Von That One Photography/Shutterstock

Eine merkwürdige gymnastische Übung macht derzeit unter weißhäutigen Menschen Karriere: Sie knien bei allerlei Gelegenheiten mit einem Bein nieder – Politiker, Fußballmillionäre, Antikapitalisten, Religionsfürsten und viele mehr.

Von Wolfgang Hübner

Dieses Niedersinken dient aber nicht der körperlichen Fitness, sondern soll einen toten Mann mit einem respektablen Vorstrafenregister ebenso ehren wie es ein symbolisches Schuldeingeständnis für den vermeintlichen oder faktischen Rassismus der Vorväter sein soll. Sehr verspätete Sühnehandlungen sind ja gerade in Deutschland nichts Neues, auch wenn die Demütigung unserer französischen Nachbarn in Sedan am 1. September 1870 noch immer keinen würdigen Platz im übervollen Sühnekalender der bunten Republik gefunden hat.

Nun ist Niederknien schon aus medizinischen Gründen nicht für alle Altersgruppen und individuelle Fitnesszustände zuträglich. So könnte sich zum Beispiel der greise demokratische Trump-Rivale Joe Biden damit ganz leicht einen Knieschaden einhandeln, der auch mit Voltaren nicht so ohne weiteres zu heilen wäre. Allerdings sollte ausgerechnet der Präsidentschaftskandidat der ehemaligen Sklavenhalterpartei kein gesundheitliches Risiko scheuen, Pluspunkte unter Schwarzhäutigen zu sammeln. Auch für stark übergewichtige deutsche Wirtschaftsminister und Kanzleramtsminister ist diese neue Bußübung eine problematische Angelegenheit, weiß doch keiner, ob es die beiden hohen Herren – ähnlich wie Nancy Pelosi bei ihrem Kniefall am Montag im US-Kongress – wieder alleine in die Vertikale zurückschaffen.

Da wir derzeit durch coronaschädliche Massendemonstrationen und in allen Leitmedien erfahren, wie schlimm der Rassismus auch zwischen Flensburg und Konstanz wütet, ist zu erwarten, dass bald keine politische oder gesellschaftliche Zusammenkunft in unserer Republik ohne rituelle Kniebeuge mehr stattfinden wird. Das hat allerdings den Vorteil, endlich auch mal die einst so aufmüpfigen Protestanten in eine zumindest halbkatholische Körperposition zu bekommen. Die Abhaltung noch harmonischerer ökumenischer Kirchentage dürfte das sicher erleichtern. Da nicht nur bei solchen Ereignissen die Teilnahme von schwarzhäutigen Menschen wahrscheinlich ist, wäre deren reuemütige Fußwaschung durch weißhäutige Zeitgenossen in einbeiniger Knieposition naheliegend und fänden viele Journalistenseelen wie gewiss auch Margot Käßmann, Claus Kleber und Co. tief bewegend.

Dass es allerdings immer noch Leute in den USA wie in Deutschland gibt, die das Niederknien zu Ehren eines Kriminellen übertrieben finden und hartnäckig darin einen historischen Fortschritt erkennen wollen, vor keinem Menschen und auch keiner menschgemachten Institution in die Knie resp. in das (rechte oder linke) Knie zu gehen, ist aus antirassistischer Sicht selbstverständlich bedauerlich und eigentlich nicht hinnehmbar. Aber auch dieser Missstand lässt sich gewiss noch in Berlin gesetzlich regeln: Mit Mund- und Nasenschutz in die Knie – so hat doch jede Regierung samt Verfassungsschutz das Volk gerne!

Bleibt allerdings noch eine lästige Problemgruppe, nämlich die Minderheit christlicher Extremisten. Diese Extremisten wollen ganz altmodisch nicht vor und für George Floyd, sondern einzig vor und für Gott in die Knie gehen. Das ist eindeutig eine verwerfliche hochpolitische Widerstandshandlung obskurer Verschwörungstheoretiker. Antifanten, kümmert euch drum!

Dieser Beitrag erschien zuerst hier

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