Vom Winde verweht: Kunst- und Meinungsfreiheit fallen der linkstotalitären Kulturrevolution zum Opfer

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Wandmalerei zum Thema Zensur (Foto: Pixabay)

Der neostalinistische Bildersturm hat begonnen: Was in Gegenwart und Vergangenheit irgendwie als rassistisch, reaktionär, nazistisch oder sonstwie „belastet“ gilt, soll ausgemerzt werden – aus der Wahrnehmung und dem kulturellen Gedächtnis. Schul- und Straßennamen und Denkmäler. Bücher und Filme. Vertreter unliebsamer Meinungen in Medien, Kunst- und Kulturbetrieb. Noch gibt es keine Bücherverbrennungen, doch die Zensur inklusive Auslöschung geschichtlicher Größen durch die berüchtigte damnatio memoriae sind in vollem Gange.

Wer immer ins Säurebad der rigiden Moralisten, der political correctness in verschärfter Form gerät, hat gelitten. Persönlichkeiten und schöpferische Genie der Geschichte werden nicht mehr nach ihren Leistungen bewertet, ihre Ansichten und Äußerungen aus den Paradigmen ihrer Zeit heraus beurteilt, sondern nach den strengen Wertmaßstäben eines totalitären Egalismus der Gegenwart – ganz so, wie die Jakobiner der französischen Revolution oder die roten Garden unter Mao alles zertrümmerten, was ihrem barbarischen Wahn und Sendungsbewusstsein entgegenstand.

Nachdem am vergangenen Wochenende linke Aktivisten im „antirassistischen“ Furor bereits die Berliner Mohrenstraße in „George-Floyd-Straße“ umtauften und damit bereits seit langem im R2G-Senat zirkulierenden Bestrebungen vorgriffen, den vermeintlich „diskriminierenden“ Namen zu ändern, legte eine Grün-Fundamentalistin der ersten Stunde, Jutta Ditfurth aus Frankfurt, mit einem weit umfassenderen Vorstoß auf Twitter nach – und forderte gleich den ganz großen Rundumschlag – die Säuberung des verbliebenen kulturellen Erbes der Deutschen von allen linken Feindbildern:

(Screenshot:Twitter)

Als Spinnerei einer durchgeknallten, selbst von früheren Weggefährten nicht mehr ernstgenommenen Polit-Hysterikerin, die über ihren Radikalismus offenkundig Persönlichkeitsprobleme abreagiert, lässt sich dieser Debattenbeitrag im konkreten Fall allerdings nicht abtun – denn prompt fanden sich etliche Likes und Unterstützer von Ditfurths Idee im Kommentarthread ebenso wie in der sich anschließenden Netzdebatte. Dem Sprecher der „Linksjugend Solid“ und Leipziger Linken-Stadtrat Michael Neuhaus etwa ging Ditfurths Vorstoß runter wie Öl – weshalb er auch gleich davon zu träumen begann, Otto von Bismarck vom Sockel zu stoßen:

(Screenshot:Twitter)

Kein Problem haben all diese Gesinnungswächter bezeichnenderweise mit einem weiteren üblen Rassisten und Antisemiten der deutschen Geschichte, Karl Marx. Auf die Idee, dessen Namen aus dem kollektiven Gedächtnis zu steichen und seine Ideen zu ächten, deren postume Umsetzung über 100 Millionen Menschenleben forderte, kommt den überschäumenden Linksbolschewisten natürlich nicht in den Sinn.

Wenn jenen nicht das Handwerk gelegt wird, die solche Ideen gerade angesichts der gegenwärtigen „Black Lives Matter“-Debatte in die Tat umsetzen wollen, droht eine Kulturlosigkeit und ein geistiger Totalitarismus, wie ihn sich George Orwell nicht hätte schlimmer ausmalen können. Nicht umsonst heißt es in dessen dystopischem Klassiker „1984“ wörtlich: „Jede Statue und jedes Straßengebäude wurde umbenannt, jedes Datum wurde geändert. Und der Prozess geht Tag für Tag und Minute für Minute weiter. Die Geschichte hat aufgehört. Nichts existiert außer einem endlosen Geschenk, in dem die Partei immer Recht hat.“

Jene Neostalinisten unterscheiden sich letztlich in nichts von der Soldateska des „Islamischen Staates“, die ohne Respekt vor jahrtausendealten Kulturschätzen alle Hinterlassenschaften verpönter Weltanschauungen zerstörten und planierten – ob diese nun in westlichen Einflüssen oder in anderen Religionen bestanden. Videotheken und Internetcafés fielen ihren Marodeuren ebenso zum Opfer wie Schätze des UN-Weltkulturerbes in Palmyra. Was die neue Rotfront auf Deutschlands Straßen und im Netz herbeischreit, ist letztlich ebenfalls ein Kalifat – in dem ketzerische Meinungen die Höchststrafe verdienen und nur erlaubt ist, was den herrschenden Dogmen entspricht – zu Migration, Diversität, Gendergerechtigkeit, Antidiskriminierung/Antirassismus und natürlich Klima.

Rotfront auf dem Weg ins linke Kalifat

Und die wenigen Journalisten, die sich noch den Luxus einer abweichenden Meinung leisten, werden entweder durch Anzeigenboykotte gegen ihre brotgebenden Verlage unter Druck gesetzt (man denke an die Kampagnen gegen „jouwatch“, „Achse des Guten“ oder „Tichy’s Einblick“) – oder sie werden von den Bodentruppen des neuen Linksstaats plattgemacht; so wurde etwa Anfang des Jahres das Auto von B.Z.-Redakteur Gunnar Schupelius von Autonomen abgefackelt. „Antifaschismus ist Handarbeit“, bejubelt etwa „Spiegel“-Antifa-Sympathisantin Margarete Stokowski derartige Aktionen und in der euphemisierenden Interpretation von SPD-Chefin Saskia Esken nennt sich so etwas „Druck der Straße“).

Und „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt berichtete vorgestern verbittert, wie eine zunehmend kompromisslose Linke mit bewährten bolschewistischen Nadelstichmethoden versucht, ihn zur Entlassung unliebsamer Autoren zu zwingen:

(Screenshot:Twitter)

Diese völlig enthemmte und entgrenzte Agitation linker Ideologen, die mit dem rotzfrechen Selbstbewusstsein auftreten,  Interessenvertreter der Mehrheitsgesellschaft und des politisch-kulturellen Milieu Juste zu sein, ist die Folge ihrer langjährigen  Verhätschelung und Förderung durch die Regierungen: Zuwendungen an unverhohlene Linksextremisten, an „gegen rechts“ tätige sogenannte „zivilgesellschaftliche“ Organisationen und Aktivisten, deren Aufwertung bis hin zur Salonfähigkeit durch kritiklose Medienpräsenz von einst renommierten Tageszeitungen bis hin zu öffentlich-rechtlichen Talkformaten sind sichtbare Folgen der Linksverschiebung des Meinungsspektrums. Und immer mehr Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens werden von ihren Wert- und Denkmaßstäben erfasst – von der unter rassistisch-fremdenfeindlichen Generalverdacht gestellten Polizei und Bundeswehr bis hin zur Verleumdung eines Viertels der ostdeutscher Wähler als „Faschisten“.

Diese totalitäre Linke dominiert die Debatte nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA inzwischen in einem Ausmaß, dass nicht mehr von einem bloßen Kulturkampf die Rede sein kann, sondern von einem kulturellen Kahlschlag, dessen Resultate dem nationalsozialistischen, maoistischen und stalinistischen Verbotseifer kaum nachstehen. Dass der Streaming-Anbieter HBO Max allen Ernstes den Hollywood-Klassiker „Vom Winde verweht“ (im Original: „Gone With The Wind“ aus dem Programm nahm, um so ein „Zeichen zu setzen“ auf den Mord an George Floyd und die „anhaltenden Anti-Rassismus-Demonstrationen“ (bei denen es sich in Wahrheit um konzertierte Plünderungs- und Zerstörungsorgien von Linksextremen und gewalttätigen Schwarzen handelt) – dies wäre noch vor wenigen Jahren völlig undenkbar gewesen.

Heute wird eine solche Wahnsinnszensur, die an Geistlosigkeit und Dümmlichkeit nicht zu überbieten ist, beklatscht – und sie wird diverse Nachahmer auf den Plan rufen, die nicht nur die Filmregale, sondern auch die Bibliotheken nach Machwerken „historisch kompromittierter“ Autoren und Regisseure durchforsten – oder nach verfänglichen Inhalten. Denn entweder ist der Schöpfer oder der Stoff das Problem. So bleibt am Ende kein Stein auf dem anderen, denn es gibt schlicht keine kulturelle Hinterlassenschaft der westlichen Welt, die sich nicht von der moralisch erhöhten Warte der zeitgenössischen Selbstgerechtigkeit aus als rassistisch oder sexistisch oder militaristisch oder gewaltverherrlichend interpretieren ließe.

Auftrittsverbote für Künstler dank verstaatlichter Veranstalter

Während bei verblichenen Geistesgrößen von einst die Werke geächtet, Lieder nicht mehr gespielt, Bücher nicht mehr gelesen oder Filme nicht mehr gezeigt werden können, erfordert die Regulierung und Mundtotmachung zeitgenössischer Künstler schon etwas mehr Kreativität. Doch die bolschewistischen Kulturwächter haben schon ihre Ideen – und nutzen die Gunst der Stunde durch Corona. Ziel ist die totale staatliche Kontrolle über alle Kulturbereiche – durch früher oder später alternativlose Übernahme der großen Veranstaltungsunternehmen (die kleinen sind dank des Shutdowns ohnehin bereits so gut wie pleite).

Dass die Reise genau dahin geht, verdeutlichte gestern der Geschäftsführer des Konzertveranstalters „Live Nation“, Marek Lieberberg, in klaren Worten: Wenn es bis spätestens zum 1. Halbjahr 2021 nicht zur kompletten Aufhebung der Veranstaltungsverbote für die Konzert- und Eventbranche gäbe, so Lieberberg gegenüber RTL und „n-tv“, seien Staatsübernahmen wirtschaftlich unabdingbar. Wenn die aktuellen Restriktionen bestehen blieben, oder selbst nach ihrer Aufhebung eine nochmalige Einschränkung erfolgen sollte, „dann wüsste ich nicht, wie der Weg weiterführen sollte“, so der Großveranstalter: „Das heißt, wir müssten wahrscheinlich auch vom Staat übernommen werden wie die Theater- und Opernhäuser.“

Und genau diese Übernahme des Veranstaltungssektors würde dann der Politik erlauben, nur noch politisch zuverlässige, erwünschte Künstler auftreten zu lassen. Der Druck, dem bereits die wenigen noch geduldeten kritischen Kabarettisten im öffentlich-rechtlichen ausgesetzt sind (man denke nur an Dieter Nuhr, während etwa Uwe Steimle bereits gefeuert wurde) – er würde dann auch auf Live-Künstlern lasten, nur ungleich stärker: Für Dissidenten gäbe es faktische Auftrittsverbote. Es wäre wie in der DDR, in der nur die SED bestimmte, wer öffentlich auftreten darf.

Wie in der DDR

Wem dies paranoid oder übertrieben erscheint, der sei auf das Beispiel Xavier Naidoos verwiesen: Dessen für 2021 geplanter Auftritt im Kloster Wiblingen in Ulm soll bereits jetzt nach  dem Willen mehrerer Politiker verhindert werden – weil Naidoo, so unter anderem der Ulmer SPD-Politiker Martin Rivoir laut „t-online„, in der Vergangenheit „wiederholt Verschwörungsideologien verbreitet“ habe.

Mit einem Trick soll das Konzert vereitelt werden: Da der Auftrittsort in Landesbesitz steht, legte das baden-württembergische Finanzministerium einfach mal eben neue Regeln „für Auftritte in landeseigenen Objekten“ fest – um so Konzerte unerwünschter Künstler auf seinen Flächen leichter verhindern können. Zudem sollen Verträge mit Konzertveranstaltern leichter gekündigt werden können, wenn diese Künstler engagieren, die zum Beispiel von Gerichten wegen „extremistischer Äußerungen“ belangt wurden. Wenn nun der Staat praktischerweise selbst den Konzertveranstalter kontrolliert oder an ihm beteiligt ist, stellt sich dieses Problem gar nicht erst.

So sind also die linken Kulturrevisoren und Sittenwächter landauf, landab in informeller und offizieller Stellung mit revolutionärem Eifer unterwegs, um dieses Land umzubauen. Dies ist eine echte „GeMoWe“, „geistig-moralische Wende“, die einst Kohl 1983 zu Beginn seiner Kanzlerschaft versprach – allerdings in die genau entgegengesetzte Richtung. (DM)

 

 

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