Offener Brief eines ehemaligen DDR-Häftlings: Herr Müller-Westernhagen, warum darf ich Ihre „Freiheit“ nicht covern?

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Kein Verständnis für die "Freiheit" der anderen? Marius Müller-Westernhagen (Foto: Imago)

Was bedeutet eigentlich der Begriff „Freiheit“, wenn er nicht für alle gilt? Hier ein denkwürdiger offener Brief an Marius Müller-Westernhagen, den er sich an sein Herz nageln sollte:

Sehr geehrter Herr Müller-Westernhagen,

mein Name ist Mario Beger. Ich bin AfD-Landtagsabgeordneter aus Sachsen und derjenige, der Ihren Song „Freiheit“ gecovert hat, weswegen Sie mir nun mit rechtlichen Konsequenzen drohen. Ich habe mich entschlossen Ihnen diesen Brief zu schreiben, weil ich begründen möchte, warum ich das tat.

Ein Jahr, nachdem ihr Lied „Freiheit“ 1987 erstmals veröffentlich wurde, befand ich mich in Haft. Ich war damals 22 Jahre alt und wollte über Ungarn in den Westen. Der Freiheit wegen. Ich wollte die Welt sehen und offen meine Meinung sagen können. Weil ich bereits mehrere abgewiesene Ausreiseanträge gestellt hatte, musste ich vor einer Ungarnreise bei der Polizei unterschreiben, dass ich wiederkommen werde. Im August 1988 wurde ich dann verhaftet und kam von einem Gefängnis ins nächste. Erst Budapest, dann Berlin, dann Dresden – in die Stasi-Zentrale auf der Bautzner Straße.

Es folgte das ganze Programm: nackte Körperkontrollen, vier Wochen lang tägliche Verhöre. In der JVA, Dresdner Schießgasse, pfiff ich das Deutschlandlied. Ein Wärter mit Spitznamen „Nazi“ hörte das und ich kam in Einzelhaft, wo ich auch geschlagen wurde. Vom Gefängnis in Zeithain aus musste ich dann zwangsweise schwerste Drei-Schichtarbeit im Stahlwerk Riesa leisten. Am 8. November 1989, einen Tag vor der Maueröffnung, wurde ich dann über eine Amnestie freigelassen.

Im Frühjahr 1990 war ich bei Ihnen im Konzert in Berlin. Wenn ich heute ihr Lied „Freiheit“ als Live-Version höre, bekomme ich Gänsehaut. Für mich ist es die Hymne zum Niedergang des DDR-Regimes.

Heute, 30 Jahre nach der friedlichen Revolution, gehen erneut Bürger in ganz Deutschland auf die Straße, um für ihre Freiheit und gegen die Einschränkung ihrer Grundrechte zu demonstrieren. Es darf nie wieder geschehen, dass Menschen, egal welche politische Einstellung sie haben, politisch verfolgt werden. Friedliche Proteste müssen möglich sein. Sie sind Eckpfeiler der Freiheit.

Sollte ich Sie mit meiner Version des Liedes verletzt haben, möchte ich mich in aller Form dafür entschuldigen. Ich habe es inzwischen aus allen Foren gelöscht.

Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, meinen Brief zu lesen.

Mit freundlichen Grüßen,

Mario Beger.

Was ist von so einem Staatskünstler zu halten, der die „Freiheit“ dermaßen missbraucht!

 

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