Fall Konstantinopels: Erdogan lädt zum Freitagsgebet in die Hagia Sophia

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Foto: Von Darkdiamond67/Shutterstock

Mit ganz großem Tamtam feiert der türkische Despot Recep Erdoğan in diesem Jahr wieder den Fall Konstantinopels. Zum 567. Jahrestag der Eroberung der einst christlichen Metropole lädt er zum islamischen Freitagsgebet in die Hagia Sophia. Ein weiteres Zeichen seines Missfallens, das die einst byzantinische Kirche und strahlender Mittelpunkt der Christenheit noch immer als Museum und nicht als Moschee fungiert.

Eine Replik der berühmten byzantinischen Mauern von Kontantinopel wurde am Donnerstag außerhalb der Hagia Sophia errichtet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan verkündete, dass am Freitag ein Gebet zum 567. Jahrestag des Sturzes von Konstantinopel an diesem Ort stattfinden werde.

„Ich werde an (festlichen) Veranstaltungen in Istanbul teilnehmen, um an den Jahrestag seiner Eroberung zu erinnern. Zunächst werden wir ein Krankenhaus im Stadtteil Sancaktepe eröffnen. Am Abend wird die Al-Fatiha-Sure des Korans gelesen und in der Hagia Sophia gebetet “, erklärte Erdogan laut Greekreporter am späten Donnerstag in einer Fernsehansprache.

Erdogan hat mit seinem Vorschlag, die Hagia Sophia, ein UNESCO-Weltkulturerbe, das heute als Museum dient, in eine Moschee umzuwandeln, vor allem in Athen wiederholt für Ärger gesorgt.

Auf Twitter feiert der türkische Despot den blutigen Fall Konstantinopels am 29.Mai 1453, die damit einhergehenden Toten, Plünderungen von Kirchen und Klöstern, die Ermordung der Christen, die in der Hagia Sophia Schutz gesucht hatten sowie die Versklavung von Mädchen und Frauen entsprechend ab:

screenshot Twitter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Ich gratuliere zum 567. Jahrestag der Eroberung Istanbuls, einem der spektakulärsten Siege der Geschichte, der eine Ära beendet und eine andere Ära eröffnet.

Ich ehre alle unsere Helden, die uns dieses Land zur Heimat gemacht haben, besonders mit Fatih Sultan Mehmed Khan, mit Barmherzigkeit und Respekt“, so Erdogan.

Die im sechsten Jahrhundert erbaute Hagia Sophia war fast tausend Jahre lang der Hauptsitz der griechisch-orthodoxen Kirche. Dies blieb so, bis es nach der osmanischen Eroberung der Stadt, die damals als Konstantinopel der Mittelpunkt der christlichen Welt war, im Jahr 1453 in eine Moschee umgewandelt wurde.

Der weltliche Gründer der Türkei verwandelte das Gebäude 1935 in ein Museum, das jedes Jahr Millionen von Touristen anzieht.

Die Hagia Sophia (vom griechischen Ἁγία Σοφία „heilige Weisheit“) oder Sophienkirche ist eine von 532 bis 537 n. Chr. erbaute byzantinische Kirche, die nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 durch die Osmanen Moschee wurde und heute als Museum genutzt wird. Nach dem Fall Konstantinopels wurden christliche Insignien, Inneneinrichtung, Dekorationen und Glocken der Hagia Sophia entfernt oder durch Putz verdeckt.

Sie ist nicht nur die letzte der spätantiken Großkirchen, die seit Konstantin dem Großen im Römischen Reich errichtet wurden, sondern gilt in ihrer architektonischen Einzigartigkeit auch als eine Kirche ohne Vorbilder und ohne Nachahmung.

Die Kuppel der Hagia Sophia bleibt mit ursprünglich 33 Metern Spannweite bis zum heutigen Tage die größte über nur vier Tragepunkten errichtete Ziegel-Kuppel der Architekturgeschichte und gilt mit der gigantischen Umsetzung und ihrer besonderen Harmonie und Proportionen als eines der bedeutendsten Gebäude aller Zeiten.Aufgrund ihres besonderen Baugefüges und der von ihren Baumeistern Isidor von Milet und Anthemios von Tralleis, die sich bis an die Grenzen der verfügbaren technischen Möglichkeiten der Spätantike wagten, ist sie eine der kühnsten Konstruktionen aus Menschenhand und eines der bedeutendsten Bauwerke der letzten 1500 Jahre.

Daher gilt sie den meisten orthodoxen Christen noch heute als großes Heiligtum.  (MS)

 

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