Von wegen „gescheiterte Strategie“: In Schweden keine Corona-Todesfälle mehr

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Schwedische Corona-Lockerheit: Anderswo unvorstellbare Freiheiten in der Pandemie (Foto:Imago/TT)

Stockholm – Auch Schweden ist nun an dem ultimativen Wendepunkt der Pandemie angelangt – und verkündet neben stark fallender Neuinfektionen eine Sensation, die – glaubte man den wochenlangen düsteren Prophezeiungen deutschen Politiker – gar nicht hätte eintreten dürfen: Erstmals gab es am Freitag und Samstag dort keinen einzigen Covid-19-assoziierten Todesfall.

Dieses mehr als positive Resultat verzeichnet nicht einmal Deutschland, mit seinen nur mehr wenigen tausend aktiven Infektionen. Damit hat das liberale skandinavische Land den Nachweis erbracht, dass es sehr wohl möglich war, auch ohne kompletten wirtschaftlichen Shutdown, ohne Zerstörung von Gastronomie und Lähmung des Einzelhandels, die Corona-Krise zu bewältigen.

Genau das aber hätte eigentlich gar nicht eintreten dürfen – hätten die Unkenrufer und Katastrophenprediger unter den Gesundheitspolitikern, Medizinjournalisten und Virologen Recht behalten, die seit Anfang April in den Kommentarspalten und Talkshows geweissagt hatten, der Sonderweg der Stockholmer Regierung werde in einer Apokalypse münden.

Begierig hatten sie sich zur Untermauerung ihrer Vorhersagen – und zur gleichzeitigen Verteidigung der in der übrigen Welt gewählten Strategien – auf jedes statistische Indiz für das vermeintliche Scheitern des Schweden-Modells gestürzt. Zunächst waren es die im internationalen Vergleich (angesichts nur rund zehn Millionen Einwohnern) angeblich viel schlimmeren Todeszahlen in Schweden – die sich dann vor allem als Folge einer viel niedrigeren Zahl durchgeführter Tests entpuppten, welche die Mortalitätsrate im Verhältnis zu den bekannten Fällen stark erhöht erscheinen ließ.

Blamage für die Verfechter des „harten Wegs“

Dann war es der fast schon hämisch-triumphierende Verweis darauf, dass die schwedische Wirtschaft trotz Verzicht auf Shut- und Lockdown ebenfalls massive Einbußen erlitten habe und von der Rezession nicht minder hart getroffen worden sei; ein wahrhaft stupides Argument – denn jedes vom Export abhängige Land, wie Schweden oder übrigens auch Deutschland, leidet natürlich unter dem pandemiebedingten Einbruch des Welthandels und der Wirtschaftskrise in den wichtigsten Industrienationen. Der entscheidende Punkt ist, dass es Schweden noch viel härter getroffen hätte, wenn dort Beschränkungen wie in Deutschland (geschweige denn wie in Frankreich, Italien oder Spanien) gegriffen hätten.

Trotz weiter geöffneter Kitas und Schulen, Firmen und keinerlei Ausgangsbeschränkungen hatten sich offiziell rund 37.500 Menschen in Schweden infiziert. Hätte sich die Reproduktionsmodellierung bewahrheitet, wie sie etwa deutsche Experten des Robert-Koch-Instituts seit Beginn der Krise Mitte März ständig vorbeteten, dann hätte das Virus jedoch förmlich explodieren müssen. Dass dies trotz weitgehendem Verzicht auf staatliche Restriktionen ausblieb, liegt vor allem an der eigenverantwortlichen Um- und Vorsicht der Schweden, die Abstand hielten und Hygieneempfehlungen befolgten.

So blieb auch das große Sterben dort aus: Die meisten der knapp 4.400 Menschen, die in dem skandinavischen Land seit Anfang März amtlichen Angaben zufolge „an und mit“ Sars-CoV2 starben, waren einzelnen Infektions-Hotspots in Pflegeheimen in und um Stockholm zuzuordnen, wie der österreichische „ORF“ berichtet. Und wie hier lag das Durchschnittsalter der Verstorbenen auf dem Niveau der normalen Lebenserwartung, womit aller Voraussicht nach zum Jahresende auch in Schweden keinerlei Übersterblichkeit zu verzeichnen sein wird.

Insofern ist Schweden nicht schlechter durch die Krise gekommen als Deutschland – aber eben ganz ohne die riesigen Spätfolgen und Kollateralschäden, deren wahres Ausmaß etwa im Gesundheitswesen (Stichwort verschobene OP’s) oder am Arbeitsmarkt (Stichwort Massenentlassungen und Insolvenzen) sich erst mit einiger Verzögerung voll bemerkbar machen werden. (DM)

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