Unruhen in Minnesota: Deutsche Medien basteln sich die Wirklichkeit zurecht

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Unruhen von Minnesota: Deutsche Medien basteln sich die Wirklichkeit zurecht
Unruhen von Minnesota: Deutsche Medien basteln sich die Wirklichkeit zurecht

In der medialen Rezeption der Proteste im US-Bundesstaat Minnesota, die in der State Capital Minneapolis in bürgerkriegsähnliche Unruhen umschlugen, sind die Fronten wieder einmal klar gezogen, am Narrativ wird nicht gerüttelt. Und dieses lautet in etwa so: Hilfloser Schwarzer wird von allgegenwärtiger weißer Polizeigewalt kaltblütig ermordet, war nur eine Frage der Zeit war angesichts ständiger Hetze durch den Ober-Rassisten im weißen Haus,  und jetzt gehen die hilflosen Schwarzen auf die Barrikaden. Mit der Realität hat all das wenig gemein

Problematisch an dieser typisch holzschnittartigen Darstellung, die in ähnlicher Form mittlerweile für die Berichterstattung zu fast allen fast alle gesellschaftspolitischen Themen gilt, ist dabei weniger, dass deutsche Journalisten selbst an das glauben, was sie schreiben – sondern dass ein zunehmend indoktriniertes, allenfalls noch oberflächlich informiertes Publikum dies ebenfalls tut, und die ihm gelieferten leuchtverdaulichen Stereotypen ebenso umhinterfragt schluckt.

Im konkreten Beispiel fängt dies schon damit an, dass Minnesota ein seit langem demokratisch geführter Bundesstaat ist; die dort regierende Minnesota Democratic-Farmer-Labor Party, ein Zusammenschluss aus gewerkschaftlich geprägter Arbeiter- und Bauernbewegung und der Demokratischen Partei, steht sogar noch deutlich weiter links als die Demokraten im Rest des Landes. Schon deshalb ist es reichlich absurd, Donald Trump eine nur irgendwie geartete Mitschuld an dortiger rassistischer Polizeigewalt zu geben.

Jubel über das Vernichtungswerk

Wer sich die unfassbaren Videos aus Minnesota anschaut, wo ganze Straßenzüge in Schutt und Asche liegen und das Stadtbild anmutet wie nach einem Luftangriff, der dürfte darüber allerdings nicht minder verstört sein wie über die ausgelassene, enthusiastische Stimmung der angeblich hilflosen Schwarzen, die auf der Wallstatt ihres Zerstörungswerk, inmitten der Trümmer und vor brennenden Geschäften, eine riesige Party feiern. In der deutschen Presse ist davon nichts zu lesen; hier strickt man am Märchen, die Krawalle seien die Verzweiflungstaten einer geknechteten und unterdrückten Minderheit. „Die Wut über den weiteren Tod eines Schwarzen durch die Hand eines Polizeibeamten ist ungebremst“, rapportiert der „Spiegel“, und frohlockt: „Amerika brennt wieder!“.

Beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), das diverse Zeitungen bedient, verlässt man sich auf die geistesverwandte Framing-Schmiede CNN als Quelle und malt ein recht friedfertiges Bild „Fernsehbilder zeigten, wie Demonstranten in der Stadt auf einer Schnellstraße marschierten… Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie ‚Bin ich der nächste?‘ und „‚Ohne Gerechtigkeit kein Frieden'“. Und weiter heißt es: „CNN zeigte Bilder von friedlichen Protesten in Minneapolis, aber auch von in Brand gesteckten Autos.“ Friedliche Proteste hatte, außer man fokussierte sich auf verzerrende Momentaufnahmen und Ausschnittsvergrößerungen des Geschehens, dort niemand gesehen, wie die Bilder vom Tag nach den ersten Unruhen zeigen:

Damit nicht genug: Ebenfalls völlig verschwiegen wird, dass sich – wie man dies von autonomen Gewalttouristen auch in Deutschland kennt – gewaltbereite Linke sogleich in Minnesota einfanden, um Seit‘ an Seit‘ mit den depravierten Schwarzen ans Werk zu schreiten – und Scheiben einzuwerfen, Brandsätze zu schmeißen, Autos anzuzünden und auf Polizei und Nationalgarde loszugehen. Bei RND liest sich dies dann so: „An den Protesten beteiligten sich Schwarze ebenso wie Weiße“. Und wenn, wie gestern geschehen, diese vermummten „Weißen“ dann sogar die Geschäfte Schwarzer plündern, ist dies eine Bagatelle ohne Nachrichtenwert.

So empörend das brutale, letztlich tödliche Vorgehen der Polizisten gegen den 46-jährigen George Floyd bei dem Polizeieinsatz am Montag in Minneapolis auch war, und so berechtigt die mittlerweile erhobene Mordanklage gegen einen der vier beteiligten Polizisten anmutet: Letztlich ist auch hier der Informationsstand vage. Niemand weiß genau, was dem Gewaltausbruch vorausging; vielleicht war es Rassismus, vielleicht auch Notwehrexzess, der dann in puren Hass umschlug. Eine Entschuldigung für diese Art von „Polizeiarbeit“ kann und darf es zwar nicht geben (Floyd hatte mehrfach um Hilfe gefleht, bevor er das Bewusstsein verlor, wie ein Video festgehalten hatte).

Differenzierte Hintergrundbetrachtung Fehlanzeige

Fakt ist aber auch: Floyd hatte den Einsatz ausgelöst, als er mit Falschgeld bezahlen wollte und sich seiner Verhaftung widersetzte. Und ein unbeschriebenes Blatt war dieses jetzt zum Märtyrer weißer Staatsgewalt umgedichtete Opfer ebenfalls nicht: Er brachte es auf eine jahrzehntealte Strafakte mit etlichen Delikten. Im texanischen Houston saß er, wie die „Daily Mail“ berichtet, bis 2007 wegen schweren Raubüberfalls im Knast, nachdem er bei einer Frau eingebrochen war, sie mit einer Pistole bedrohte und ihr Haus auf der Suche nach Geld und Drogen auf den Kopf gestellt hatte. Zuvor saß er wegen mehreren schweren Drogendelikten, Kokainbesitz und Einbruchdiebstahl. Er fiel wiederholt durch Beleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt auf. Alles keine Delikte, die Floyd als unbeteiligtes Opfer einer willkürlichen Polizeiattacke, als veritables Unschuldslamm erscheinen lassen.

Vor allem aber blenden die hiesigen Medien absichtsvoll aus, dass der tödliche Polizeizugriff, als scheinbarer Entladungsgrund für die Unruhen, mit deren weiterem Verlauf überhaupt nichts mehr zu tun hat. Nein, die Tötung von George Floyd war nur der Vorwand, um ein Chaos vom Zaun zu brechen, auf das die Akteure wohl seit langem gehofft hatten – und das inzwischen den Krawallen in Los Angeles von 1992 in nichts nachsteht; auch damals war die Misshandlung eines Schwarzen, Rodney King, von gewaltbereiten Banden zum Alibi für die Anzettelung bürgerkriegsähnlicher Zustände genommen worden, um sich mit einer verhassten Polizei anzulegen,  zu plündern und Anarchie zu zelebrieren. 53 Menschen kosteten die damals von US-Marines niedergeschlagenen Unruhen in LA Down-Central das Leben.

Angesichts der Bilder aus Minneapolis fällt es auch jetzt wieder schwer, hierin eine natürliche Reaktion auf erlittenes Unrecht, eine nachvollziehbare Folge von Frustration, Angst oder Wut über Diskriminierung zu erkennen. Die hier plündern, marodieren, abfackeln, zerstören, tun dies nicht aus Ohnmacht. Sie feiern, sie genießen Entgrenzung und Enthemmung, sie zelebrieren eine Orgie der Gewalt und Zerstörung.

George Floyd und die Behandlung durch die Polizei ist den meisten dabei ganz egal; die exorbitanten Kriminalitätsraten der amerikanischen Suburbs, die unter den oft prekarisierten Schwarzen sowieso enorm hoch ist, künden davon, dass der permanente Kampf zwischen gewaltbereiten Straftätern einerseits und einer überforderten Staatsmacht auf der anderen hier zum Alltag gehört – mit Opfern auf beiden Seiten. Wenn man die Hautfarbe zum Kriterium der Mordraten und Gewaltstatistik macht, ergibt sich ein ganz anderes Bild als das in Deutschland vermittelte (die zugrundeliegenden FBI-Daten sind von 2013, die Entwicklung hat sich seither eher noch zum Nachteil der Weißen verschoben):

(Screenshot:FBICrimeRepiort)

Bei dieser realen Gewaltverteilung muss man also ehrlicherweise geradezu von Glück reden, dass es nicht weit häufiger polizeiliche Gegengewalt-Auswüchse gibt. Damit sollen nicht etwa das Schicksal George Loyds oder polizeiliche Gewaltexzesse relativiert oder verharmlost, sondern nur deutlich gemacht werden, dass das vermeintliche gesellschaftliche „Grundproblem“, das sich angeblich in den gegenwärtigen Unruhen entlädt, mit der Wirklichkeit recht wenig zu tun hat. Beim „Polizei-Rassismus“ der USA, so verachtenswert dieser in jedem Einzelfall auch ist, handelt es sich um eine selektive Wahrnehmung, die von schwarzen Bürgerrechtsverbänden, militanten Untergrundbanden und natürlich hierzulande linken Anti-Amerikanern nur allzu gerne aufgegriffen wird. Womit sich der Kreis zu den deutschen Medien schließt.

Interessant ist vor allem, welches Verständnis für nackte Gewalt, Anarchie, Landfriedensbruch und Brigantentum von den nach wie vor wenn auch subtiler revoltierenden deutschen Haltungsjournalisten aufgebracht wird, sofern sie mit der (vorgeschobenen) Sache der Protagonisten sympathisieren: Richtet sich die Gewalt gegen „Rassismus“, „Kapitalismus“, „Ausbeutung“ oder ganz einfach gegen Trump, heiligt der Zweck die Mittel. Es ist im Prinzip dasselbe wie bei Antifa-Ausschreitungen oder „Protesten“, etwa nach dem G7-Gipfel in Hamburg oder bei den Straßenschlachten von Berlin-Neukölln und Leipzig-Connewitz. Für diese Exzesse sind die Medien ebenso blind wie für Clankriminalität oder Migrantengewalt – und vor allem natürlich für jede Form von Gewalt GEGEN Polizisten.

Zweierlei Maß bei der Gewaltbewertung

Doch wehe, der Zorn eskaliert auf der anderen Seite. Dort wird bereits der gewaltfreie Protest zum staatsfeindlichen Akt: Geht Pegida auf die Straße, oder wird in Kandel oder Chemnitz zu Trauermärschen für Opfer von Flüchtlingskriminalität aufgerufen, oder formiert sich (tatsächlich friedlicher) Widerstand von Gegnern der Corona-Grundrechtseinschränkungen: Dann wird sogleich der Untergang des Rechtsstaats heraufbeschworen, wird um jeden Preis ein abenteuerlicher Konnex zu den paar wenigen, immerselben Belegen der jüngeren Geschichte für reale rechtsextreme Gewalt vollführt, irgendwo zwischen den Koordinaten NSU – Lübcke-Mord – Halle und neuerdings Hanau. Oder es wird ein angeblich staatsgefährdender rechter Untergrund herbeiphantasiert.

Hier kommt dann – logischerweise – auch niemand auf die Idee, etwa Angela Merkel die Schuld an den Demonstrationen zu geben – obwohl sie hier tatsächlich am Beginn der Kausalkette zu verorten wäre – ganz anders als Donald Trump bei den gegenwärtigen Unruhen. (DM)

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