Von wegen „saubere Windkraft“: Rotorenblätter als gefährlicher Sondermüll

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Ein Traum in Grün - mit ungelöstem Altlastenrisiko (Foto: JouWatch)

Die „grüne“ Energiewende soll zu einem Gutteil über Windkraftanlagen (WKA) erreicht werden, die seit den 1990er Jahren dank üppiger Förderung bundesweit überall aus dem Boden schossen und das Land inzwischen schlimmer verschandeln, als es Überland-Stromleitungen und Hochspannungsmasten je vermochten. Jetzt kommen die ersten Anlagen in die Jahre – und müssen ersetzt werden. Andere werden komplett verschrottet. So oder so: Ein gigantisches Altlastenproblem zeichnet sich ab.

Der Rückbau vieler WKA erfolgt entweder aus Altersgründen – oder weil die Förderung durch die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) künftig wegfällt und die Anlagen unrentabel sind. Genau das ist ein Problem: Die Rotorenblätter bestehen aus langlebigen Glasfaser-Verbundstoffen (GFK), die praktisch unzerstörbar sind und nicht mehr aus der Natur verschwinden. Da inzwischen rund 20 Prozent der über 27.000 WKA demontiert oder ausgetauscht werden müssen, geht es um Millionen von Tonnen Sondermüll – eine Art Asbest unserer Zeit, denn die Glasfaser, einmal in den biologischen Kreislauf gelangt, sind ein erhebliches Gesundheitsrisiko. Neben der Vogel- und Insektenvernichtung und Lärmimmission durch die WKA tut sich ein weiteres, bedenkliches Manko auf.

Die Anlagen der ersten Generation können von Spezialfirmen zerlegt und zerspant werden – was eine immense Energie beansprucht und die ohnehin fragwürdige Ökobilanz der Anlagen weiter verschlechtert, und zudem so kostenintensiv ist, dass die Wirtschaftlichkeit der Windkraft ohne Förderung ins Wanken gerät. Forderungen der Betreiber, diesen Kostenaufwand zumindest teilweise auch auf die Hersteller der Anlagen umzulegen, werden von diesen zurückgewiesen: Die Entsorgung sei ausschließliche Angelegenheit der Betreiber.

Das Asbest unserer Zeit

Recyclingunternehmen präsentierten allerlei Lösungen, wie die extrem harten GFK zumindest so weit zerkleinert werden können, dass sie als Beimischung in Zement oder als Brennmaterial genutzt werden können – zwar wiederum zu Lasten der CO2-Bilanz, doch zumindest ein innovativer Ansatz, der das Altlastenproblem mindert. Allerdings gibt es einen Haken: Dies ist nur bei den älteren Anlagen möglich. Seit etwa der Jahrtausendwende jedoch werden die Rotorblätter aus Kohlefasermatten gefertigt, kunstharzverklebten kohlefaserverstärkten Kunststoffen (CFK) also. Diese machen die Propeller viel leichter – doch sie sind praktisch gar nicht mehr zu entsorgen.

Bereits im Januar berichtete der „Norddeutsche Rundfunk“ (NDR), dass herkömmliche Verbrennungsanlagen die Kohlenstoffmatten nicht annehmen, weil ihre Filter wegen der hohen elektrischen Leitfähigkeit der Kohlenstofffasern beschädigt werden und ausfallen. Ein industrielles Recyceln großer Mengen ist völlig undenkbar. Nach Einschätzung des Experten Lothar Meyer, emeritierter Professor der Technischen Universität Chemnitz, gegenüber dem NDR sei in den nächsten Jahren, wenn mehr und mehr Anlagen auch der neueren WKA-Generation zur Verschrottung anstehen mit jährlich rund 20.000 Tonnen Sondermüll zu rechnen; die Rotorenblätter einer einzigen Anlage sind zuweilen länger als die Tragflächen einer Boeing 747.

Amerikanische Lösung: Vergraben und vergessen

Das Problem existiert übrigens nicht nur in Deutschland; alleine in den USA werden in den nächsten vier Jahren 32.000 WKA demontiert oder erneuert – und mit ihnen hunderttausende aus CFK-Fieberglass gefertigte Rotorenblätter. Dort hat man nun, wie „Bloomberg“ berichtet, eine unter Umweltschutzaspekten geradezu aberwitzige Methode zur buchstäblichen „Beseitigung“ des Problems entdeckt: Man verbuddelt den monströsen Industrieschrott einfach – unter Erdaufschüttungen, in Abraumhalden oder gleich in Mülldeponien, sofern diese dazu bereit sind, die Altlasten zu akzeptieren.

Die Relikte sind so zwar „aus dem Blick“ – doch sie bleiben für immer im Erdreich. Früher oder später wird diese Lösung vermutlich auch in Deutschland, wo allerdings weit weniger Fläche als in den USA zur Verfügung steht, alternativlos werden. Dann können – ebenso wie für strahlenden Atommüll – gleich die nächsten Endlagerstätten für WKA-Rückstände ausgekundschaftet werden; vielleicht verfrachtet man ja auch die Fässer mit nuklearer Schlacke und die CFK-Bauteile dereinst in denselben Salzstock?

Jedenfalls wird damit ein weiterer grünidealistischer Mythos zu Grabe getragen, der die erneuerbaren Energien doch gerade so exzellent auszeichnen sollte im Vergleich zum „Teufelszeug“ Atomkraft – der von der vielgerühmten „Nachhaltigkeit“ nämlich. Der Hauptgrund, warum die meisten Deutschen die Atomkraft in Bausch und Bogen ablehnen, bestand stets im „ungelösten Altlastenproblem“. Nun zeigt sich, dass die neuen Energieformen diesbezüglich keine geringeren Zukunftshypotheken bergen – allerdings bei einer weit geringeren Effizienz und Stromerzeugungsleistung gegenüber Kernkraftwerken. (DM)

 

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