Galoppierender Wahnsinn: Behördliche Krisenanordnungen

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Behörde im Außendienst? - Symbolfoto: Imago

Nachdem inzwischen nicht mehr alle Macht vom Volke ausgeht, sondern von seiner Regierung, hat sich auch bei Ordnungs- und Gesundheitsämtern die Ansicht durchgesetzt, die behördliche Narrenfreiheit sei die schönste aller „Freiheiten“. Sogar die legendären Schildbürger würden heutige Deutsche als „bekloppt“ bezeichnen angesichts dessen, was sie sich von Behörden und Ämtern bieten lassen. Eine Betrachtung des kollektiven Geisteszustandes.

von Max Erdinger

Aus Heinrich Heines „Nachtgedanken“ stammt der berühmt gewordene Eingangsvers: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ Erschienen sind Heines Nachtgedanken im Zyklus „Zeitgedichte“. Das war im Jahr 1844. Wie sich die Zeiten doch ändern. Würde Heinrich Heine heute noch leben, gäbe es inzwischen mit großer Sicherheit die „Tag- und Nachtgedanken“, und Heine würde feststellen, daß den Deutschen zu keiner Tageszeit noch irgendetwas um seinen Schlaf bringt. Der schläft einfach 24 Stunden am Stück, sieben Tage die Woche. Daß Heinrich Heine heute nicht mehr lebt, ist wahrscheinlich nur dem Umstand geschuldet, daß es 1844 noch keine Corona-Maßnahmen gegeben hat, die ihm das ewige Überleben auf Erden beschert hätten. Heinrich Heine starb 1856. Wenn er seit 164 Jahren das ewige Leben hat, dann wäre er damit auf jeden Fall besser dran, als mit seinem physischen Überleben in Deutschland bis in alle Ewigkeit. Warum das so wäre? – Wegen Hubert Aiwanger zum Beispiel.

Der Mann ist bayerischer Wirtschaftsminister und erläutert dem verzagten bayerischen Schlaf- und Schafsvolk gern die gerade gültigen Coronaregeln. „Wenn sechs bis acht Leute, jeder mit seinem Kumpel kommt, dann kann der sich natürlich jeweils mit seinem Kumpel, der seine Bezugsperson ist, an einen Tisch setzen. Und mit 1,50 Abstand sitzt der nächste Kumpel mit seinem Kumpel. Aber sie können nicht sechs mal zwei an einem Tisch sitzen, weil nicht mal die ersten Sechs an einem Tisch sitzen dürfen. (…) Und zu den anderen ist jeweils 1,50 Abstand zu halten. Wenn der Tisch irgendwo 15 Meter lang ist und dann im Abstand von 1,50 immer die Pärchen gegenüber sitzen.“ – Hubert Aiwanger ist Bundesvorsitzender der „Freien Wähler“. Man fragt sich, wo er und seine Wähler sicherheitsverwahrt gewesen sind, ehe sie freigelassen wurden.

Die Erläuterungen des bayerischen Wirtschaftsministers zum Schutz der Bevölkerung beziehen sich auf das Virus, das im bayerischen Mai vermutlich schon seltener geworden ist, als der Kongolese im Alpenverein. Und man liegt vermutlich nicht weit daneben, wenn man unterstellt, daß in bayerischen Ordnungs- und Gesundheitsämtern frenetischer Jubel ausbrach, als Aiwanger mit seinen Erläuterungen fertig gewesen ist: „Hurra, endlich sagt´s mal einer! Hubert vor, noch ein Tor!“ Unmittelbar danach ist dann vermutlich hektische Betriebsamkeit ausgebrochen in den für zuständig erklärten Ämtern, und alle machten sich mit Feuereifer daran, Aiwanger in dessen Geist nachzueifern. Größter Fan von Aiwanger könnte durchaus der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sein, der Mann, der selbst einen Kongolesen im Alpenverein am liebsten noch monatelang mit einer Gesichtsmaske zum Gipfelsturm antreten lassen würde. Damit, daß die Firma seiner Frau Karin Baumüller-Söder gerade die Produktion von elektrischen Maschinen erweitert um transparente Plastikschilde, die über dem Mundschutz zu tragen wären, hat das garantiert nicht das geringste zu tun. Söder vertritt schließlich die Interessen des Volkes und nicht die seiner Frau oder gar seine eigenen. Nur deswegen hat er auch noch einmal 250 Millionen Schutzmasken ordern lassen. Damit´s auch reicht für den Schutz der Bevölkerung in virenfreien Zeiten, die jederzeit wieder virenvoll werden könnten. Regieren mit dem Konjunktiv. Volksverarschung wäre (<– Konjunktiv!) mit dem Konjunktiv natürlich ebenfalls möglich. Wie gesagt: Wäre.

Indikativ

Tatsache sind jedenfalls verordnete Corona-Maßnahmen, die jeder Ratio Hohn und Spott sprechen. Was aber nichts macht, weil sie trotzdem befolgt werden. Aufmucken ist unmenschlich in der „menschlichen Gesellschaft“ – und Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Der unruhige Heinrich Heine war so gesehen kein guter Deutscher. Deswegen ist er auch in Paris auf dem Friedhof Montmartre bestattet worden, neben den ganzen anderen Gelbwesten. In Deutschland hat man sich lange über Denkmäler für Heine gestritten. Überhaupt denkt in Deutschland niemand gern an Leute, die einem einen Spiegel vor die Nase halten, auf daß man einmal seines dummen Gesichtes gewahr werde. Kurt Tucholsky 1920: „Die Zahl der deutschen Kriegerdenkmäler zur Zahl der deutschen Heine-Denkmäler verhält sich hierzulande wie die Macht zum Geist„. Hundert Jahre später hat man es in Deutschland zwar nicht mehr so mit den Kriegerdenkmälern, mit dem Geist und den Heine-Denkmälern hat man es deswegen aber noch lange nicht. In Deutschland ist vernünftig, wer sich an die Regeln hält, egal an welche.

Frederick

Frederick (7) ist ein Wirbelwind. Der Erstklässler liebt Sport, tanzt gerne, umarmt vor lauter Freude manchmal andere Kinder. Doch wegen Corona ist das verboten. Das Problem: Frederick hat das Down-Syndrom. Die Hygiene- und Abstands-Regeln vergisst er oft.„, schreibt die „BILD„, und berichtet, daß der freundliche Bub deswegen in einem Extra-Zimmer isoliert und weggeschlossen wird. So sind eben die Regeln in der „menschlichen Gesellschaft“. In den vergangenen Tagen gab es den Bericht über ein kleines Mädchen, das nach Wochen endlich wieder zur Schule gehen sollte, aber vor lauter Angst, es könne dort den verordneten Sicherheitsabstand nicht zuverlässig einhalten, einen panischen Weinkrampf erlitt. Es wolle nicht in die Schule gehen, um dort zu sterben. Ein Zweijähriger, der bei einem KiTa-Ausflug streckterlängs aufs Gesicht fiel, wurde in seinem Schmerz weinend so liegengelassen, da sich die Kindergärtnerinnen erst einmal darüber unterhalten mussten, wie sie angesichts der Abstandsregeln mit der Situation umgehen sollten. Andere Kleinkinder, die dem Zwerg instinktiv zu Hilfe eilen wollten, um ihn zu trösten, wurden daran gehindert. Das ist die „menschliche Gesellschaft“, wenn es nicht die „menschliche Gehorsamsgesellschaft“ ist. Pfui Teufel. Denk ich an Deutschland Tag und Nacht …

Da wird dem privaten Betreiber eines Saunabades mitgeteilt, daß er unter Auflagen seinen Betrieb wiedereröffnen darf. Die Auflagen: Die Sauna bleibt geschlossen und niemand benutzt die Wasserbecken. Da fehlt nur noch, daß man ein Flugverbot unter der „Lockerungsauflage“ aufhebt, daß die Tragflächen der Flieger abmontiert werden. Im Gastgewerbe gelten „Lockerungsauflagen“, die vermuten lassen, an den Wirtshaustüren sollen kollektiv die Erinnerungen an die Einreise in die DDR wiederbelebt werden. Wenn Sie die Gaststätte betreten, müssen Sie eine Maske tragen. Am Tisch dürfen Sie die dann abnehmen. Wenn Sie zwischendurch zur Toilette gehen, dann müssen Sie die Maske wieder aufsetzen. Im Fußballstadion werden derweil die Bälle desinfiziert, wenn sie über die Seitenlinie ins Aus geschossen wurden, ehe sie wieder ins Spielfeld zurückgelangen. Derweilen wird das Virus, das kaum noch irgendwo vorkommt, von Tag zu Tag immer schrecklicher. Inzwischen wird es sogar durch die Luft übertragen. Und dieses Volk läßt sich das alles bieten. Es ist „f*cking“ unfaßbar.

Temporär

Sowohl die volksgesundheitlichen als auch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Maßnahmen verursachten inzwischen einen Gesamtschaden, der denjenigen durch das eigentliche Virus deutlich übertrifft, heißt es aus berufenen Mündern. Wayne interessiert´s? – Klar interessiert es Wayne. Wayne lebt in den USA. In Deutschland lebt der Michel. Den interessiert das nicht. Der läßt sich zwar anläßlich der Verfügung von Corona-Maßnahmen erzählen, es handle sich um vorübergehende Maßnahmen, um eine „temporäre“ Suspendierung seiner Grundrechte – und nachdem die „temporäre“ Suspendierung seiner Grundrechte geltendes Recht geworden sind, läßt er sich keine Woche später erzählen, er müsse nun über eine „neue Normalität“ nachdenken. Und anstatt die versprochene, komplette Aufhebung der „temporären“ Maßnahmen einzufordern, läßt er sich das Wort „Lockerungen“ auf die Pupillen schmieren. Weil aber selbst das noch nicht ausreicht, um seinen Argwohn zu wecken, beteiligt er sich auch noch eilfertig am „Verschwörungstheoretiker“-Geschrei gegen die wenigen geistig Gesunden, die ihn als einen absoluten Vollidioten begreifen, nicht fähig, die „Coronakrise“ in einen kausalen Zusammenhang mit dem außervirologischen Weltgeschehen zu stellen. Des Michels Millionen von Fliegen können sich noch immer nicht irren …

Des Michels Jens Spahn

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im ZDF-heute-journal am 19. April: „Wenn wir es geschafft haben, gemeinsam auch die Zahl der Neuinfektion so runterzubringen Richtung 3.000 bis 4.000 am Tag, dann muss es uns auch gelingen dort zu bleiben, nur dann können wir schrittweise zurück in eine neue Normalität.“ – Und es klingelt bei kaum jemandem. Kaum jemand fragt sich: 1. Was meinte der Minister mit „Neuinfektionen“, wenn er doch damit evident nur die Zahl jener mit einem fragwürdigen Test festgestellten Neuinfektionen gemeint haben kann und folglich gesagt haben müsste, daß sich diese Neuinfiziertenzahl per Ausweitung der Tests beliebig erhöhen läßt? 2. Warum „gemeinsam“? Erlassen wir Corona-Maßnahmen etwa „gemeinsam“ – oder will er „uns“ bloß in Mithaftung nehmen für „meine Entscheidungen“? 3. Wie soll das gehen mit diesem „Zurück in etwas Neues“? Ist das Neue nicht per se etwas, das gerade erst kommt? – Und was ist jetzt, Ende Mai?

In Deutschland gibt es aktuell weniger als 10.000 Erkrankte, Tendenz weiter fallend, die „Epidemie“, wenn sie denn jemals eine außergewöhnliche gewesen sein sollte, wäre als beendet zu betrachten. In Großbritannien jammert der oberste Impfstoffentwickler von der Universität Oxford, Adrian Hill, daß die „Epidemie“ schneller abklinge, als für die Forschung gut sei. Seine Befürchtung: Das Virus könnte verschwunden sein, ehe man so weit ist, daß man die Wirksamkeit von Impfstoffen erproben kann. Es gibt Meldungen, denen zufolge 116 von 196 Ländern der Erde die australische Forderung nach einem internationalen „Covid-Untersuchungsausschuß“ fordern. Es gibt überhaupt eine riesige Zahl von Ländern, die keinerlei Corona-Maßnahmen ergriffen hatten. Es gibt die Untersuchungen von Statistikern zum Einfluß von „Corona-Maßnahmen“ auf den „Pandemie“-Verlauf. Prof. Itzhak Ben-Israel von der Universität in Tel Aviv, Professor Stefan Homburg in Hannover und andere, die belegen, daß die Infektionswellen überall gleich verlaufen sind, egal, welche Maßnahmen Regierungen getroffen hatten. Höhepunkt der Welle am 40ten Tag, danach schnelles Abklingen bis zum 70ten Tag.

Ich will meine Maske haben

Kein Wortbruch, keine logische Inkonsistenz, keine noch so irrelevante Zahl, keine merkwürdige Begleiterscheinung und keine statistische Evidenz sind offenbar noch dazu in der Lage, den deutschen Michel vom Maskentragen abzuhalten. Fast sieht es danach aus, als sei er stolz darauf, seine staatsbürgerliche Vorbildlichkeit durch das Tragen einer Maske in der Öffentlichkeit exhibitionistisch auszustellen. Fast erweckt er den Eindruck, als würde er bedauern, daß „temporär“ heißt, was nun einmal damit gemeint ist. Ohne Maske würde er womöglich wieder mühsam Falschparker fotografieren und anzeigen müssen, der Ärmste. Ganz egal, welche schildbürgerartigen Schwachsinns-Anordnungen erlassen werden, – der Michel macht sie alle mit. Das ist noch viel angsteinflößender, als jede Regierung und jeder Amtsschimmel samt sämtlichen Viren zusammengenommen. Und weil das noch nicht reicht, hält der Michel dann ausgerechnet den Herrn Söder auch noch für einen ganz ausgezeichneten Bundeskanzler, für einen „starken Typen“, bald für besser noch, als Angela Merkel. Vermutlich vor allem deswegen, weil ein Kanzler Söder wegen der Plastikschild-Produktion seiner Ehefrau der Garant dafür sein könnte, daß er seine Maske bis zum St. Nimmerleinstag aufbehalten darf, der Michel.

Heinrich Heine hatte es vergleichsweise gut mit seiner Skepsis Deutschland gegenüber. Bei ihm litt nur der Nachtschlaf. Meinereiner ist schlimmer dran. Denk ich an Deutschland und Umnachtung, verliere ich nämlich meine Achtung.

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