Zwei Wochen nach den Stuttgarter Großdemos: Wo bleibt die „Explosion“ der Neuinfektionen?

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Großdemo in Stuttgart am 9. Mai: von wegen
Großdemo in Stuttgart am 9. Mai: von wegen "Super-Spreader" (Screenshot:Youtube)

Seit den riesigen Kundgebungen in Stuttgart vom 9. Mai, als sich zum größten Entsetzen der „Shutdown-Fraktion“ im Land (all jener, denen die vollzogenen Öffnungen viel zu schnell kamen) etliche tausend Menschen (nach Veranstalterangaben über 20.000) versammelten und dabei die Abstandsgebote großteils missachteten, sind über 14 Tage vergangen – und siehe da: Den Warnungen zum Trotz blieb nach Ablauf der maximalen Inkubationszeit jeglicher Anstieg der Infektionszahlen, wie überall im Land, aus. Was einmal mehr die Frage nach dem Sinn des Lockdowns aufwirft.

Es war wieder einmal Karl Lauterbach gewesen, der den Teufel an die Wand gemalt hatte, von „Wahnsinn“ sprach – und davon, dass die Demonstranten (die bereits bei dieser zweiten großen „Corona-Demo“ in Stuttgart pauschal als Verschwörungstheoretiker und „Covidioten“ tituliert worden waren) mit ihrer Ignoranz „Menschenleben gefährden“ und die Erfolge der letzten zwei Monate zunichte machten. Derselbe Lauterbach übrigens, der aktuell gerade Bodo Ramelow attackiert und ihm präventiv die Schuld an einem angeblich drohenden, quasi-epidemiologischen Holocaust geben will, der in Thüringen drohe, weil dort ab Anfang Juni wieder Normalität herrschen soll.

Doch nicht nur Lauterbach, auch viele deutsche Medien hatten Anfang Mai eilfertig sekundiert und landauf, landab prophezeit, ausgerechnet die „egoistischen“ Stuttgarter Demonstranten würden nun für eine neue „Welle“ sorgen, womit sie schizophrenerweise die Wiedereinführung der Restriktionen erst erzwingen würden, gegen die sie doch auf die Straße gingen. Auch baden-württembergische Landespolitiker hatten ihr Mütchen gekühlt und eine Neuexplosion der Infektionszahlen vorausgesagt. Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann tobte, die Demos seien „Super-Spreader“.

Hardliner sahen Rot – 14 Tage später schweigen sie 

CDU-Innenminister Thomas Strobl forderte in einem Brandbrief ans Kabinett sofortige Konsequenzen. Diese wurden dann auch umgesetzt – in Form massiver Beschränkungen des Demonstrationsrechts: Vergangene Woche war die Samstagsdemo auf 5.000 Teilnehmer begrenzt, und ein martialisches Polizeiaufgebot wachte über die Abstandsregeln. Gestern dann wurde eine von der AfD angemeldete Demonstration gleich ganz verboten.

Worüber nun niemand schreibt, keine Nachrichtensendung berichtet und was anscheinend niemand in diesem kollektiv dauerhysterischen Staat zu wundern scheint: Obwohl die berühmten 14 Tage Inkubationszeit verstrichen sind, seitdem sich auf Schlossplatz und Cannstatter Vasen zehntausende praktisch in den Armen lagen, ohne jegliche Masken, gab es keine Welle; nichts „explodierte“, kein neuer Covid-19-Hotspot blühte auf der Landkarte auf. Und dass, obwohl es sich bei der Großdemo vom 9. Mai um eine zwar verbotene, aber dennoch durchgeführte faktische Großveranstaltung gehandelt hatte – und somit um einen nachgeraden Super-Worst-Case aus virologischer Sicht.

Was seitdem in Stuttgart, dem Ground Zero dieses angeblichen Selbstmords aus blanker Unvernunft, in puncto Infektionsgeschehen passierte, war im Gegenteil nicht nur ernüchternd harmlos, sondern geradezu spektakulär unbedeutend: In den 10 Tagen vom 13. Mai bis vorgestern stieg die Gesamtzahl jemals positiv getesteter Personen in Stuttgart von 1.408 auf 1454 Infizierte (also um 46 neue Fälle), von denen die Genesenden abzuziehen sind – deren Zahl sich von 1258 auf 1292 erhöhte (also 34). Netto nahm die Zahl der Infizierten somit um 12 Menschen zu – im größten Ballungsraum Südwestdeutschland, und das trotz des Demo-„Superspreaders“ ohne Masken und Abstand.

Wenn man bei diesen Zahlen noch zusätzlich berücksichtigt, dass die Landespolitik, auf Alarmismus bedacht und im Bestreben, ihre harte Linie gegen die Demonstranten nachträglich zu rechtfertigen, alles daran gesetzt haben dürfte, tunlichst dramatische Zahlen zu generieren – etwa durch mutmaßliche kumulierte „Nachmeldungen“ (das Robert-Koch-Institut lässt grüßen!) und/oder durch anzunehmende Steigerung der durchgeführten Tests, ist das Ergebnis sogar noch unspektakulären – und in jeder Hinsicht beruhigend. Wer hier keinen Fehlalarm erkennt und benennt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Systemischer Fehlalarm auf allen Fronten

Doch unbeeindruckt von diesem neuerlichen starken Beweis für die Unverhältnismäßigkeit der nach wie vor in vielen Bereichen geltenden Auflagen werden Politik und Träger der veröffentlichten Meinung nicht müde, die Panikmache stoisch weiterzutreiben. Aus gutem Grund wurde anscheinend seit vorvergangener Woche, ganz schleichend der Modus der Informationspolitik geändert: Wurden zuvor die täglichen Infektionszahlen eher summarisch-abstrakt gemeldet (in Blöcken zu tausend- oder zehntausend Testungen), so wird neuerdings, wo nur mehr einige hundert bundesweite neue Fälle auftreten, jeder Einzelfall medial aufgebauscht und theatralisch aufbereitet. Da wird dann sogar die Meldung, dass „7 Neuinfektionen“ an einem Punkt auftreten, zur Schlagzeile: Laut „Spiegel“ droht dem niedersächsischen Landkreis Leer deswegen etwa akut ein „extremer Anstieg der Quarantänefälle“.

Besonders panisch wird aktuell gerade der „Massenausbruch“ von zunächst 40, inzwischen sogar 107 Ansteckungen bei einem Frankfurter Gottesdienst der Mormonen ausgemährt – als sei eine ganze Großstadt betroffen, oder als sei die Pest auf dem Vormarsch. Vergessen wird: Bei diesen Beispielen handelt es sich eben exakt um jene Fälle, aus denen sich die täglichen Neuinfektionen zusammensetzen – und die es natürlich noch gibt und geben wird. Dies sind die selbst bei einer umfassenden Beherrschung von Corona weiterhin punktuell auftretenden, aber eben bundesweit betrachtet absolut seltenen und vereinzelten Fälle, wie es sie auch bei zum Teil weitaus gefährlicheren Infektionskrankheiten wie TBC, Hepatitis C, Krankenhaus-Multiresistenzkeimen oder HIV gibt (ohne dass darüber der nationale Notstand verkündet wird!).

Die Reproduktionszahl ist bei einer derart niedrigen Zahl an Gesamterkrankten, die dieses Wochenende wohl die 10.000er-Marke unterschreiten wird, letztlich übrigens auch vernachlässigbar – solange die Infektionsketten verfolgt werden können, was ja aktuell (trotz fehlender App und diesbezüglich digitaler Steinzeit in Deutschland) bestens funktioniert. Deshalb sind die Hooklines über einen Anstieg der R-Zahl von 0,82 auf 0,888 oder ähnliche statistischen Haarspaltereien letztlich ohne jeden Aussagewert – wie auch die Sensationsberichterstattung mancher Sender und Zeitungen; insbesondere „n-tv“ ist mittlerweile anscheinend das Führungsmedium für fortgesetzte Katastrophenagitation:  dort stiftet man gezielte Angst und Verunsicherung durch ein beharrliches Heraufbeschwören einer Zweiten Welle – in einer Art und Weise, die an die Endzeitverkündungen von Weltuntergangspropheten in den letzten Jahren vor dem Millenium erinnert.

Doch was auch immer hier zum Alarm hochgejazzt werden soll: All die punktuellen Fälle können den insgesamt mehr als erfreulichen, positiven Trend nicht leugnen oder übertünchen, der eine weiterhin streng fallende Kurve des Infektionsgeschehens zeigt. Immer mehr deutsche Landkreise bleiben konstant und über mehrere Tage hinweg ohne Neuinfektionen. Und selbst wenn es, was natürlich keineswegs auszuschließen ist, künftig immer wieder zu lokalen Neuausbrüchen kommen sollte: Die Erfahrung der letzten Wochen hat gezeigt, dass sich die Ausbreitung effektiv und frühzeitig eindämmen lässt – und zwar ohne rigide Grundrechtseinschränkungen, und vor allem ohne wirtschaftlichen Totalshutdown. (DM)

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