„Spiegel“ pfeift auf dem letzten Loch

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Der Spiegel; Foto: © jouwatch Collage

In den Sog der hausgemachten „Corona-Krise“ geraten nicht nur die Normalbürger und Unternehmen, sondern auch eben jene, die besonders auf „Linie“ waren bzw. sind. Aus einem Hintergrundbericht geht hervor, daß eine hausinterne Diskussion beim SPIEGEL „entbrannt“ sei ob eine Art „Spiegel-Soli“ eingeführt werden solle. Damit ist gemeint, daß 50 Spitzenverdiener freiwillig auf Teile ihres Gehaltes verzichten sollen welches „dazu dienen [soll], die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie für den Verlag abzumildern“.

Von Nils Kröger

Der Hintergrundbericht stützt sich auf eine Erklärung des Betriebsrates. Darin heißt es sinngemäß, daß sich der Betriebsrat über Überlegungen freue, wie die Belastung durch die „Corona-Krise“ auf möglichst viele Schultern verteilt werden könne. Es sei aber zu klären, „wie viel Geld in der Top-Etage eingesammelt werden könnte und auf welchem Weg“. Klingt nicht gerade nach heller Freude und Spendenbereitschaft der Spitzenverdiener. Doch selbst wenn die Top-Etage pro Nase auf mehrere tausend EURO verzichtet, können damit kaum die gröbsten Löcher gestopft werden. Denn so leide das „Printhaus“ vor allem „in der Vermarktung unter erheblichem Anzeigenrückgang“. Daher der Beschluss, daß das Einsparpotential zehn Millionen EURO betragen müsse.

Doch wie bekannt, ist die klassische Anzeige seit Jahren auf dem Rückzug. In guten Zeiten bestand ein SPIEGEL-Magazin gefühlt zur Hälfte aus Werbung bzw. war ein Drittel Werbung das Minimum. Zuletzt betrug dieser Anteil nur noch um die zehn Prozent. Der Anzeigenmarkt verlegt seine Aktivitäten immer mehr ins Internet. Das Problem dabei – die Produktnachfrage. Der SPIEGEL lag in Spitzenzeiten bei ca. einer Million verkauften Exemplaren (1996 erwirtschaftete der Verlag über eine halbe Milliarde Mark). Heute erwärmen sich noch knappe 700.000 Käufer für das ehemalige Nachrichtenmagazin (erstes Quartal 2020).

Der SPIEGEL hat für einige Abteilungen bereits Kurzarbeit angemeldet (läßt also indirekt den Steuerzahler blechen). Die Sparten Nachrichten und Dokumentation sind (noch) ausgenommen. Aber selbst das könnte sich demnächst noch ändern (Verhandlungen laufen bereits). Vielleicht kommt ja von irgendwo Hilfe her?

Auch die Musikbranche scheint unter die Räder zu geraten. Mit einem „sorgenvollen Hilferuf“ wandte sich Peter Maffay schriftlich an die Bundeskanzlerin, das Bundeskanzleramt, Bundesfinanzminister Olaf Scholz und dessen Bundestagskollegen.

 „Durch den pandemiebedingten Shutdown steht die ganze Konzert- und Veranstaltungsbranche vor einer Herausforderung, die sie ohne staatliche Hilfe die nächsten Monate aus eigener Kraft kaum überstehen wird“, appelliert Maffay an die Politik. Des Weiteren verwies er auf eine „Wertschöpfungskette aus Dienstleistern“, die ebenso betroffen seien. Laut Maffay stehen um die 130.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Er beendete seinen Appell mit dem Verweis, daß die Musik wie z.B. der Sport nicht am Ende der Skala stehen dürfen und sie ein wichtiger Teil der Harmonie im täglichen Leben sei.

Herr Maffay hat mit seinen Aussagen im Grunde recht. Aber dieses „Schicksal“ teilen zur Zeit leider über zehn Millionen Arbeitnehmer, die Kurzarbeit anmeldeten. Doch die Musik und der Sport stehen stets am Ende der Skala, denn sie dienen in erster Linie der Unterhaltung. Haben die wertschöpfenden Werktätigen kein Geld für solchen „Luxus“, wären diese Branchen ohnehin notleidend. Daher müssen zuerst die wertschöpfenden Arbeitsplätze gerettet werden, die mit ihrer Leistung den Wohlstand erschaffen.

Ist dies geschehen, dann frönen die Arbeitnehmer auch wieder dem Sport und der Musik.