Born to be tame: Fahrverbot für Motorräder

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Freundliches Gesicht zum bösen Spiel? - Foto: Imago

Der Bundesrat will ein leiseres Deutschland. Da nun bekanntlich jeder Lärm ausschließlich von Motorrädern stammt, ist an ein Fahrverbot gedacht. An den Wochenenden sollen Motorräder nicht mehr unterwegs sein dürfen. Der Freiheitliche fragt sich: Wann reicht es diesem Volk eigentlich mit der Bevormundung durch eine abgehobene Politikerkaste?

von Max Erdinger

Wenn meinereiner an einem sommerlichen Samstagnachmittag ein Nickerchen im Garten machen möchte, dann geht das nicht. Es muß wohl am Prinzip Hoffnung liegen, daß er es dennoch immer wieder einmal probiert. Die Vorstellung von einem Nickerchen im Halbschlaf ist immer dieselbe: Entspannt sich im Liegestuhl fläzen, mit geschlossenen Augen dem Gezwitscher der Vögel lauschen und gelegentlich dem herrlichen Klang einer Harley-Davidson oder einer Ducati, die in etwa 150 Metern Entfernung am Garten vorbeifahren. Als feinsinniger Mensch kennt meinereiner den Unterschied zwischen Klang und Lärm. Allein, es geht an keinem einzigen sommerlichen Samstagnachmittag. Der Grund: Lärm. Wer macht den Lärm? – Die Heinzelmännchen. Samstags fahren sie alles auf, was es im Lärmladen zu kaufen gab. Vom Rasenmäher über die Kreis- und die Kettensäge, vom Schlagbohrer und der Heckenschere bis hin zum Testlauf für den Motor des Modellfliegers – es ist alles dabei, was das Gezwitscher der Vögel und den herrlichen Klang von Harley und Ducati locker übertönt. Der Bundesrat sollte samstags bei mir im Garten tagen.

Die Tagesordnung der heute stattfindenden Bundesratssitzung ist lang„, berichtete der „Focus“ am 15. Mai. „Einer der zu diskutierenden Punkte: Motorradlärm. Wie aus der Agenda des Bundesrats hervorgeht, macht dieser sich in der am 15. Mai 2020 gefassten Entschließung dafür stark, „die zulässigen Geräuschemissionen aller Neufahrzeuge auf maximal 80 db(A) zu begrenzen“. Die Bundesregierung solle sich bei der Kommission entsprechend dafür einsetzen. Die Länder setzen sich aus diesem Grund für „zeitlich beschränkte Verkehrsverbote für Motorräder an Sonn- und Feiertagen“ ein. Motorräder mit alternativen Antrieben sollen von der Maßnahme nicht betroffen sein. „Überhaupt solle die Bunderegierung den Umstieg auf nachhaltige und lärmarme Mobilität mit alternativen Antriebstechniken verstärkt unterstützen“, heißt es in der Tagesordnung weiter. In diesem Zuge sollen auch Initiativen, die sich gegen Motorradlärm einsetzen, gefördert werden. Darüber hinaus fordert der Bundesrat härtere Strafen für Motorrad-Tuning, wenn dieses eine „erhebliche Lärmsteigerung zur Folge“ hat. So müsse nach Meinung der Länder unbedingt verboten werden, dass Fahrerinnen und Fahrer sich die gewünschte Soundkulisse ihrer Maschinen selbst einstellen können. Der Bundesrat erachtet es zudem als notwendig, dass Fahrzeuge bei „gravierenden Lärmüberschreitungen“ sofort von der Polizei sichergestellt oder beschlagnahmt werden können. Die Entschließung sei der Bundesregierung zugeleitet worden. Diese muss nun entscheiden, ob und wann sie die Vorschläge des Bundesrats realisieren möchte.

Nein, der Bundesrat sollte nicht am Samstag, sondern am Sonntagnachmittag bei mir im Garten tagen. Dann könnte er dem Gezwitscher der Vögel lauschen und sich hin und wieder am herrlichen Klang einer Harley-Davidson oder einer Ducati erfreuen. Am Sonntag kann meinereiner nämlich ein Nickerchen im Garten abhalten und hat sogar eine erhöhte Chance auf Wohlklang. Während viele der Heinzelmännchen vom Samstag tags darauf mit kummervollem Blick auf ihre stillstehende Kettensäge blicken, sind es doch einige, die sonntags von der Lärm- auf die Klangproduktion umsteigen. So, und nun Schluß mit den Vorschlägen zur Güte. Jetzt sind die Forderungen dran.

Forderung 1: Der Bundesrat möge still sein

Kein Mensch braucht einen Bundesrat, der sich nach Lust und Laune heraussucht, welche Gruppe von „die Menschen“ er jeweils mit seiner „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ überziehen will. Bei Motorradfahrern handelt es sich um eine Gruppe von „die Menschen“. Glasklar: Nach den gängigen Definitionen von „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ handelt es sich bei einem sonn- und feiertäglichen Fahrverbot für Motorräder um genau eine solche.

Forderung 2: Der Bundesrat möge zuerst durchdenken, was er hernach zu fordern beabsichtigt

Jedes Motorrad wurde unter der stillschweigenden Voraussetzung gekauft, daß es auch zu den Bedingungen zu nutzen sein wird, die am Tage des Kaufs galten. Die meisten Motorräder heutzutage werden als „Freizeitartikel“ gekauft von Leuten, die am Wochenende Zeit für ihr Hobby haben, nicht aber während der Woche, da sie während der Woche damit beschäftigt sind, das Geld zu verdienen, das sie u.a. auch zum Kauf von Freizeitartikeln benötigen. In den jeweiligen Summen ist auch die Mehrwertsteuer enthalten, die beim Kauf eines Motorrades fällig wird. Niemand zahlt Steuern für ein Produkt, das er während der Woche nicht nutzen kann, und das er zu den Zeiten nicht nutzen darf, für die er es gekauft hat.

Forderung 3: Das Volk möge sich gegen die Regierung erheben

Es muß Schluß sein damit, daß sich das Volk von der eigenen Regierung gegeneinander aufwiegeln läßt. Raucher gegen Nichtraucher, Veganer gegen Fleischesser, Linke gegen Rechtschaffene, Hinübergeschlechtliche gegen Normalgeschlechtliche, Radfahrer gegen Motorisierte, Junge gegen Alte, Dumme gegen Kluge, Heinzelmännchen gegen Motorradfahrer usw.usf. – diese Regierung spaltet und spaltet und spaltet. Das Leben des Einzelnen ist ein Zusammenleben mit allen anderen. Es liegt in seiner eigenen Zuständigkeit, damit klarzukommen. Der Souverän ist kein Kindergartenkind – und die Regierung hat gefälligst nicht aus Kindermädchen zu bestehen. Außerdem sollte sich das Volk nicht länger bieten lassen, ständig mit Verboten und Vorschriften drangsaliert zu werden, die meist einen ganz anderen Zweck verfolgen, als den, dem zu folgen lediglich suggeriert wird.

Das Ansinnen, ein sonn- und feiertägliches Fahrverbot für Motorräder zu erlassen, dürfte ganz andere Gründe als „den Lärm“ haben. Es dürfte sich um einen Detailvorstoß im Rahmen einer größer angelegten Agenda handeln, die dem Ziel folgt, den Betrieb von Verbrennungsmotoren aus „Spaß an der Freude“ langfristig ganz grundsätzlich zu verbieten. Wer heute einem Fahrverbot für Motorräder an Sonn- und Feiertagen das Wort redet, der muß sich nicht wundern, wenn als nächstes das Verbot kommt, an Sonn- und Feiertagen das Verdeck eines Cabriolets zu öffnen. Denn auch die meisten Cabriolets sind Zweit- oder Drittfahrzeuge, die nur aus „Spaß an der Freude“ bewegt werden, wenn man die Zeit dazu hat und das Wetter paßt. Das ist wie bei den Motorrädern. Außerdem kann er sich ausrechnen, wann ein Verbot für den Motorsport diskutiert werden wird. Keine Formel 1 mehr, keine World Rallye Championship, keine Motorrad-Trials mehr, keine Tourist Trophy auf der Isle Of Man mehr, keine Truck-Trials, keine Go Kart-Bahnen, keine Touristenfahrten auf dem Nürburgring mehr usw.usf. – Kein Witz: Das Volk sollte sich ernsthaft überlegen, ob es die femi-öko-politkorrekte Bevormundungsmischpoke namens Regierung nicht lieber teeren & federn will, anstatt sie auch noch zu wählen.