Söders Alptraum: Stell dir vor es ist Pandemie, und keiner steckt sich mehr an

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Corona-Panik überall - auch ohne Viren (Symbolbild: shutterstock.com/Von wavebreakmedia)

Mehr Tote, die angeblich allgegenwärtige Gefahr, Ausbrüche in Betrieben, Unterkünften, Heimen: Obwohl Corona in Deutschland real weiter auf dem Rückzug ist (unter 11.000 Infizierte gibt es derzeit noch), halten Journalisten und Politiker an der Beschwörung der dramatisierten Dauergefahr fest. Um den Ausnahmezustand zu bewahren, werden jetzt einfach die Spielregeln verändert: Weniger Infektionen genügen mancherorts nun schon, um Alarm ausrufen zu können, sowie eine modifizierte Informationspolitik.

Unmerklich wurde seit etwa einer Woche die Art der Berichterstattung – in bemerkenswerter Synchronisierung der Medien – umgestellt: Solange die Pandemie das Land in Atem hielt und jeder auf die Explosion der Fallzahlen wartete, stand vor allem die Statistik im Mittelpunkt: tägliche Neuinfektionen, Gesamtinfizierte, neue Tote.

Nun, da die Infektionsausbreitung derart abgeschwächt ist, dass diese Zahlen niemanden mehr schocken, kehrt man wieder zur Vermeldung von Einzelfällen zurück und berichtet über lokale Infektionsketten in Hotspots (so, wie es ganz zu Beginn der Epidemie der Fall war). Auf diese Weise soll der Eindruck dramatischer Massenausbrüche erweckt werden und die Panik aufrechterhalten werden: Hier eine Grundschule, da ein Flüchtlingsheim, dort ein Schlachtbetrieb, mit mal 30, mal 50, mal 80 neuen Fällen. Wie beunruhigend! Es scheint, als wäre Corona mit voller Wucht zurückgekehrt, als schössen neue Herde überall wie Pilze aus dem Boden.

Überall neuen Hotspots?

In Wahrheit handelt es sich dabei um exakt jene lokale Einzelfälle, aus denen sich die berühmten „täglichen Neuinfektionen“ zusammensetzen; schon immer traten viele Infizierte kumuliert, an einzelnen Spots auf – in Krankenhäusern, Firmen, Alters- oder Pflegeheimen. Es ist also überhaupt nichts Neues an diesen Infektionen – mit dem Unterschied, dass die Zahl der Neuinfektionen nun eben nicht mehr bei 10.000 positiven Neutestungen pro Tag liegt, sondern bei durchschnittlich deutlich unter 500.

Die veränderte Darstellung ist der Anpassungsversuch der Medien an die sich immer weiter deutlich abschwächende Corona-„Welle“ (die zunehmend zur Luftnummer wird und für die der Ausdruck „Pandemie“ im Prinzip seit Ostern schon nicht mehr angemessen war): Man versucht, die „Krise wachzuhalten“, die maximale Verunsicherung der Bevölkerung zu konservieren.

Dieselben Anpassungsversuche unternimmt auch die Politik – mit anderen Methoden. Und natürlich prescht Bayern unter Corona-Hardliner Markus Söder wieder vor: Weil die bei Beginn der Lockerungen ausgerufenen „Grenzwerte“ von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern einer Gebietskörperschaft (Stadt oder Landkreis) binnen sieben Tagen in Bayern praktisch nicht mehr erreicht werden, senkte das Kabinett in München den Grenzwert einfach ab – auf 35 Neuinfektionen, wie gestern die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete.

Laut Söders Staatskanzleichef Florian Herrmann sei dieses „Frühwarnsystem“ sei ein „probates Mittel“, um lokale Ausbruchsgeschehen schnell zu erkennen. In Verbindung mit den potentiell leicht manipulierbaren Resultaten der zugrundegelegten Testergebnisse (etwa durch Anhebung der durchgeführten Testzahl oder durch „Nachmelden“ einer längeren Testperiode) lässt sich so fast jeder politisch gewünschte Wert veröffentlichen, mit dem dann nach Belieben die Zügel angezogen oder gelockert werden.

Motive für die Irreführung zuhauf

Wer mit solchen Tricks arbeiten muss, hat das Krisenmanagement längst zum Selbstzweck erkoren – und in Deutschland ist dies nicht nur bei Söder, sondern auch bei der Groko in Berlin von evidentem Nutzen: Gefühlt seit Ewigkeiten nicht mehr war die Regierungsmehrheit stabiler als in den letzten Wochen, und Merkel sonnte sich im – vollkommen unbegründeten – Ruhm der angeblich effizienten Corona-Kanzlerin.

Einen zumindest weitgehenden Ausnahmezustand irgendwie bis zu den nächsten Bundestagswahlen in 16 Monaten zu prolongieren, ist für das Weiterschüren der Virus-Hysterie ein mindestens ebenso plausibles Motiv wie der Versuch, durch anhaltende Gefahrenaufbauschung die nachträgliche Rechtfertigung für den wirtschaftlichen Shutdown zu liefern. Auch die massenhafte Erhebung von persönlichen, Bewegungs- und Gesundheitsdaten dürfte einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der politischen Restriktionslust haben.

Das Problem dabei ist nur: Immer weniger Menschen kaufen den Regierenden und ihren – mehr als nur beratenden – Virologen und Experten die offizielle Darstellung ab. Natürlich wird jeder klar Denkende anerkennen, dass das erfreuliche Zurückgehen der Infektion nicht die Sinnlosigkeit vieler Maßnahmen beweist, sondern im Gegenteil eben die Folge von deren frühzeitiger Einleitung ist. Doch das schließt nicht aus, sich rückschauend einzugestehen, dass viele der ergriffenen Schritte weit übers Ziel hinausschossen – vor allem eben die Geschäfts- und Firmenschließungen im großen Stil.

Vor allem aber darf die selbstkritische Reflexion im Nachhinein als falsch oder unnötig erkannter Entscheidungen (die in der Folge womöglich mehr Menschenleben forderten, als in der Pandemie gerettet wurden!) nicht dazu führen, dass nach der Devise „jetzt erst recht!“ an ihnen festgehalten wird. Eben dies jedoch scheint in Deutschland zu passieren. (DM)

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