Mit Corona „ist nicht zu spaßen“ – mit Krebs oder Herzinfarkten aber schon?

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Foto: Von Gorodenkoff/Shutterstock

Im Bemühen, der Wiedererlangung zumindest teilweiser Normalität entgegenzusteuern, wird die deutsche Sensationspresse nicht müde, immer neue Horrorgeschichten zu Corona zu bringen. Auch die FAZ beteiligt sich lustvoll – und zitiert CDU-Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, die gemeinsam mit willfährigen Hochschulärzten bedrohliche Allgemeinplätze beschwört: Mit Covid-19 sei „nicht zu spaßen“, „grässlich“ seien ihre Folgen. Was einmal mehr die Frage aufwirft: Mit welcher potentiell tödlichen Krankheit ist denn, bitteschön, zu spaßen? Welche ist nicht grässlich?

Es ist eben diese Verteufelung und Abhorreszierung von Corona, die allmählich zum nervigen Dauerbrenner wird: Schon vor zwei Monaten, als noch der exponentiellen Anstieg der Infektionen angekündigt und als unausweichliches Los erwartet wurde, war es absurd, wie von Medien und Politik der Eindruck erweckt wurde, es gäbe keine schlimmere Krankheit als Corona: Krebs, Infarkte, Schlaganfälle, Aneurysmen, Diabetes, Nierenversagen, Sepsis oder eine Vielzahl sonstiger Infektionskrankheiten – nichts davon schien mehr zu existieren. Es schien, als ob die Volksgesundheit der Deutschen nur mehr von der Zahl schwerer Covid-19-Verläufe – und in Relation dazu der Menge verfügbarer Beatmungsgeräte – abhinge.

Nun, nachdem die Krankheit praktisch zum Erliegen gekommen ist, ist die einseitige Fixierung des gesamten Gesundheitswesens und Klinikbetriebs auf Covid-19 erst recht nicht mehr zu begreifen. Doch unbeirrt wird alles getan, um die Sorge wachzuhalten: Man dürfe die Gefährlichkeit der Covid-19-Erkrankung nicht unterschätzen, so Ministerin Karliczek laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung„. Niemand bestreitet, dass Covid-19 für Risikopatienten erhebliche Gefahren birgt; doch auf wie viele andere Krankheiten, die die Bevölkerung auch ohne „Pandemie“ in ungleich höherem Ausmaß heimsuchen, trifft dies nicht mindestens so sehr zu? Es ist inzwischen nur mehr unverantwortlich, wenn nach wie vor ganze Krankenhausabteilungen weiterhin für Corona-Notfälle und eine „zweite Welle“ reserviert und vorgehalten werden, die absehbar überhaupt nicht kommen – und dies zu Lasten der Normalversorgung: 1121 Intensivbetten sind derzeit im Land noch belegt, 12.416 sind – frei und die kosten den Steuerzahler jeden Tag Unsummen, während andere noch immer nicht operiert werden.

Und tatsächlich: Immer lauter wurden in den letzten Wochen die Warnungen von Medizinern und Gesundheitsexperten, dass Infarkt- und Schlaganfallpatienten in weit geringerem Maß als zuvor die Notaufnahmen aufsuchen; Operationen und Prophylaxebehandlungen werden weiterhin ausgesetzt, und die angekündigte Rückkehr zum medizinischen Normalbetrieb verzögert sich weiter. Der Grund liegt vor allem darin, dass die Kliniken vom Staat weiterhin die für Corona freigehaltenen Betten bezahlt bekommen – wirtschaftlich besteht somit ein vitales Interesse an Aufrechterhaltung eines objektiv überhaupt nicht mehr begründbaren Ausnahmezustands. Diesen Interessenkonflikt zulasten aller anderen Patienten im Land löst die Politik nicht auf – im Gegenteil: sie verschärft ihn.

Reservierte Betten im kommerziellen Interesse der Kliniken

Und kein Wunder, dass auch Chefärzte und vor allem Lehrstuhlinhaber, die oft auch Chefärzte von Kliniken sind, ein ureigenes Interesse an einer Dramatisierung der Corona-Gefahr haben. Von diesen Vertretern ist denn auch die gestrige Zwischenbilanz mehrerer Unikliniken zu sehen, über die die FAZ berichtete – zwei Monate nach Gründung eines Netzwerks der deutschen Hochschulmedizin zum Austausch von Behandlungsverfahren und Patientendaten in der Corona-Pandemie. Dieser Dialog war Ende März zwischenden Universitätkrankenhäusern verabredet worden. In eben diesen Kliniken ist nach wie vor ein Geisterbetrieb – leere Gänge, kaum Patienten. Künstlich wird die Krise konserviert – und mit dem Leben anderer Kranker wird Russisches Roulette gespielt.

Dass es sich bei Covid-19 nicht um eine klassische Lungenentzündung wie bei einer Grippe, betonte etwa Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden – und malte – ohne einordnenden Verweis auf die extrem niedrige Prävalenz derartiger Ausnahmeverläufe der Krankheit – das Bild einer scheinbar mysteriösen, todbringenden Seuche: Die „höchstkomplexe“ Infektion hätte „viele Fälle mit schwerkranken Patienten in den vergangenen Wochen an den Kliniken“ hervorgebracht,  bei denen etwa „Erkrankungen des zentralen Nervensystems, des Rückenmarks oder der Gefäße“ aufträte. Es komme sogar „zu vorübergehenden Querschnittslähmungen oder auch zu Organversagen von Niere und Leber“.

Würde man diese verstörenden Detailberichte bei beliebigen anderen Krankheiten öffentlich derart ausbreiten, müssten wir alle seit Jahren in Dauerpanik ausharren. Denn nicht nur Krankheiten wie Krebs- oder Kreislaufgebrechen (an denen ein Vielfaches der Menschen stirbt, die derzeit unter die nur statistisch aufgrund positiver Tests zugeordneten, jedoch kausal gar nicht belegbaren „Corona-Toten“ fallen), sondern auch diverse andere Leiden bringen seltene Extremverläufe hervor: Infektionskrankheiten, Lungen- und selbst Mandel- oder Blinddarmentzündungen können in Einzelfällen tödliche Komplikationen entfalten. Wann hat man je so über diese berichtet wie über Corona – obwohl davon tausendmal mehr Menschen betroffen sind? (DM)