Lockdown wegen falscher Computer-Berechnung?

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Foto: Von Daniele COSSU/Shutterstock

Das Computermodell, das die Entwicklung der Corona-Toten in Großbritannien vorhersagte, könnte sich als größter Softwarefehler aller Zeiten herausstellen. Aufgrund der Berechnungen hatte der britische Premier bisher beispiellose Ausgangssperren verhängt, deren Folgen auf Wirtschaft und Gesellschaft kaum absehbar sind.

Im März hatte Neil Ferguson, Epidemiologe und Professor für mathematische Biologie am Imperial College in London aufgrund seiner Berechnungen ohne den sogenannten Lockdown 250.000 bis 500.000 Tote in Großbritannien prognostiziert. Wenig später ruderte er bereits zurück und erklärte, daß die Zahl der Todesopfer in Großbritannien wahrscheinlich 20.000 nicht überschreiten und auch viel niedriger sein könnte.

Seine simulierten Datenmodelle – alles ein riesiger Softwarefehler? Diesen Vorwurf erheben zwei Führungskräften eines Softwareunternehmens in der Londoner Zeitung Daily Telegraph, die das Modell untersuchten. „Seit der Veröffentlichung des Mikrosimulationsmodells von Imperial haben diejenigen von uns, die ein professionelles und persönliches Interesse an Softwareentwicklung haben, den Code untersucht, auf dem die politischen Entscheidungsträger ihre schicksalhafte Maßnahmen trafen, unsere Wirtschaft mit mehreren Billionen Pfund einzudämmen und Millionen von Menschen in Armut und Not zu stürzen“, so  David Richards, CEO des britisch-amerikanischen Softwareunternehmens WANdisco, und Konstantin Boudnik, Vice President für Open Source-Entwicklung des Unternehmens. „Wir sind zutiefst beunruhigt über das, was wir entdeckt haben.“

Ferguson gilt als der britische „Drosten“, beriet die Regierung Großbritanniens in Sachen Corona und überzeugte sie anhand seiner Datenmodelle, einen umfangreichen „Lockdown“ und Kontaktverbote zu verhängen. Doch die Berechnungen seien „völlig unzuverlässig“, stellen nun nicht nur Richards und Boudnik fest.

Auch andere Wissenschaftler scheiterten bei dem Versuch, die Ergebnisse mit demselben Modell zu replizieren. Für die Software-Ingenieure ist das Modell ein „fehlerhaftes Durcheinander, das eher wie eine Schüssel mit Nudeln aussieht, als wie eine fein abgestimmte Programmierung“.

„In unserer kommerziellen Realität würden wir jeden entlassen, der einen Code wie diesen entwickelt, und jedes Unternehmen, das eine solche Software für den Verkauf produziert, würde wahrscheinlich pleite gehen“, so das ernüchternde Fazit der Software-Entwickler.

Nicht nur die Software-Entwickler fragen sich nun, warum die britische Regierung nicht eine zweite Experten-Meinung einholte und sich mit ihren folgenschweren Lockdown-Regelungen nur auf das Modell des Imperial College verließ. Eine Frage, die man durchaus auch der deutschen Bundesregierung stellen kann, die sich nur von den Berechnungen des Robert-Koch-Instituts und ihres Experten Christian Drosten leiten läßt.

Für Neil Ferguson, von britischen Medien als „Professor Lockdown“ gefeiert, ist es nicht die erste Fehleinschätzung. Auch mit seinen Vorhersagen zur Entwicklung der vor einem Jahrzehnt grassierenden Schweinegrippe lag er voll daneben. Damals versetzt er das Land mit angekündigten 65.000 Toten in Panik. Am Ende starben 457 Menschen an der Krankheit, berichtet The Express Anfang Mai. Auch Drosten lag damals falsch.

Auch aufgrund von Fergusons Berechnungen hatte die WHO 2009 die H1N1-Pandemie ausgerufen und die Welt in Schweinegrippe-Panik versetzt. Millionen Menschen in Europa ließen sich daraufhin 2009 mit dem Impfstoff Pandemrix impfen. Viele bezahlten die Nebenwirkungen der Impfung mit ihrer Gesundheit. Allergischer Schock, Gesichtslähmungen, Zuckungen und Narkolepsie (Schlafkrankheit) wurden festgestellt. Besonders betroffen: Kinder und Jugendliche. Es handelte sich um eines der „schwerwiegendsten Arzneimittelereignisse“ Europas, so apotheke.adhoc. In Deutschland wurde 2011 Impfstoff im Wert von 130 Millionen Euro buchstäblich verbrannt.

Als Regierungsberater ist der 52-jährige Neil Ferguson inzwischen nicht mehr tätig. Anfang des Monats trat von dem Posten zurück, nachdem herauskam, dass er die von ihm empfohlenen Kontaktsperre persönlich nicht so ernst genommen hatte. Der Epidemiologe und Professor für mathematische Biologie traf sich in Zeiten von staatlich verordneter „sozialer Distanz“ mehrfach mit seiner Geliebten. „Ein Fehler“, wie er inzwischen einräumte. (MS)