Die Deutschen in den Schuldturm

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Hier sehen Sie einen deutschen Steuerzahler (Foto: Von Vibe Images/Shutterstock)
Es kommt in der modernen demokratischen Politik immer darauf an, für fragwürdige Vorgänge und Entscheidungen beim Massenpublikum zündende, lästige Zweifel hinwegschiebende Begriffe zu finden. Einer der jüngsten dieser Begriffe ist der vom „Wiederaufbauplan“ für – je nachdem – Deutschland, EU. Europa oder die ganze Welt. Besonders in Deutschland hat der Begriff einen ganz besonderen Klang, erinnert er doch an die inzwischen verklärten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und das „Wirtschaftswunder“. 1945 waren nicht nur das völlig zerbombte Hitler-Reich, sondern weite Teile Europas ein Wiederaufbauprojekt. Doch hat die Viruskrise zwar etliche Menschenleben zerstört, aber kein einziges Haus, keine einzige Fabrik und kein einziges Weizenfeld.
Von Wolfgang Hübner
Wer also von einem „Wiederaufbauplan“ für die EU redet, gebraucht bewusst eine Schwindelvokabel. Das tun seit der gestrigen wohl teuersten Videokonferenz aller Zeiten sowohl Bundeskanzlerin Merkel wie auch der französische Präsident Macron. Die beiden haben nämlich vereinbart, einen „Wiederaufbaufonds“ von nicht weniger als 500 Milliarden Euro in die Wege zu leiten. Da diese astronomische Summe nicht als rückzahlbare Kredite, sondern vielmehr als nichtrückzahlbare Zuschüsse an EU-Staaten vergeben werden sollen, haben die vorgestern noch von der Bundesregierung angeblich so verschmähten Eurofonds nun einen neuen Namen bekommen. Kurzum: Die Merkel-Regierung ist mal wieder umgefallen.
Darüber erneut zu klagen, ist eigentlich langweilig, weil es schon zu oft geschehen ist. Interessanter ist die Frage, woher die 500 Milliarden kommen sollen, wer sie bekommt und – vor allem – wer sie am Ende bezahlt, also erarbeitet. Nun, der „Wiederaufbaufond“ wird erst einmal mit Schulden finanziert, mit was auch sonst. Wie die 500 Milliarden dann in der EU verteilt werden, soll noch festgelegt werden, hier sind Streitereien und Konflikte geradezu programmiert. Außerdem steht noch keineswegs fest, ob Staaten wie die Niederlande oder Österreich bei diesem Abenteuer von Merkel/Macron überhaupt mitmachen.
Wer es am Ende hauptsächlich bezahlen und erarbeiten muss, ist aber klar: Die Deutschen. Denn kein anderes EU-Land kann oder will diese Last auf sich nehmen. Und unter ihnen sind es natürlich vorrangig die jüngeren Jahrgänge bis zu den FFF-Hüpfern, deren Zukunft in einer Weise beschwert wird, von der die Generation Smartphone bis auf wenige Ausnahmen wegen kollektivem Desinteresse überhaupt keine Ahnung hat.
Doch auch die nun in Rente oder Pension gehenden Babyboomer werden nicht ungeschoren davonkommen. Denn die gigantischen Schulden, die aus dem Virus-Crash führen sollen, können nur durch Inflationierung und Schuldentilgung beglichen werden, vielleicht aber auch nur durch einen noch viel größeren Crash.
Für viele Millionen Deutsche sind das aber nur Varianten ein und desselben Übels. Denn um die EU, Macron und auch die überdimensionale deutsche Exportwirtschaft zu retten, werden sie faktisch in den Schuldturm all der „Wiederaufbaupläne“ gesperrt. Und die Verantwortung dafür wird selbstverständlich das Virus haben, nicht aber die Politik oder ein in absurden Widersprüchen gefangenes, letztlich selbstzerstörerisches Schuldensystem, das mit Sozialer Marktwirtschaft nicht mehr gemein hat als Echtgold mit Monopoly-Geld.