Wie aus dem Biergarten ein Horrorgarten wird

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Die Zukunft der Gastronomie (Foto: Von Vytautas Kielaitis/Shutterstock)

Auf der Seite Salzlandmagazin gibt es Hinweise für die Erstellung eines Hygienekonzeptes (auf der Grundlage des gemeinsamen Grundsatzpapieres der DEHOGA Sachsen-Anhalt und seiner Partner). Auch wenn das nur für das Salzland (Sachsen-Anhalt) gelten sollte, wovon man nicht ausgehen sollte, bleibt einem das Steak im Halse stecken. So wird aus einem Biergarten ein Horrorgarten. Man darf gespannt sein, ob das die Gastronomen, vor allen aber die Gäste mitmachen.

1. Hygieneanforderungen für Flächen mit Publikumsverkehr

• Desinfektionsspender am Eingang des Gewerbes sowie beim Zugang zu den Toilettenräumlichkeiten • Dokumentierte und deutlich häufigere Desinfektion der Toilettenräumlichkeiten

• Verpflichtendes Tragen einer textilen Barriere im Sinne einer Mund- und Nasenbedeckung des Servicepersonals

• Verpflichtendes Tragen einer textilen Barriere im Sinne einer Mund- und Nasenbedeckung der Gäste bis zur Platzeinnahme sowie beim Aufsuchen der Toilettenräumlichkeiten

• Kein Körperkontakt, kein Händeschütteln, kein Schulterklopfen im Vorbeigehen zwischen Gast und Service, Kommuniziert wird mit einem Abstand von mind. 1,5 Meter

• Regelmäßige Desinfektion von primären Arbeitsflächen (z.B. Empfangscounter, Essensausgabe, Bar / Tresen)

• Keine eingedeckten Tische – Eindeckung situativ je Gast bzw. Gastgruppe (mit Handschuh)

• Nutzung von Desinfektionstüchern für Stühle und Tischen nach jedem Gastbesuch

• Sofern möglich bargeldlose Bezahlung, Aufrunden von Getränke- und Speisenpreisen auf volle Eurobeträge, Handdesinfektion vor und nach jeder Benutzung der Pin-Eingabefläche

• Bei Bargeldtransaktionen Handschuhe für Servicepersonal sowie Übergabe des Bargeldes auf desinfiziertem Gegenstand – keine Hand-zu-Hand-Übergabe

• Keine Übergabe von Speise- oder Wein- oder Allergikerkarten, stattdessen: mündliche Empfehlung / Nutzung Tafel / Ausdrucke der Tageskarte als Tischsets, die nach Benutzung weggeschmissen werden / Übersendung digitale Karte

• Wechsel von Tischdecken und Stoffservietten nach jedem Gastbesuch (mit Handschuhen auflegen) • Keine Übernahme der Gästegarderobe durch Servicepersonal

• Soweit möglich, regelmäßiges Lüften in allen Bereichen

• Keine Gegenstände zur gemeinsamen Nutzung am Tisch, bei Bedarf können diese geordert werden, sind jedoch nach der Benutzung eines jeden Gastbesuches zu desinfizieren

 

2. Kontaktnachverfolgung

• Führen tagesaktueller Namensliste inkl. Kontaktinformationen, Ankunfts- und Verlassenszeit sowie Tischnummer

3. Abstandsregelungen

• Errichtung Wartebereich vor der Lokalität mit gekennzeichneten Abstandsflächen von mind. 1,5 m sowie Abstandsregelung beim Toilettenbesuch (z.B. Trennung von Herrenpissoirs / Errichtung gekennzeichnete Wartereihe vor den Toilettenräumlichkeiten)

• Mindestabstand von 1,5 Metern zu den Gästen an anderen Tischen durch entsprechende Platzierung der Tische und Stühle; Tische sollten möglichst nicht parallel nebeneinander, sondern versetzt angeordnet sein oder z.B. Besetzung nur jeder 2. Tisch

• Tische in engen Laufbahnen (vor WC etc.) sind nicht zu besetzen ggf. zu entfernen

Landkreis Anhalt-Bitterfeld

• Kein Sitzangebot an Bars und Tresen

• Bestmögliche Vermeidung von Gästezirkulation in Räumlichkeiten

• Einhaltung von 1,5m Abstand beim direkten Serviervorgang (normale Gästeansprache nur mit Entfernung)

• Kein Büffetangebot, Speisen und Getränke dürfen nur an Tischen angeboten werden

4. Gäste- und Zugangsbeschränkungen

• Fünf Gäste pro Tisch, Ausnahme: Familie mit Kindern mit entsprechend größeren Tischen, grundsätzlich nicht mehr als eine Familie oder Fünfergruppe (kein Tischverbund)

• Maximale Aufenthaltsdauer von zwei Stunden für Gäste

5. Zusätzliche Hygiene in der Küche und bei der Warenannahme

• Regelmäßige und verstärkte Handdesinfektion sowie Handwäsche von Küchenpersonal

• Betriebsfremde Personen (Lieferanten) haben keinen Zugang zu Hygieneräumen / Lägern oder dem Gastraum, auch hier möglichst Abstandsregelungen von 1,5 m einhalten

• Die Maßnahmen des Hygiene- und Schutzkonzepts der DEHOGA Sachsen-Anhalt und seiner Partner sowie die Ergänzung der Gefährdungsbeurteilung im Sinne des SARS-CoV2- Arbeitsschutzstandards für die Branche Gastgewerbe der zuständigen Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe sind gleichermaßen zwingend ergänzend einzuhalten.

7. Zusätzliche Festlegungen

• Öffnung der Lokalität zwischen 06:00 Uhr und 22:00 Uhr

• Biergärten und Außenbereiche bis 20.00 Uhr

• Unter Beachtung der jeweiligen Gegebenheiten des Gastgewerbes ist ein Konzept im Rahmen dieser Hinweise zu erstellen. Dabei sind die aktuellen Bestimmungen der allgemeinen Hygiene im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1, Satz 2 Nr. 1, 3 und 4 der 5. SARS-CoV2 EindV und der zuständigen Berufsgenossenschaft ergänzend zu beachten. Die Handlungsempfehlungen des Hygiene- und Schutzkonzeptes der DEHOGA Sachsen-Anhalt und seiner Partner können bei der Erstellung des Hygienekonzeptes ebenfalls als Orientierung dienen.

• Die zuständigen Behörden sind berechtigt, die Einhaltung der erweiterten Schutzmaßnahmen zu überprüfen und gegebenenfalls weitere Auflagen zu erteilen

• Gäste mit erkennbaren Symptomen einer COVID-19 Erkrankung oder jeglichen Erkältungssymptomen sind aus den Räumlichkeiten der Lokalität auszuschließen

• Die Gäste sind über die Verpflichtung zur Abstandsregelung sowie die Einhaltung der entsprechenden Schutzmaßnahmen über gut sichtbare Aushänge zu informieren; bei Zuwiderhandlungen sind unverzüglich Hausverbote auszusprechen.

Und hier noch die passende Meldung dazu:

Der Trendforscher Matthias Horx erwartet ein breites Restaurantsterben und einen nachhaltigen Trendwandel in der Gastronomie. „Alle generell schwachen Konzepte, die sowieso Schwierigkeiten hatten sich zu finanzieren, werden jetzt in dieser Krise sterben“, sagte der Gründer des Frankfurter Zukunftsinstituts der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es werde danach vielleicht 20 bis 30 Prozent weniger Restaurants geben.

So gesehen, könne man die Krise im Bereich Gastronomie als „ökonomische Evolutionsbeschleunigung“ sehen. Daher gelte: „Wir werden am Ende besser durchdachte Konzepte, bessere Logistik und angepasste Angebote haben.“ Zudem würden bereits vor Corona bestehende Trends im Ernährungssektor „massiv befeuert“, so Horx.

Lokale Märkte, regionale Produkte, die Abkehr von der Globalisierung, die Hinwendung zur Natur und zu ökologischen Trends würden an Bedeutung nochmals gewinnen. Auch das verbreitete Arbeiten außerhalb von Büros und die mutmaßlich dauerhaft begrenzte dienstliche und private Mobilität werde sich auf die Branche auswirken. „Es wird einen massiven Trend geben, dass sich das Homeoffice durchsetzt“, sagte der Trendforscher.

Das sei schon jetzt klar absehbar. „Das heißt auch: Menschen werden mittags weniger in der Gastronomie und weniger in Kantinen essen. Kochen zu Hause erlebt hingegen einen massiven Boom.“