AOK-Studie: Aufnahmediagnosen schwerer Krankheiten stark gesunken

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Foto: Von KieferPix/Shutterstock

Berlin – Unfassbar, was hier im Zuge der Coronakrise alles passiert: Einer internen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zufolge sind die Aufnahmediagnosen von schweren Erkrankungen im April 2020 dramatisch gesunken. Für die Auswertung, über welche die „Bild-Zeitung“ (Donnerstagsausgabe) berichtet, hat das WIdO die Anzahl der Aufnahmediagnosen von AOK-Versicherten in Krankenhäusern im April 2020 (bis zum 23. April) mit dem Vorjahreszeitraum verglichen. Demnach ging die Anzahl der Aufnahmediagnosen von Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes im April 2020 im Vergleich zum April 2019 um 66 Prozent zurück.

Aufnahmediagnosen von Krankheiten des Atmungssystems seien um 51 Prozent zurückgegangen. Verdauungserkrankungen seien 47 Prozent seltener diagnostiziert worden. Aufnahmediagnosen von Kreislauferkrankungen seien um 41 Prozent zurückgegangen, heißt es in der Analyse weiter.

Auch Schlaganfälle und Herzinfarkte wurden der Auswertung zufolge ab Mitte März bei der Aufnahme im Krankenhaus um über 30 Prozent seltener diagnostiziert. die Daten stellten „die erste interne Beschäftigung mit der Covid-19-Phase“ dar, sagte der WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber der „Bild-Zeitung“ auf Anfrage. Die Daten seien „seinerzeit noch schwer zu interpretieren“, da erste Diagnosen bei der Aufnahme zunächst Verdachtsdiagnosen seien. Deshalb seien „erst zu einem späteren Zeitpunkt valide Aussagen möglich“, so Klauber.

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NRW-Kommunen halten Kontaktbeschränkung für kaum kontrollierbar

Der Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen sorgt sich wegen der Lockerungen der Corona-Maßnahmen und hält die aktuellen Vorschriften für kaum kontrollierbar. „Ich kann die Sehnsucht nach Normalität gut verstehen, sehe aber auch, wie schnell die Abstandsregeln und Empfehlungen zum Schutz vor Infektionen in Vergessenheit geraten“, sagte Bernd Jürgen Schneider, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW, der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstagsausgabe). Für die Kommunen sei die Situation nach den jüngsten Lockerungen eine „Gratwanderung“.

Vor allem die Kontaktregeln bereiten den Kommunen Kopfzerbrechen. Städte und Gemeinden würden „im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles dafür tun, dass die Regeln eingehalten werden“, so der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW. Allerdings würden Polizei und Ordnungsbehörden „kaum in der Lage sein, eine Kontaktbeschränkung auf zwei Haushalte flächendeckend zu kontrollieren.“ In der Gastronomie und im öffentlichen Raum könne allenfalls stichprobenartig kontrolliert werden.

Bei der früheren Kontaktbegrenzung auf maximal zwei Personen seien Kontrollen „mit großem personellen Aufwand bei einem komplett heruntergefahrenen Land noch leistbar“ gewesen, so Schneider weiter. Nun aber seien deutlich mehr Menschen auf den Straßen unterwegs. Der Städte- und Gemeindebund appelliert an die Eigenverantwortung der Bürger.

„Die neuen Freiheiten werden nur von Dauer sein, wenn jeder Einzelne sich verantwortungsbewusst verhält“, sagte Schneider der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“.

Tui-Chef begrüßt Lockerung von Grenzkontrollen

Tui-Chef Friedrich Joussen hat begrüßt, dass die Bundesregierung die Grenzkontrollen schrittweise wieder lockern will. „Es gibt keinen guten Grund, warum die Deutschen auf ihren verdienten Urlaub verzichten müssen“, sagte Joussen der RTL/n-tv-Redaktion. Es komme jetzt auf die Freigaben der jeweiligen Länder an.

Sowohl Deutschland als auch die Zielländer müssten ihre Grenzen öffnen und auf Quarantäne-Maßnahmen nach dem Urlaub verzichten. Gerade auf den Balearen, den Kanaren oder in Griechenland sei „das Risiko sehr gering“, so der Tui-Chef weiter. Es sei klar, dass Infektionen im Flugzeug nie ganz ausgeschlossen werden können.

„Alle Experten gehen allerdings davon aus, dass eine Infektion im Flugzeug sehr unwahrscheinlich ist“, sagte Joussen. Die Kunden seien zudem bereit, auf ihren Reisen Einschränkungen hinzunehmen und etwa eine Maske zu tragen, die Temperatur zu messen oder sich öfter die Hände zu desinfizieren. „Dabei dürfen sich Sicherheit und Urlaubsfreude aber nicht ausschließen“, so der Tui-Chef weiter.

Selbst wenn viele Deutsche durch die Coronakrise in finanzielle Schieflage geraten sind, ist der Manager sich sicher: „Die Leute wollen entspannen. Wenn wir unseren Kunden die Möglichkeit geben, in den Urlaub zu fahren, wird das passieren“, sagte Joussen der RTL/n-tv-Redaktion. Schon jetzt verbuche Tui für die Sommersaison 2021 doppelt so viele Buchungen wie im Vorjahr.