Zurückgehaltene Daten, frisierte Zahlen: Wer glaubt dem RKI überhaupt noch?

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RKI-Zahlen - mehr Fragen als Antworten (Foto:Imago/FutureImage)

Berlin – Tricksen, verbergen, aufhübschen; Informationspolitik à la Salamitaktik: Bei immer mehr Bürgern schwindet die Zuversicht in die Krisenkompetenz der Corona-Politik, und dieser Trend kulminiert in nichts sichtbarer als im Vertrauensverlust, den das Robert-Koch-Institut als oberste Bundesbehörde für Infektionsschutz mittlerweile erlitten hat: Seriöse, aussagekräftige und vor allem verlässliche Daten erwartet vom RKI praktisch keiner mehr. 

Inzwischen sind sogar Teile der ARD-Senderfamilie, die zu den unverbrüchlichsten Multiplikatoren und Herolden der Pandemiemaßnahmen und ihrer wissenschaftlichen „Hintergrundmusik“ gehörten, mit ihrer Geduld am Ende: Jetzt empört sich sogar der „Norddeutsche Rundfunk“ (NDR) in deutlichen Worten: Viele wichtige Corona-Daten seien „Journalisten nur schwer oder gar nicht zugänglich, weil das RKI sie zurückhält oder nur tröpfchenweise herausgibt“.

Zahlen, Diagramme und Tabellen, die derzeit in den Medien so begehrt seien wie nie, als für die Bevölkerung unverzichtbare Informationen in der Corona-Krise, bildeten einen „Datenschatz“, den das RKI jedoch vor den Medien verschließt: „Mehrere Bitten um Datensätze wurden ohne stichhaltige Gründe abgelehnt, Fragen dazu beantwortete das Institut ausweichend oder gar nicht.“ Anfragen seien vom Institut „abgelehnt oder nicht beantwortet“ worden – Kritik, die auch von vielen anderen Redaktionen im Land geteilt wird.

Die irreführende Informationspolitik des regierungsabhängigen und unmittelbar weisungsgebundenen RKI (Dienstaufsicht: Gesundheitsminister Jens Spahn) sorgte bereits für widersprüchliche Empfehlungen zum Maskenzwang, nicht eingetretene Prognosen über die erwartete Covid-19-Patientenzahl und damit verbundene Klinikauslastung – und zuletzt für fahrlässige Zahlenspielchen zur Reproduktions-(R-)Zahl. Die wurde vorletzte Woche mal eben ganz locker von 0,7 auf 0,9 hochgestuft, obwohl zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon aktuelle Daten vorlagen, die einen niedrigeren Wert bestätigten.

Politische Zielvorgaben umgesetzt à la „Malen nach Zahlen“

Ein weiteres Mal wurde die Zahl von 0,96 einfach auf den Wert 1 aufgerundet. Und seit die Lockerungen beschlossen wurden und seit vergangener Woche zunehmend in Kraft treten, scheint der Hauptzweck der RKI-Presseverlautbarungen darin zu bestehen, den Anstieg der R-Zahl um jeden Preis über den kritischen Wert von 1 zu vermelden: Bei 1,13 läge er angeblich zur Zeit – trotz täglich weiter fallender Neuinfektionen und täglich geringer werdender Gesamtzahl der noch Infizierten. Kein Wort davon, dass der einzige Grund für den angeblichen Anstieg in absoluten Zahlen die Zunahme durchgeführter Tests war.

Dass politische Entscheidungen und ein sinnvolles Monitoring des Infektionsgeschehen essentiell auf aktuelle Daten angewiesen sind, ist eine Binse – ebenso wie repräsentative, für die Gesamteinschätzung erforderliche Breitenerhebungen. Beides ist beim RKI Fehlanzeige. Vor allem zeitnah erhobene Daten für die einzelnen Bundesländer, denen die Bundeskanzlerin gerade die Verantwortung für die Kontrolle über das Virus zugesprochen hat, gebe es beim RKI nicht, beschwert sich der NDR: Das Institut veröffentliche zwar täglich die von den regionalen Gesundheitsbehörden nach Berlin gemeldeten Fälle – doch „bis das RKI diese herausgibt, liegt der eigentlich Erkrankungsbeginn schon bis zu zwei Wochen oder mehr zurück… Kommt es zu einem neuen Ausbruch, wird er erst spät erkannt.“

Manipuliert wird auch bei den Genesenenzahlen: Diese werden nach wie vor nur abgeschätzt; genaue Daten will das RKI angeblich nicht veröffentlichen, da diese „ja nur geschätzt seien“. Und bei den Verstorbenen? Dort stehe „bei einer Veröffentlichung der Todeszeitpunkte der Datenschutz entgegen“, so der NDR, die die Gründe „fadenscheinig“ nennt – da es Schätzungen gibt im Amtsdschungel zuhauf gibt und mit diesem Argument folglich keine einzige Wirtschafts- oder Bevölkerungsprognose veröffentlicht wird. Immer klarer zeichnet sich ab: Das RKI will nicht die objektive Wahrheit zur Tragweite und Gefährlichkeit von Corona abbilden, sondern die Wahrheit der Bundesregierung. (DM)

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