Raub-Mord an Oma Gerda: Angeklagter Syrer wird freigesprochen

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Gericht (Symbolfoto:Von Andrey_Popov/shuttersto)

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der 82-jährigen Cottbuser Rentnerin Gerda K. ist am Montagmorgen das Urteil gefallen: Der angeklagte Syrer wurde freigesprochen.

Gefesselt und mit einer Tüte über dem Kopf fand ihr Bruder die Rentnerin Ende 2016 in ihrer Cottbuser Wohnung. Die alte Dame erlitt einen qualvollen Tod – sie wurde offenbar erstickt, alle Schränke und Schubladen waren durchwühlt. Drei Monate später nahm die Polizei einen jungen Syrer – damals mutmaßlich 17 Jahre alt – wegen dringendem Tatverdachts fest.

Nach 102 Verhandlungstagen sprach das Landgericht Cottbus den Syrer vom Vorwurf des Raubmordes an der 82-jährigen Rentnerin frei. „Das Gericht hat Zweifel an der Schuld des Angeklagten“, so eine Gerichtssprecherin gegenüber der B.Z. „Es war ein reiner Indizienprozess, Tatzeugen gab es nicht.“ Einziger Hinweis war eine DNA-Spur des Syrers an der Kleidung der Ermordeten. „Aber die DNA hätte sich auch aus dem Treppenhaus auf die Kleidung übertragen können“, so die Sprecherin, „beide wohnten im selben Aufgang.“

Im Juni 2019 dann hatte Brandenburg seinen nächsten Justizskandal. Nachdem ein  BKA-Gutachter ein vernichtendes Urteil über die Ermittlungsarbeit der Cottbuser Kripo fällte, wurde der Angeklagte wegen der überlangen Prozessdauer auf freien Fuß gesetzt. Das Landgericht hatte ihn aus der U-Haft mit der Begründung entlassen, eine weitere Haft sei angesichts des Alters des Angeklagten und der Tatsache, dass ein kurzfristiger Abschluss des Prozesses nicht absehbar sei, unverhältnismäßig. Die Schuld am Endlos-Prozess gaben die Ankläger dem Verteidiger des Syrers, dessen Anwalt Christian Nordhausen. Er habe das Verfahren verzögert.

Die Staatsanwältin hatte zehn Jahre Haft gefordert, die nach Jugendrecht mögliche Höchststrafe. Am Montag konnte der Syrer, nachdem sein Anwalt Freispruch für ihn forderte, den Saal als freier Mann verlassen. Die Staatsanwaltschaft und der Bruder des Opfers können noch Revision einlegen. (SB)