Bürokratische Öffnungs-Auflagen als Todesurteil: Auch Busunternehmer stehen am Abgrund

0
Reisebus-Betreiber sind verzweifelt - trotz der Öffnungen (Foto:Imago/FutureImage)

Gastronomen sind nicht die einzigen, für die sich die (Teil-)Öffnungen nicht als Segen, sondern als Fluch erweisen: Immer mehr Branchen müssen feststellen, dass die Bedingungen, an die der Staat die Wiederaufnahme ihres Geschäftsbetriebs knüpft, fast noch katastrophaler sind als der Shutdown selbst. Ebenfalls unter den Leidtragenden: Die Betreiber von Reisebus-Unternehmen.

Die privaten Busbetreiber wurden – wie die meisten Wirtschaftssparten – von den behördlichen Auflagen eiskalt erwischt, die sie vor der zumindest teilweisen Rückkehr zur Normalität zu erfüllen haben. Auch in ihrem Fall kommen diese einem Verbot gleich. Die Bestimmungen lesen sich so, als seien sie von Bürokraten mit einer völligen Realitäts-, Praxis- und Marktferne verfasst worden.

Das Verbot jeglicher Busreisen Mitte März erwischte die Branche kalt; volle Auftragsbücher mussten komplett leerstorniert werden. Auch in Hessen wurden etliche Tagesausflüge, Kaffeefahrten, Schulreisen und private Fuhren gecancelt. Dass im Zuge der Lockerungen nun wieder Reisen zulässig sind, wurde weder öffentlich publiziert noch den Unternehmern mitgeteilt – typisch für einen Staat, der zwar höchste Steuersätze anlegt und abkassiert, aber nichts für sein mittelständisches Rückgrat unternimmt, was nicht unbedingt nötig ist. So war es denn der Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer (LHO), der seine Mitglieder über die nun wieder erlaubte Gewerbeausübung informieren musste.

Allerdings hatten die zuständigen Ministerialbeamten, die sich die Auflagen fürs Busgewerbe ausgedacht hatten, anscheinend nicht bedacht, dass diese mit einem wirtschaftlichen Betrieb noch weniger vereinbar sind als etwa die Auflagen der Gastronomie: Wie der „Hessische Rundfunk“ (HR) berichtet, müssen auch in den Bussen fünf Quadratmeter Fläche pro Person zur Verfügung stehen – plus der obligatorische Abstand von eineinhalb Metern, auch für den Ein- und Ausstieg sowie für das Sitzen im Bus. Und, schlimmer noch: Während der gesamten Fahrt gilt strikter Maskenzwang.

Leidensverlängerung bis zur Pleite

Der LHO-Verbandssprecher erklärte, diese Bedingungen seien fast unzumutbar: „Jetzt kann es trotz der Lockerung trotzdem faktisch so sein, dass die Unternehmen keine Umsätze machen, weil die Angebote aufgrund der Auflagen so schwierig zu gestalten sind, dass sich das für die Unternehmen wirtschaftlich nicht lohnt“. Für einer Branche, die laut HR noch krisengeplagter und von akuten Pleiten bedrohter ist als etwa das Veranstaltungsgewerbe, sind diese Aussichten desaströs. Schon Ende April hatte der Verband Alarm geschlagen: „Etwa 90 Prozent der Bustouristiker in Hessen können die aktuelle Corona-Krise maximal noch bis zum Sommer überstehen – wenn es keine Hilfen gibt, droht ihnen schon bald das Aus“.

So wie die Abstands- und Serviceregelungen für vor allem kleine Gastronomen (mit geringer Tisch-/Sitzplatzanzahl, ohne Terrasse oder Freisitz) völlig undurchführbar sind, weswegen etliche von ihnen gar nicht erst wieder öffnen, so bedeutet auch für das Busreisegewerbe die angebliche „Lockerung“ in Wahrheit eine Leidensverlängerung – was praktisch bedeutet: Der sichere unternehmerische Exit ist nur noch eine Frage der Zeit. Immerhin hat der Amtsschimmel gewiehert und mit deutscher Gründlichkeit wurden Pandemiemaßnahmen umgesetzt. (DM)