„Tagesschau“-Feldzug gegen Corona-Kritiker: Deutsche Bischöfe sind jetzt auch Verschwörungstheoretiker

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Kardinal Müller (M., 2019) in einer Ansprache (Foto:Imago/Revierfoto)

Es war eine buchstäbliche „Kardinal-Sünde“, die aus Sicht deutscher Durchhalte-Journalisten und regierungstreuer Meinungsmacher der Kardinal Gerhard Ludwig Müller auf sich geladen hatte: Gemeinsam mit anderen katholischen Bischöfen hatte er es gewagt, die Motive der Corona-Politik in Frage zu stellen.

In dem dreiseitigen Offenen Brief, der am Samstag in mehreren Sprachen veröffentlicht wurde, vertreten die unterzeichnenden katholischen Bischöfe unter anderem die These, inzwischen bestehe durchaus guter Grund zu der Annahme, „dass es Kräfte gibt, die daran interessiert sind, in der Bevölkerung Panik zu erzeugen“. Auch werden „Zweifel an der tatsächlichen Ansteckungsgefahr“ des Coronavirus geäußert – allerdings nicht im Sinne einer grundsätzlichen Leugnung von Virulenz und Pandemiegefahr, sondern was die tatsächliche Gesundheitsgefährdung für die Durchschnittsbevölkerung und zudem auch die reale Mortalität anlangt.

Prompt schlug der Medienmainstream zurück – allen voran die öffentlich-rechtlichen Framer, die ihr Pauschalverdikt über alle längst gefällt haben, denen bis vor zwei Wochen die Maßnahmen nicht weit genug gingen und denen jetzt die Lockerungen viel zu früh kommen: „Verschwörungstheoretiker“ seien diese. Die von den Bischöfen in ihrem Protestbrief artikulierte Gefahr, die Krise könne von interessierten Kreisen als „Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht“ betrachtet werden, sei absurd; die Geistlichen, so die „Tagesschau„, „bedienen sich dabei einer derzeit weit verbreiteten Verschwörungstheorie“.
Alles Müller, oder was?

Gestern legte das Nachrichtenformat nochmals nach: Gezielt auf Kardinal Müller schoss sich die Onlineausgabe der „Tagesschau“ ein. Dieser hatte sich zuvor in der katholischen Zeitung „Die Tagespost“ gegen die medialen Anfeindungen verwahrt und gesagt: „Es wird so hingestellt, als ob die Pandemie selbst erfunden wäre, um Panik zu machen, was ja absurd ist.“ Es müsse wohl erlaubt sein festzustellen, dass die Krise auch dazu verwendet werde, um „Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt“ einzuschränken – einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit. Konkret bezog Müller sich dabei vor allem auf die gemeinsame Religionsausübung – die bis zu den Teilöffnungen vor zwei Wochen verboten gewesen war.

Kaum verwunderlich, das Müller und die anderen Kirchenführer mit ihrer Position nicht auf Rückendeckung ihrer Amtskirche zählen können: Neben den Medien beeilte sich sogleich auch die Deutsche Bischofskonferenz  – wie eh und je konkordatsverbundene und unter allen Fahnen die wohl staatsloyalste Institution schlechthin – auf Distanz zu gehen und den unbotmäßigen Oberhirten zu widersprechen: Die hätten den offenen Brief nicht mit ihrer Zustimmung verfasst und nur ihre persönlichen Meinungen zum Ausdruck gebracht. (DM)