Taschentücher raus! NDR will weniger „Tatorte“ und „hart“ sparen

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Joachim Knuth (Vorsitzender der ARD-Hoerfunkkommission und NDR-Programmdirektor Hoerfunk) (Foto: Imago)

Was macht der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk (ÖRR) eigentlich mit den zwangsweise erhobenen neun Milliarden EURO schweren „Demokratieabgabe“? Mit diesem Geld würde ganz Hollywood vermutlich einen „Blockbuster“ nach dem nächsten veröffentlichen und die Kinosäle wären voll. Doch wer den ÖRR kennt, weiß, daß dieser davon meilenweit entfernt ist. Schlimmer noch, das Geld reicht anscheinend hinten und vorne nicht. Denn der neue Intendant des NDR, Joachim Knuth, verordnet dem Sender jetzt ein Sparprogramm, „das nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Zuschauer zu spüren bekommen“.

Von Nils Kröger

Auweia! Jetzt heißt es anschnallen und Stoßgebete gen Himmel, daß doch bitte keine „heiligen Kühe“ wie etwa die „Tatorte“ oder diverse „Unterhaltungsshows“ leiden müssen. Doch leider sind die Rücklagen fast aufgebraucht und es sollen daher weniger „Tatort“-Folgen an die ARD geliefert werden. Zur Zeit tummeln sich im Norden zwei Ermittler in Hamburg, eine in Hannover und einer in Kiel. Nicht auszudenken, wenn etwa Til Schweiger (HH) oder Maria Furtwängler (H) dem Sparzwang zum Opfer fallen würden. Gerade die letzte „Tatort“-Folge mit ihr (National Feminin) „begeisterte“ sämtliche Kritiker. War die Nähe zur Realität doch in jeder Minute zu spüren bzw. mit den Händen zu greifen.

Doch damit ist noch lange nicht Schluss. „In der Produktion werden flächendeckend Standards gesenkt und auf Investitionen in Technik verzichtet“, ließ der NDR verkünden. Der geneigte Leser wird sich nun fragen, welche „Standards“ bzw. „Investitionen“ wohl gemeint sind? Selbst viele spendenfinanzierte YouTube-Kanäle (nicht die bei FUNK) bekommen das besser hin. Des Weiteren müssen auch die Unterhaltungsshows bluten. Auch dort soll weniger für die ARD geliefert werden. Sendungen wie „Inselreportagen“ oder „Lieb und teuer“ stehen vor der Einstellung. Die bekannteren Formate wie „ZAPP“ und „Kulturjournal“ müssen sich demnächst mit Internetauftritten begnügen. Welch ein Verlust…

Auch die „Netzwerker“ können sich über ein paar freie Tage extra im Jahr „freuen“. Denn so sollen die Sommertouren der Landesfunkhäuser Hamburg, Schwerin, Kiel und Hannover entfallen. Künftig gäbe es nur noch eine Großveranstaltung pro Jahr als Gastgeber. Ebenso fallen Veranstaltungen wie das NDR Klassik Open Air weg. Dazu gibt es Planungen um die Personalkosten zu reduzieren und Strukturen geändert werden.

Gott sei Dank behält die Gemeinschaftseinrichtung ARD-aktuell, aus der u.a. „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ gespeist werden, höchste Priorität. Zumindest dort werden also die „Standards“ gehalten. Aber, wie schaut es denn mit dem Personal aus? Der NDR möchte bis zum Jahre 2028 in diesem Bereich zehn Prozent kürzen. Dies entspräche mindestens 200 Planstellen, die nicht neu besetzt werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind allerdings bis 2024 tarifvertraglich ausgeschlossen.

Laut NDR können durch diese Maßnahmen in den kommenden vier Jahren etwa 300 Millionen EURO eingespart werden. Der NDR erhält aus den Zwangsbeiträgen ca. eine Milliarde EURO und konnte, laut eigener Angaben, nur durch die Rücklagen höhere Ausgaben decken. Diese seien nun erschöpft und auch die geplante Erhöhung schaffe keine wirkliche Entlastung. Wie selbstlos vom NDR.

Obwohl, doch nicht ganz so selbstlos. Denn der Rundfunkteilnehmer bekommt für einen höheren Beitrag weniger Leistung. Dafür gibt es doch ein umgangssprachliches Wort…

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