Virologen und Staatsmedien machen mobil gegen angebliche Fakenews

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RKI-Chef Wieler, Virologe Drosten, Bundesgesundheitsminister Spahn (Foto:Imago/photothek)

Staatsepidemiologen, handverlesene Virologen und Mikrobiologen sind in den vergangenen Monaten zu neuen Schamanen und Popstars aufgestiegen: An ihren Lippen hängen Staatsmänner und Fernsehzuschauer, in Pressekonferenzen und Talkshows verkünden sie Zwischenbilanzen, vorläufige Erkenntnisse und vage Prognosen wie antike Seher und Auguren, und die Macht, die ihnen zuteil wird, entspricht der Bereitschaft überforderter und teilweise hyperaktiver Politiker, den Einschätzungen Beschlüsse folgen zu lassen. Jetzt keilen sie gegen ihre Gegner und Zweifler.

Dass sich viele Prophezeiungen und alarmistische Warnungen nicht realisiert haben, eine Vielzahl verwirrender und widersprüchlicher Zahlen sowie ständig geänderte angebliche Bewertungskriterien über Risiko, Gefahr und Tragweite des Corona-Infektionsgeschehens haben die Bevölkerung nicht nur irritiert und ermüdet, sondern auch zu einem zwangsläufigen Vertrauensverlust und riesigen Zweifeln geführt. Zur Entschuldigung der Wissenschaftler sei konzediert, dass diese natürlich bei einem noch unbekannten Virus, über das die Forschung täglich Neues lernt, nur vorläufige und Zwischenergebnisse publizieren kann und sich Irrtümer und Fehleinschätzungen zwangsläufig ereignen.

Dennoch ist es verständlich, dass die Menschen nicht mehr so sang- und klanglos wie noch vor zwei Monaten bereit sind, empfindliche Grundrechtseinschränkungen hinzunehmen. Sie hinterfragen mehr, sie sind renitenter – und sie sind, gerade weil die „offiziellen“ Fakten allzu oft widersprüchlich waren, nicht mehr vorbehaltlos und sklavisch bereit, den von RKI und Regierung verkündeten amtlichen Bulletins Glauben zu schenken. Sie öffnen sich auch alternativen Quellen und Außenseiterkanälen jenseits der etablierten, regierungsnahen Medien. Und in dem Maße, wie sie dies tun, schwindet nicht nur der Einfluss der Virologen, sondern auch das Durchgriffsmonopol der Herrschenden auf ihr Volk.

„Toxischer als das Virus selbst“

Da ist es kein Wunder, dass gegengesteuert werden muss – und alles darangesetzt wird, die „Skeptiker“, die abweichenden Meinungen unglaubwürdig zu machen – und sie mit der bewährten Fakenews-Keule, mit dem Generalverdacht und Dünkel der angeblich durchweg unseriösen, paranoiden Abgründe der sozialen „Hetzmedien“ zu belegen, sie zu „Verschwörungstheoretikern“ zu stempeln, die „toxischer als das Virus selbst“ seien; publizistische Dreckschleudern quasi, denen man sich selbst als Quell seriöser Forschung und journalistischer Reinheit gegenüberstellt.

In diesem Kontext ist der in der „New York Times“ veröffentliche (und von avaaz.org geteilte) Aufruf von „Ärzten und Virologen aus der ganzen Welt“ zu verstehen, die in einem offenen Brief zum „Kampf gegen Falschnachrichten“ aufrufen. Dabei spekulieren sie ausgerechnet auf Schützenhilfe des Großmeisters der Netzzensur: Facebook-Gründer Zuckerberg. Dieser soll im internationalen Rahmen für die Faktenhygiene sorgen, die in Deutschland dank Netzwerkdurchsuchungsgesetz und sogenannter „Faktenfinder“ bereits Wirklichkeit ist.

Ganz begeistert von diesem höchst fragwürdigen Versuch, die öffentliche Meinung im Sinne interessierter Eliten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft quasi zu rekanalisieren, berichtet schwelgend sogleich die deutsche „Tagesschau“ über den Appell, an dem sich außer der deutschen Virologen-Ikone Christian Drosten auch dessen Kollegin Melanie Brinkmann und etliche internationale Koryphäen beteiligten: Nicht nur in den USA, auch in Deutschland würden „Verschwörungsmythen über Covid-19 millionenfach geteilt“, so die öffentlich-rechtlichen Redakteure; dies belege eine aktuelle Studie, die dem SWR vorliegt.

Motto: Tendenziös ist Trumpf

Darin heißt es: „Wir haben elf Facebook-Seiten identifiziert, die Corona-Falschinformationen an eine besonders große Followerschaft verbreiten, sogenannte Superspreader…“ Dies bedeute, dass „…diese eine besonders hohe Reichweite auf Facebook haben: Zusammen erreichen diese Seiten fast 1,5 Millionen Follower“, zitiert die „Tagesschau“ Marie Richter, eine der Autorinnen der deutschen Superspreader-Analyse der Studie. Für selbige zeichnet übrigens „NewsGuard“ verantwortlich – ein amerikanisches Unternehmen, das die „Glaubwürdigkeit und Transparenz von Online-Nachrichten bewertet“, so die ARD-Journalisten – ohne näher darauf einzugehen, dass die Schlagseite und Tendenziosität von „NewsGuard“ jener der besagten internet-aktivistischen NGO „Avaaz“ oder der von „Correctiv“ nahekommt.

Sogenannte „Faktenfinder-“ oder „Wahrheitswächter“-Plattformen also, die nicht von ungefähr vor allem als „rechtspopulistisch“ gebrandmarkte Medien ins Visier nehmen. Da verwundert es dann auch nicht weiter, dass Studien-Co-Autorin Richter im deutschsprachigen Raum ausgerechnet die folgenden Webseiten aufzählt, die in besonderem Maße der „Verbreitung von Falschinformationen über Covid-19″ aufgefallen seien:“RT Deutsch, Der Wächter, Frieden Rockt, Dr. Ruediger Dahlke, Compact-Magazin, Anonymous Deutschland, Augen Auf, Freidenkerkollektiv, Medizin Heute, Anonymous Offiziell und Russische Nachrichten.“

Faktenverzerrer als Saubermänner

In dieser Aufzählung fehlt übrigens noch die „Tagesschau“ selbst – die nicht nur in der Flüchtlingskrise mehrfach manipulativen Halbwahrheiten brachte, sondern auch zum Thema Corona wiederholt Zahlen und Einschätzungen des RKI, aber auch der Bundesregierung unkritisch vermeldete, die sich später als falsch oder unvollständig herausstellten. Seien es Tote, die „mit“ und nicht „an“ Corona gestorben waren; angeblich abwegige Falschbehauptungen von bevorstehenden Geschäftsschließungen Mitte März, die zwei Tage genau so eintraten; die Wirksamkeit des Maskentragens, die zunächst bestritten, dann propagiert wurde; oder „Infizierte“, von denen die meisten schon wieder genesen waren: Die „etablierten“ Quellen waren mit Sicherheit nicht die unfehlbaren in dieser Krise.

Der Krieg gegen Corona ist längst zum Krieg um die Wahrheit geworden: Im Ringen um die richtige Einordnung der Pandemie, um die angemessenen Methoden und die vermeintlichen oder tatsächlichen Hintergründe der epochalen Wirtschafts- und Menschheitskrise bringen unterschiedlichste Interessengruppen und Machtzirkel ihre Arsenale in Stellung. Die Kartelle aus Regierungen, supranationalen Lobbys, von ihnen gelenkter NGO’s und Mainstream-Medien sehen sich einer wachsenden Zahl an Skeptikern, Kritikern, medizinischer Renegaten und Aktivisten gegenüber, die mit Gegen- und Netzöffentlichkeit gegen vermeintlich unumstößliche Dogmen aufbegehren. Dubiose Elemente gibt es auf beiden Seiten, und wer am Ende Recht behalten wird, muss die Geschichte erweisen. (DM)