Die Corona-App: Wie wir alle überwacht und kontrolliert werden sollen

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Symbolfoto: Von Dmitry Kalinovsky/Shutterstock

Angenommen Sie sind in Ihrem Supermarkt (natürlich maskiert) und gehen Ihren Einkäufen nach. Plötzlich gibt Ihr Handy ein „Ping“ von sich. Es informiert Sie, dass Sie jetzt „rot“ geworden sind – nein, Sie sind kein Kommunist – sondern stehen unter Verdacht, sich gerade infiziert zu haben, weil Sie einen bereits Infizierten zu nahe gekommen sind. Und ab sofort gelten auch Sie offiziell als möglicher Seuchenträger. Plötzlich weiß jeder in Ihrer Nähe, dass Sie das Virus haben könnten. Sie müssen Ihre Einkäufe im Einkaufswagen lassen und sich schnellstens nach Hause begeben. Die Freiheit, wie Sie sie kennen, ist schlagartig vorbei. Von nun an wird die Regierung Sie überall aufspüren, wissen, mit wem Sie in Kontakt kommen, und wenn Sie das Haus verlassen, können Sie verhaftet werden. Vor dieser Pandemie waren solche Szenarien undenkbar, aber dies ist die „neue Normalität“, die unsere Regierungen uns aufzuzwingen versuchen.

Von The Brit

Diese Woche hat Großbritannien begonnen, seine neue App NHSX auf der Isle of Wight zu testen. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock hat die 140.000 Einwohner der Insel ermutigt, „Ihre Pflicht zu tun!“ und sie aufgefordert, die App herunterzuladen. Es geht angeblich um nicht weniger, als „Leben zu retten“. Doch werden diese Apps Leben retten oder nur eine Hintertür für die Überwachung des „tiefen Staates“ bieten, gegen die wir seit dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg im Namen der Freiheit gekämpft haben? Was jetzt als „Wundertechnologie“ oder „Wunderwaffe“ gegen das Virus beworben wird, könnte uns in Zukunft hart treffen.

„Dies ist ein rutschiger Weg, der dazu führt, dass Sie farblich gekennzeichnet werden“, warnt Alex Gladstein, Chief Strategy Officer bei der Human Rights Foundation. „Wenn wir die Normalisierung der Massenüberwachung im Namen der öffentlichen Gesundheit zulassen, wird sie missbraucht werden und wir werden es später bitter bereuen.“

In China ist das bereits Realität: Dort dürfen Menschen nur dann reisen, wenn ihr Gesundheitszustand als grün und nicht als rot aufgeführt ist.

Diese Apps, die von über 30 Ländern entwickelt wurden, verwenden unsere Smartphones, um in einem zentralen oder dezentralen System (in dem die Daten zur weiteren Verwendung gespeichert werden) miteinander zu „kommunizieren“. Die Gesundheitssysteme der Regierung verwenden sie dann, um Sie farblich zu kennzeichnen, es anderen zu ermöglichen, Sie zu kontaktieren, automatisch Tests zu arrangieren und Ihre Fortschritte sowohl innerhalb als auch außerhalb Ihres Hauses zu verfolgen. Sie werden als „der einzige Weg“ gefeiert, damit wir aus dem herrschenden Lockdown-Szenario sicher herauskommen.

Funktionieren diese Apps tatsächlich?

Ross Anderson von der University of Cambridge schreibt im New Scientist, dass er nicht an die Wirksamkeit solcher Apps glaubt. Sie zu verwenden, um Kontakte zu verfolgen, sei „immer ein mühsamer Weg“ gewesen, sagt er und fügt hinzu, dass es besser wäre, Tausende von Menschen zu rekrutieren, um die Wege von Infizierten zu verfolgen. Laut Forschern des KU Leuven Instituts für die Zukunft in Belgien sind die Belege für die Wirksamkeit von Apps bei der Bewältigung von Krankheitsausbrüchen „begrenzt“.

Es gibt auch Fragen zu den Fähigkeiten der App, Wände bzw. Wohnungen zweifelsfrei zu identifizierten. Stellen Sie sich vor, Sie müssen in Quarantäne gehen, dabei ist es eigentlich Ihr Nachbar, der sich infiziert hat. Damit diese App überhaupt funktioniert, braucht es auch eine große Anzahl von Personen, die bereit sind die App herunterzuladen. Es wird angenommen, dass die App TraceTogether in Singapur nur von ungefähr 15% der Bevölkerung Singapurs heruntergeladen wurde. Das liegt weit unter der erforderlichen Zahl von 60 bis 80%, die laut Epidemiologen für das Funktionieren der Apps erforderlich sind. In den meisten Fällen ist die Beteiligung niedriger als 40% – ein Prozentsatz , mit dem z.B. die australischen Behörden bereits zufrieden wären. Nach einem Bericht der  Washington Post sind die meisten Amerikaner nicht bereit oder nicht in der Lage, selbst die relativ unaufdringlichen, freiwilligen und dezentralen Kontaktverfolgungs-Apps zu verwenden.

Welche Regierung macht was?

Dazu müssen wir zunächst den Unterschied zwischen einem „zentralisierten“ oder einem „dezentralisierten“ System verstehen. Zum einen speichert die Regierung Ihre Daten auf einem zentralen Server und zum anderen werden die Daten auf Ihrem Telefon gespeichert. Zunächst versuchte die EU, eine europäische Lösung unter dem seit langem genannten europaweiten Rahmen für die Rückverfolgung von Kontakten (PEPP-PT) zu finden. Das hat bereits zu einer tiefen Spaltungen geführt und alle Versuche, uns alle dazu zu bringen, dieselben Systeme zu verwenden, sind gescheitert.

Google und Apple haben eine gemeinsame Initiative angekündigt, um den Einsatz von Bluetooth-Technologie zu ermöglichen, um Regierungen und Gesundheitsbehörden dabei zu helfen, die Verbreitung des Virus zu verringern, der anscheinend von vielen Ländern, einschließlich Deutschland, Italien, Österreich, Irland, der Schweiz und wahrscheinlich den USA, wo die Entscheidung noch in diesem Monat fallen soll, angenommen wird. Apple und Google haben sich nicht dazu verpflichtet, ihre eigenen Apps zu erstellen, sondern ein System geschaffen, auf dem eine Vielzahl von Apps aufbauen können. Das System soll offiziell Mitte Mai eingeführt werden, doch schon jetzt stehen zumindest in Deutschland zahlreiche „Corona-Apps2 zum Herunterladen auf Smartphones zur Verfügung.

Bei dem System handelt es sich ist im Wesentlichen um ein „dezentrales“, das als das beste und am wenigsten aufdringliche Doch wer hat am Ende Zugriff auf die Daten!?

„Zwei Unternehmen, Apple und Google, dominieren das System der Smartphone-Software. Sie haben jahrelang Benutzer ausspioniert und die Überwachung der Verbraucher in ihren App Stores ermöglicht. In der Welt, die wir aufgebaut haben, müssen wir jetzt das Schicksal unseres Lebens und unserer Wirtschaft gegen das Vertrauen in Apple und Google, die von ihnen unterstützte Ad-Tech-Branche und staatliche Geheimdienste abwägen. Das ist ein Albtraum“, erklärt Michael Kwet, ein Gaststipendiat des Information Society Project der Yale Law School.

Es ist ein bisschen so, als würde man Dracula für die Blutbank verantwortlich machen!!

Einige Regierungen, darunter Frankreich und Großbritannien, haben sich für zentralisierte Systeme entschieden, die nicht einmal den strengen Datenschutzrichtlinien von Apple und Google entsprechen. Die Minister der britischen Regierung konnten nicht genau angeben, wer auf die von der Regierung gesammelten Daten zugreifen kann. Frankreich geht noch weiter, indem Beamte Technologiefirmen auffordern, ihren Schutz der Privatsphäre zu lockern. Die Minister haben angekündigt, eine App zu entwickeln, die an das Gesundheitssystem des Landes gebunden ist. Andere Länder wie Südkorea, Israel, die Tschechische Republik und die Slowakei entwickeln ebenfalls „zentralisierte“ Systeme.

Wer steckt wirklich hinter diesen Apps?

Das ist der eigentliche Knackpunkt, denn es scheint, dass die Spionageagenturen der Welt wirklich hinter einem Großteil dieser Technologie stehen. Der Whistleblower der NSA, Edward Snowden, sagte, dass die Staaten als Reaktion auf das Virus eine „Architektur der Unterdrückung“ aufbauen. In Pakistan unterstützt der ISI-Geheimdienst die Versuche der Regierung, eine App zu erstellen. Das in Israel ansässige Unternehmen Cellebrite hat laut Reuters sein Produkt der indischen Polizei angeboten, um Personen aufzuspüren, die möglicherweise einer Infektion ausgesetzt waren. Cellebrite ist für ein Tool bekannt, mit dem Strafverfolgungsbehörden im Rahmen strafrechtlicher Ermittlungen Zugang zu iPhones erhalten haben. In demselben Bericht stellte Reuters fest, dass mehrere Unternehmen der Überwachungstechnologie, die Tools zum Hacken in Telefonen und zum Überwachen von Standorten herstellen, ihre Tools den Regierungen als Mittel zur Bekämpfung des Virus anbieten.

Hier in Großbritannien hat das National Cyber ​​Security Centre (NCSC) des GCHQ laut BBC die Bemühungen zur Erstellung der NHSX-App „unterstützt“. NHS-Dokumente zeigen, dass Beamte nun erwägen, die Möglichkeit hinzuzufügen, Benachrichtigungen zu versenden, wenn Personen zu lange draußen waren.

Dies hat in Großbritannien die Alarmglocken schrillen lassen: In einem offenen Brief stellen sich rund 200 Fachleute für Informationssicherheit gegen solche Maßnahmen in Großbritannien: „Es ist wichtig, dass wir, wenn wir aus der aktuellen Krise herauskommen, kein Instrument geschaffen haben, das die Datenerfassung über die Bevölkerung oder über bestimmte Teile der Gesellschaft zur Überwachung ermöglicht“, so die Experten.

Wenn Ihre Regierung Sie nun auffordert, „Ihre Pflicht zu erfüllen“ und eine Covid-19-Tracing-App herunterzuladen, überlegen Sie es sich bitte zweimal!

 

 

 

 

 

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