Absurde Auflagen: Das Ende der Gastronomie ist beschlossene Sache

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Symbolischer Protest der Gastronomen im April (Foto:Imago/Stein)

Die lange erwarteten, vielgepriesenen Teilöffnungen der Gastronomie, die jetzt nach und nach in den Ländern in unterschiedlicher Tragweite in Kraft treten, entpuppen sich als vergiftetes Entgegenkommen: Wirtschaftliche Erholung ist bei den vorgesehenen Einschränkungen nicht zu erwarten: Es bleibt zu wenig zum Leben, gerade genug zum Sterben. Tatsächlich dürften die „Lockerungen“ das endgültige Aus für viele Wirte bedeuten – denn die Bedingungen gleichen faktisch einem Todesurteil für die gebeutelte Branche.

Bereits vorgestern Abend hatte Arbeitsminister Hubertus Heil in schonungsloser Offenheit bei „Markus Lanz“ verkündet, dass die Pandemie Deutschland noch eineinhalb Jahre, also bis Ende 2021, beschäftigen werde – und es somit volle Restaurants, Kneipen und Cafés auf absehbare Zeit nicht geben werde, wie die „Welt“ schlussfolgert. Was das konkret bedeutet, beschrieb die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Ingrid Hartges: Auch nach den Öffnungen werden die Umsätze – im Vergleich zum Vorjahr – maximal 30 bis bestenfalls 50 Prozent betragen. Die Prognose, dass bis zu einem Drittel aller Betriebe pleitegehen wird, bleibt daher aufrechterhalten.

Aufgrund der in den Hygienekonzepten vorgeschriebenen Abstandsregelungen und zur Öffnung begrenzt freigegebenen Kapazitäten ist in vielen Fällen ein kostendeckender gastronomischer Betrieb gar nicht möglich. Viele Unternehmer würden daher, so der Dehoga, „genau durchrechnen“, ob sich eine Wiedereröffnung überhaupt lohnt. Je nachdem wie ein Lokal geschnitten ist, ob die Tische nahe an der Theke stehen oder gar ein Großteil des Umsatzes über die Theke lief (was ja weiterhin verboten bleibt), könnte die Kalkulation defizitär ausfallen.

Defizitäre Kalkulation: Besser gar nicht erst öffnen

Betriebe ohne Freisitz, mit wenigen Innentischen, können kaum lohnend wirtschaften. Ist hingegen der Außenbereich groß – etwa bei Biergärten oder an frequentierten Plätzen – bedeutet dies wiederum Mehraufwand bei der Einhaltung von Sicherheitsabständen. Hinzu kommt die strikte Vorreservierungs- und Dokumentationspflicht, die die Gastronomen vor neue organisatorische und personelle Herausforderungen stellt – weil ja Listen geführt und bei jedem Gast die Personalien kontrolliert werden müssen.

Dass von den Gästen verpflichtend persönliche Angaben verlangt werden, ist dabei auch datenschutzrechtlich ein riesiges Problem. Denn die Frage ist hier, wieso bei der noch immer nicht verfügbaren App der Datenschutz derart hoch gewichtet wird, dass dort – wo nur eine lückenlose Teilnahme wirklich sinnvoll wäre – auf Freiwilligkeit gesetzt wird – während künftig penibel Buch geführt wird, wer wann mit wem wo eingekehrt ist.

Natürlich dient diese Vorgabe der späteren Rückverfolgung von Infektionsketten – doch genau hier liegt auch das große Risiko für die jetzt wiederöffnenden Gastronomen: Wird einer ihrer Gäste Tage später Corona-positiv getestet, so droht allen, die mit ihm zeitgleich im Lokal waren, Quarantäne – und möglicherweise auch dem jeweils diensthabenden Personal. Folge wäre, dass der Betrieb dann im ungünstigsten Fall gleich wieder schließen darf. Damit nicht genug: Mit einer zünftigen Kneipentour eines einzigen Corona-Positiven ließe sich so effektiv die komplette Gastronomie einer Stadt lahmlegen.

Sabotage durch Dokumentation und Schließungsdrohungen

Doch auch die Gäste könnten, abgesehen von der datenschutzrechtlichen Zumutung, von dem Dokumentationszwang abgeschreckt werden: „Wenn ich Namen und weitere Daten von mir zwingend angeben muss, wenn ich ein Restaurant besuche, dann gehe ich dort auch nicht hin. Gleiches gilt für Kneipen, Clubs oder Events, wenn auch hier wieder hochgefahren wird. Ich mache da auch keine Ausnahme. Entweder läuft alles wieder so wie vor Corona-Zeiten oder ich verzichte darauf und spare lieber das Geld“, schrieb ein Facebook-Nutzer.

Viele halten es ähnlich: Sie weichen stattdessen auf private Veranstaltungen und Feiern im Freundeskreis aus – zum Schaden der Gastronomie. „Man organisiert sich dann halt wie zu Zeiten der Prohibition… Dinge finden dann einfach hinter verschlossenen Türen statt, ohne Regeln. Wenn es das ist, was die Politik will, dann nur zu“, lautet ein weiterer Netzkommentar. Und auch dies ist zu lesen: „Ich fühle mich auch nicht in der Verantwortung, den Wirten da draußen zu helfen, indem ich jetzt unter Auflagen bzw. Regeln mein Geld dort lasse… die Regierenden haben den Lock-Down zu verantworten und müssen es dann auch wieder geradebiegen.“ (DM)