Problemfall Bundeswehr: Jedes Land hat die Armee, die es verdient

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AKK in "Feldherrinnenpose" (Foto:Imago/Trotzki)

Bonn / Berlin – Auch unter Annegret Kramp-Karrenbauer, der verunglückten CDU-Vorsitzenden auf Zeit, die entgegen früherer Beteuerungen als Verteidigungsministerin ins Kabinett eintrat, bleibt die Bundeswehr eine marode Truppe – prekär an Material, Gerät und Ausrüstung, aber auch an Humankapital. Deutschlands Landesverteidigung ist eine Dauerbaustelle.

Am Boden bleibende Flieger, defekte Panzer, ständige Pannen bei der Flugbereitschaft. Mängel an Stiefeln, Probleme mit Gewehren, verfallende Bausubstanz der Kasernen. Die Bundeswehr ist mit Mehr als einer Viertelmillion Männern und Frauen im militärischen und zivilen Sektor zwar einer der größten Arbeitgeber Deutschlands und sollte ideell, vom Auftrag her, Wertschätzung erfahren – doch sie fristet sowohl in der öffentlichen Akzeptanz als auch in der Würdigung durch die politischen Entscheider ein Stiefmütterchendasein.

Hans-Peter Bartels (SPD), scheidender Wehrbeauftragter des Bundestages, schilderte in drastischen, schonungslosen Worten am Vorabend der Corona-Krise in seinem jährlichen Bericht die desolaten Zustände in der Truppe. Zeitungen des Springer-Verlags zitierten die letzten Tage wiederholt daraus; so ist darin unter anderem von „Riesenbaustellen“ beim Material die Rede, von „drastischem Personalmangel“ – und, noch bedenklicher insbesondere vor dem Hintergrund einer weiblichen Ministerin als Dienstvorgesetzter: von steigenden Fallzahlen bei sexueller Belästigung.

Die „Welt“ berichtet nun über frustrierende Bekenntnisse zweier Offiziere, bei denen sich „…die einzelnen Faktoren zu einer Gemengelage aus Unzufriedenheit und ohnmächtigem Frust verdichtet“ hätten – und wie ihnen, so ergehe es vielen Offizieren in der Truppe. Was sie berichten, muss bei jedem um die sicherheitspolitische Zukunft dieses Landes besorgten Bürger die Alarmglocken schrillen lassen. Bereits 2016 hätten 31 Prozent der vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr befragten Soldaten die Frage, ob sie ihren Beruf an Freunde oder Verwandte weiterempfehlen würden, verneint.

Ein Viertel der Soldaten ständig dienstunfähig

Auch dass – trotz Wehrpfichtabschaffung und der damit einhergehenden strukturellen Hinwendung zur Berufsarmee – die Bundeswehr die Qualifikations- und Bildungsansprüche an ihre Neubewerber immer weiter absenkte, sehen die Offiziere kritisch. Die Bundeswehr, so die „Welt“, scheine „mit den geistigen Fähigkeiten ihrer Rekruten zufrieden“ zu sein: Aktuell hätten rund 80 Prozent des militärischen Personals mindestens einen mittleren Schulabschluss.

Ein weiteres Dilemma ist der riesige Krankenstand, den Stabsoffizierskreise – basierend auf den Erfahrungen aus den eigenen Zuständigkeitsbereichen – auf mittlerweile zwischen 30.000 und 50.000 Soldaten schätzen, die „auf längere Sicht dienstunfähig“ seien. Neben gesundheitlichen Gründen fallen hierunter auch Elternurlaube oder andere familiäre Freistellungsgründe“. Da beim „Bund“ die Krankenakten auch im Jahr 2020 lediglich analog, nicht digital geführt werden, existieren keine verbindlichen Zahlen; träfe die Schätzung zu, so „würde das bedeuten, dass momentan etwa ein Viertel aller Soldaten nicht einsatzfähig wäre“, schreibt die Zeitung.

Wie angesichts solcher Verhältnisse AKK und das Groko-Kabinett von einer angeblichen „Top-Priorität“ der „Fitmachung“ der Armee sprechen kann, erschließt sich selbst wohlmeinenden Beobachtern nicht. Die Debatte um die Bartels-Nachfolge als Wehrbeauftragter – man denke nur an die vorgeschlagene SPD-Kandidatin Eva Högl – lässt ebenfalls nichts Gutes erahnen: wenn die „Fraktion Wickeltisch“, Quotenfrauen und „ungediente“ Pazifisten für die politische Interessenvertretung der Soldaten stehen soll, ist das Schicksal der Bundeswehr bald endgültig besiegelt. (DM)

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