Merkels Speichellecker: Deutschlands Linksjournalisten mutieren zu Herolden und Hofberichterstattern

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Medien wie zu Zeiten der DDR, Foto: © jouwatch Collage
Merkel und die Medien - gemeinsam für die Corona-Diktatur, notfalls auch ohne Virus, Foto: © jouwatch Collage

Berlin – Mosern über Lockerungen, linke Lust am Einsperren: Deutschen Journalisten kommen, wie der Kanzlerin, die Liberalisierungen zu schnell. So huldigen sie auf immer scham- und distanzlosere Weise Angela Merkel und der Groko – dies bewies nicht nur die gestrige Pressekonferenz nach Merkels Corona-Gipfel. Schmerzlich wird deutlich: Gerade in diesen Tagen, da politische Opposition ins Hintertreffen gerät, wäre eine kritische Presse wichtiger denn je.

In einer pluralistischen Gesellschaft mit funktionierender demokratischer Teilhabe bildet die Medienlandschaft eine Vielzahl unterschiedlicher Meinungen ab, wodurch sich eine Ausgewogenheit quer über das politische Spektrum ergibt. Davon kann in Deutschland keine Rede sein. Die linksgrüne Prä-Indoktrination der Journalisten und die Regierungsnähe der großen Verlage und Sender – und zwar nicht nur der öffentlich-rechtlich, sondern auch der privat geführten – bedingt eine Einseitigkeit, die zum Ärgernis und systemischen Problem wird.

Inzwischen aber sind die meisten deutschen Journalisten zu obrigkeitsergebenen Loyalisten geworden, die sich dem in der Groko erstarrten politischen Mainstream verpflichtet fühlen und ihre Hauptaufgabe darin zu erblicken scheinen, Regierungsentscheidungen unreflektiert wiederzugeben und zu verkünden. Deutlich wurde dies gestern mustergültig auf Angela Merkels Pressekonferenz über die zuvor getroffenen Corona-Entscheidungen. Stellenweise fühlte man sich an die inszenierten Medienbriefings des russischen Präsidenten im Kreise seiner handverlesenen Hofberichterstatter erinnert.

Stichwortgeber und Souffleure

Die anwesenden Medienvertreter zeigten sich als stirnrunzelnde Bedenkenträger, die die neuen Freiheiten für leichtsinnig halten und – wie die Kanzlerin – tendenziell lieber „mehr Staat“, mehr Verbote bewahrt hätten. Folglich vermieden sie praktisch jegliche kritische Fragen an Merkel über Lücken, Grauzonen und Widersprüche zum gefundenen Kompromiss. Obwohl sich derer etliche aufdrängten: Etwa, ob der Maskenzwang in Geschäften angesichts der Wiedereröffnung der Gastronomie ohne Maskenzwang aufrechtzuerhalten ist; wieso nicht repräsentativ getestet wird, sondern völlig willkürliche Obergrenzen (50 Neuinfektionen auf 100.000 Bürger) gezogen werden; oder wer sicherstellt, dass nicht durch die beliebig veränderbare Zahl der Tests derartige Ergebnisse – und damit die politische Entscheidung über erneute Lockdowns – manipuliert werden.

Und wieso dann ausgerechnet der Bund die Peitsche schwingen soll, wenn die definierte Toleranzgrenze verletzt wird – und nicht die örtlichen Behörden? Oder was eigentlich – da die Pandemie doch angeblich laut Regierung „immer noch am Anfang“ steht – am 5. Juni viel anders sein soll als heute? Oder: Wie sich die Regierung die Rettung der Gastronomie vorstellt, die trotz der nun – extrem eingeschränkt ermöglichten – Teilöffnungen aufgrund des vorgeschriebenen „Hygienekonzeptes“ kaum überlebensfähig sein wird (Teile der Branche, Bars und Discos, bleiben weiterhin ganz dicht). Oder: Wie es um die Folgen der nach wie vor unbefriedigenden Situation bei Kitas (Stichwort Notfallbetreuung) und Schulen bestellt ist? Nichts davon wurde thematisiert.

Stattdessen beschränkten sich die Journalisten auf die Rolle von Stichwortgebern, die Merkel & Söder Steilvorlagen lieferten, ihre Groko-Beschlüsse blumig vorzutragen – etwa zur Förderung von E-Mobilität oder Vorbereitung auf die „zweite Welle“. Merkels „Führungsrolle“ wird inzwischen unterschwellig als Selbstverständlichkeit rapportiert, während der Föderalismus lächerlich gemacht und die hoheitlichen Landesentscheidungen als Disziplinlosigkeit getadelt werden, als unkoordinerter Geltungsdrang einzelner Ministerpräsidenten, die den weisen Beschlüssen der gestrengen Führerin im Kanzleramt vorgriffen. Als „Pfauenfederwedler der Macht“ charakterisiert Alexander Wendt diese servilen Presse-und Rundfunk-Domestiken in einem lesenswerten „Publico„-Essay treffend.

Inzwischen etabliert sich in manchen Leitmedien sogar ein veritabler Personenkult um die Kanzlerin; auf die Spitze trieb dies gestern die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die in einem unter anderem auf Twitter verbreiteten Meme Merkel buchstäblich in einen Glorienschein hüllte:

(Screenshot:Twitter)

„Cicero“-Publizist Alexander Kissler fand dazu gestern die richtigen Worte: „Ich habe nichts gegen das Foto, aber man stelle sich vor, Donald Trump  würde nur ein einziges Mal mit Lichterkranz, festen Blicks der Zukunft zugewandt, über einem Nachrichtenartikel abgebildet. Man würde es für Satire halten.“ Genau diese Grenze – zwischen Satire und Realsatire – haben deutsche Medienschaffende schon lange überschritten; es ist die vermutlich zwangslose Begleiterscheinung einer Kanzlerin, deren Amtszeit partout nicht enden will. (DM)