Jetzt plötzlich: Medien-Empörung über „rechten“ Angriff auf ARD-Team

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"Organisierte Nazis" halten Grundgesetz hoch (Foto:Imago/ZUMAWire)

Berlin – Man hätte blind darauf wetten können: Nachdem deutsche Medien erfolgreich alles unternahmen, um den brutalen linksextremen Übergriff auf das Kamerateam der ZDF-Heute-Show kleinzuschreiben und zu „entpolitisieren“ (sogar Oliver Welke selbst drückte sich feige davor, die Täter als Linke zu benennen, und faselte stattdessen von „Kritikern“, denen seine Sendung „nicht gefällt“), sind sie jetzt umso leidenschaftlicher am Start, um einen erneuten „Angriff“ auf ein Kamerateam gehörig aufzubauschen – kein Wunder: Diesmal scheint das Weltbild wieder zu stimmen – denn die Täter sind, so scheint es, „Rechte“.

Die Beweisführung hierfür ist – anders als beim Angriff vom 1. Mai, wo sechs der Angreifer eindeutig dem linksautonomen Umfeld zugeordnet werden konnten – zwar nur indirekt möglich, aber das muss deutschen Haltungsreportern freilich genügen: Weil vor dem gestrigen Zwischenfall „Lügenpresse“ und „Wir sind das Volk“ skandiert wurde, liegt der Fall klar. Ein Demonstrant, der ein ARD-Kamerateam attackiert haben soll, sei festgenommen worden, twitterte die Berliner Polizei am Mittwochabend.

So wie nach dem linken Überfall auf das ZDF-Team aus einem Elefant eine Mücke gemacht wurde, wird in diesem Fall die Mücke zum Elefant: So ließ sich der gestrige Angriff von der Tragweite überhaupt nicht mit dem vom Freitag vergleichen; es gab lediglich einen „Leichtverletzten“ – während bei der linksextremen Attacke mehrere Schwerverletzte zu beklagen waren, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

„Verschwörungstheoretiker und organisierte Nazis“

Was hier wirklich geschah und ob es sich überhaupt um eine Behinderung der Journalisten handelte, ist noch reichlich unklar – doch um das mutmaßlich rechte Umfeld des gestrigen Angreifers trennschärfer hervorzuheben, wurde die dubiose Kulisse der „Corona-Demo“ überbetont: Die „Welt“ etwa berichtete, dass sich gestern „350 bis 400 Menschen vor dem Reichstagsgebäude versammelt“ hätten, die „offenbar einem Aufruf in den sozialen Medien“ gefolgt seien.

Als Kronzeuge der verwerflichen politischen Gesinnung der Anwesenden durfte ausgerechnet June Tomak, Berliner „Grünen“- Abgeordnete ihre getwitteten Beobachtungen zum besten geben: „Die Versammlung heute war ein buntes Sammelsurium von Verschwörungstheoretikern, über organisierte Nazis bis zu Familienausflüglern… Erschreckend war, wie rechte Sprechchöre & Parolen schnell von der gesamten Menge übernommen worden sind. Gefährliche Entwicklungen.“

Damit wäre der emotionale Background bereitet, den mutmaßlichen Täter ins „rechte“ Licht zu rücken – etwas, das bei dem Übergriff vom vergangenen Freitag leider beim besten Willen nicht möglich war… (DM))