Dummheit: Wer ist dumm? – Die Pandemie-Gläubigen oder die „Corona-Leugner“?

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24.02.2020, Karneval in Duisburg - Foto: Imago

Es sei doch alles ganz schrecklich dumm, was die Politiker in der „Coronakrise“ machen, heißt es in den Kreisen derer, die zu Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen gehen und in den sozialen Netzwerken ihrem Unmut über die Aussetzung ihrer Grundrechte freien Lauf lassen. Das könnte ein Irrtum sein.

von Max Erdinger

Hut ab vor Dieter Nuhr. Der Satiriker und Kabarettist bekommt gerade zu spüren, was es bedeutet, einer Gesellschaft von selbstgerechten Meinungsinhabern den Spiegel vorzuhalten. Seine jüngste Sendung in der ARD könnte leicht auch die letzte gewesen sein. Nicht unbedingt deswegen, weil er seinen Spott über Kanzlerin Merkel und den Virologen Drosten ausgegossen hat, sondern deswegen, weil ihm das deutsche Fernsehpublikum nicht verzeihen wird, daß es durch seinen Spott indirekt selbst zu Nuhrs Zielscheibe geworden war. Es ist schließlich dieses Publikum, das GEZ-Gebüren nicht dafür bezahlt, sich selbst den Spiegel vorhalten zu lassen. Nein, der Spiegel muß immer den Mächtigen vorgehalten werden, damit Kabarett, Satire und „Comedy“ in Deutschland Erfolg haben. Im Sinne jener Mehrheit, welche die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, darf man sich auch über „Andersdenkende“ lustig machen. Das geht auch. Oliver Welke und Jan Böhmermann sind zwei dieser „lustigen Deutschgestalten“, deren Witz immer auf der „Wie-wir-ja-alle-wissen-Schiene“ angeschleimt kommt. Das Fernsehvolk denkt gar nicht daran, seine eigenen „Gewißheiten“ in Frage stellen zu lassen. Bestätigt haben will es sie. Gern auch vom Kabarettisten.

Deutsche Gewißheiten

Erste Gewißheit: Die Volksvertreter vertreten die Interessen des Volks. Daß seit Jahren nicht mehr zu erkennen ist, wann die Regierung jemals Schaden vom Volk abgewendet – und seinen Nutzen gemehrt hätte, führt zu dem Schluß, daß die Regierung vielleicht nicht optimal agiert, daß ihr Fehler und Dummheiten unterlaufen, daß sie vielleicht nicht die Fähigsten in ihren Reihen hat und dergleichen mehr. Undenkbar erscheint, daß die Volksvertreter tatsächlich nicht mehr die Interessen des Volks vertreten könnten, sondern die von jemand völlig anderem. Und zwar mit Unterstützung jener Medien, deren Aufgabe es geworden sein könnte, genau diesen Sachverhalt unsichtbar zu machen. „SPIEGEL-Online“ hat 2,5 Mio. US-Dollar von der Bill & Melinda-Gates-Stiftung erhalten, die Wochenzeitung „Die Zeit“ immerhin über 200.000 US-Dollar. ZDF-Mann Claus Kleber ist Mitglied der Atlantik-Brücke, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat eine interessante transatlantische Vita – und alle die Multimilliardäre und „Philanthropen“, die z.T. in der Atlantikbrücke aktiv sind, sich beim „World Economic Forum“ oder den „Bilderberg-Konferenzen“ mit den „Volksvertretern“ treffen, sind in der zur Zeit „vireninduzierten“ Weltwirtschaftskrise zugleich die größten Nutznießer einer historisch beispiellosen Umverteilung von unten nach oben.

Was in aller Welt darf man „Volksvertretern“ noch zutrauen, bei denen Leute wie George Soros und Bill Gates ein- und ausgehen, und die noch jedem Stiftungs- und NGO-Furz wie die Süchtigen hinterherschnüffeln? Sind das noch Volksvertreter?

Das transatlantische Netzwerk – Foto: Screenshot Youtube „Schwindelambulanz Sinsheim“

Zweite Gewißheit: Der Verfassungsschutz schützt das Grundgesetz. Wenn der Verfassungsschutz inzwischen eher an die Staatssicherheit der DDR erinnert, weil er sich zunehmend geriert wie „Schutz und Schild der Partei“, in der aktuellen Erscheinungsform allerdings als „Schutz und Schild des Altparteienkartells“, dann kommt nicht etwa die Frage auf, ob der Verfassungsschutz noch das ist, was zu sein er vorgibt. Das höchste der Gefühle ist dann die Frage, ob der Verfassungsschutz womöglich einen anderen Chef haben sollte.

Dritte Gewißheit: Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer Rechtsstaat und das wird sie auch immer bleiben, weil etwas anderes schließlich gar nicht erlaubt wäre. Schließlich haben wir ein Grundgesetz, das von der Regierung geachtet und vom Verfassungsschutz geschützt wird.

Vierte Gewißheit: Die Wahrheit – es gibt sie nicht. Alles ist eine Frage des Standpunkts und der Perspektive. Wie die Dinge sind, hängt davon ab, wie sie einem vorkommen. Man darf es sich aussuchen im Rahmen der je individuellen Erkenntnismöglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen. Dann hat man eine Meinung, die es zu berücksichtigen gilt. Weil das in der Demokratie so zu sein hat. Daß es keine objektive Wahrheit gibt, wird aber paradoxerweise durchaus als die objektive Wahrheit dazu begriffen. Wodurch „wir“ uns der Beantwortung der Frage schon ganz gut annähern, wer in diesem Land eigentlich dumm ist: Volk oder Regierung?

Es gäbe noch etliche Gewißheiten mehr, denen der Deutsche anhängt, ohne sie je in Frage zu stellen, aber diese vier sollen erst einmal genügen. Sie reichen aus, um die geistige Selbstkastration des Volks zu illustrieren. Natürlich könnte man fragen, ob das Volk verdummt worden ist, oder ob es sich bereitwillig hat verdummen lassen. Meinereiner ist kein Paternalist und deswegen zutiefst davon überzeugt, daß jeder Einzelne seinen Kopf aufhat, um ihn selber zum Denken zu verwenden.

Der Paternalist

Die Deutschen sind in ihrer übergroßen Mehrheit jedoch durchaus ein Volk staatsgläubiger und obrigkeitshöriger Paternalisten, denen der Kabarettist oder der Satiriker lediglich „Erleichterung“ verschaffen soll. Ein „befreiendes Lachen“ über „die da oben“ ist gewünscht, ohne daß dabei die Gewißheit in Frage gestellt wird, daß „die da oben“ schon ganz in Ordnung wären, wenn sie keine „Fehler“ machen würden. Was wäre denn, wenn „die da oben“ gar keine Fehler machen, sondern sehr zielgerichtet eine Agenda durchziehen, die nur deswegen „fehlerhaft“ aussieht, weil die Agenda nicht bekannt ist? Hätte es dann noch Sinn, Kabarett zu machen über Fehler, die nur vermeintlich welche wären? Es gibt Dinge, über die der Deutsche lieber nicht nachdenken will. Wollte er noch nie. An keinem historischen Desaster jemals ist er selbst schuld gewesen. Es waren immer „die da oben“. Er selbst war immer nur „Verführter“ oder „Fehlgeleiteter“. Und der Presse-Mainstream bestätigt das dem Volk auch in schöner Regelmäßigkeit. Immer wieder gibt es die verführten, irregeleiteten und verhetzten Schäfchen, die vor diesem oder jenem „Haßredner“ in Schutz zu nehmen sind.

Es sieht ganz danach aus, als seien die Deutschen regelrecht dauerverliebt in ihre selbstgewählte Unmündigkeit. Aus Bequemlichkeit, möglicherweise. „Gehe nicht zu deinem Fürst, wenn du nicht gerufen wirst“, „man darf alles, nur erwischen lassen darf man sich nicht“, „sein eigenes Süppchen kochen“ usw.usf – das sind deutsche Tugenden. Und wenn es etwas überhaupt nicht leiden kann, das deutsche Volk, dann ist es, daß ihm jemand sagt, es sei mehrheitlich ein Haufen entsetzlich naiver Scheindemokraten. Es scheint geradezu süchtig zu sein nach seinen „Führern“. Ob dieser „Führer“ sich zur Abwechslung „Staatsratsvorsitzender“ nennt oder „Bundeskanzler“, ist ziemlich egal, solange man ihn nicht „Führer“ nennen muß. Es gibt ja auch gar keine Führer mehr, sondern nur noch Vertreter. Wird schon hinhauen. Hoffentlich geben uns „unsere“ Vertreter unsere Grundrechte zurück, wo sie doch so gar keine Führer sind, die uns welche wegnehmen könnten.

Ungestellte Frage

Interessant ist im Zusammenhang mit der Suspendierung von Grundrechten durch die „Führung“, die eigentlich Stellvertreter zu sein hätte, eine Frage, die sich offensichtlich niemand stellt. Und die lautet so: Wie hat sich die „Führung“ das eigentlich vorgestellt für die Zukunft? Will sie in Zukunft jedesmal, wenn irgendwo ein Virus um die Ecke kommt, das ganze Land lahmlegen, die Alten und Kranken zwangsisolieren, Geschäfte schließen und dergleichen mehr? Wird das Volk durch eine Covid 19-Zwangsimpfung vor allen zukünftigen Viren geschützt sein, so daß nie wieder ein „Lockdown“ nötig werden wird? So müsste es doch fast sein, oder? Wäre es anders, wer wollte sich denn dann heute noch mit einem gastronomischen Betrieb, einem Friseurgeschäft oder einem Nagelstudio selbständig machen? Ich meine, wenn doch die ganze Zeit das Damoklesschwert der vireninduzierten Vernichtung seiner wirtschaftlichen Existenz über ihm hängt, von der „Führung sicherheitshalber“ so angeordnet? Wäre es denn nicht logisch, zu unterstellen, daß die „Führung“ so blöde nun auch wieder nicht sein kann, als daß sie sich selbst eine solche Frage nie gestellt hätte? Wer in aller Welt soll noch persönlich ein unternehmerisches Risiko auf sich nehmen, wenn er damit rechnen muß, daß es die „Führung“ ist, die jeder seiner Kalkulationen jederzeit den dicksten aller Striche durch die Rechnung machen kann?

Die Frage führt zur nächsten – und die lautet also: Ist es die fehlerfreie Agenda der Regierung, die unbekannte, in der bereits berücksichtigt worden ist, daß es ein freies Unternehmertum nie wieder geben soll – und daß die heute bestehenden Reste freien Unternehmertums deshalb zwangsruiniert werden müssen? Wie wären denn in einem solchen Zusammenhang die Einlassungen von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in der „Rheinischen Post“ zu verstehen, denen zufolge die Coronakrise ein „Weckruf“ sei, den „traditionellen Kapitalismus“ aufzugeben? Wie wäre denn in einem solchen Zusammenhang zu bewerten, wo die Kanzlerin sozialisiert worden ist, was sie bekanntermaßen alles glaubt und meint, und weshalb sie so nonchalant Grundgesetz und Länderverfassungen mißachtet? Sogar FDP-Kubicki stellte bereits vorsichtig fest, die Kanzlerin bewege sich „am Rande der Amtsanmaßung“. Kann es sein, daß der Mann wußte, warum er so behutsam formulieren muß im Lande der uneingeschränkten Meinungsfreiheit? Und wie wäre in dem Zusammenhang das willfährige Schweigen des „Verfassungsschutzes“ zu beurteilen? Wäre es denn nicht edelste Aufgabe eines Verfassungsschutzes, die Verfassung zu schützen – und daher die Bundesregierung unter Beobachtung zu stellen? Was ist eigenltich mit dem Bundesverfassungsgericht? Ist es wirklich wahr, daß man es erst einmal anrufen muß, ehe es aufhören darf, sich zu benehmen wie ein Dackel, der zur Jagd getragen werden muß?

Und kann es sein, daß ich hier eine Menge Fragezeichen verwende, damit sich endlich einmal derjenige die nötigen Fragen stellt, der sie sich zu stellen hätte: Dieser sagenhafte deutsche „Souverän“? Weil ich es leid bin, daß sich dieses Volk die Antworten immer liefern läßt, anstatt sie selbst zu finden? Und kann es sein, daß sich dieses Volk vor etwas ganz anderem als dem Virus fürchtet? – Vor der Erkenntnis seiner selbstgewählten Unmündigkeit vielleicht? Und daß es sich realiter lieber selbst ins Grab lügt, als in seiner Einbildung elendiglich an einer inexistenten Pandemie zu verrecken?

Wie verdummt muß man eigentlich sein, um die Einmaligkeit der gegenwärtigen Vorgänge nicht zu erkennen? Im Winter 1969/1970 grassierte hierzulande die Hongkong-Grippe. Damals gab es tatsächlich Medikamentenknappheit, berstend volle Krankenhäuser, Patientenbetten, die auf den Fluren standen, zigtausend Tote und alles das, von dem heute behauptet wird, daß wir es hätten. Nichts davon haben wir! Stattdessen haben wir eine politisch-mediale Klasse, die einen Affentanz von historischer Beispiellosigkeit aufführt – und ein Volk von Fahrradhelmchenträgern, das sich bald einnäßt vor lauter Angst. Und zwar vor einer Angst, von der es weiß, daß sie kommunikationsstrategisch im Innenministerium so geplant worden ist, sowohl in Deutschland als auch in Österreich.

Spott & Hohn

Dieter Nuhr wird vermutlich keine Gelegenheit mehr erhalten, seinen Sarkasmus und seine Ironie im deutschen Staatsfernsehen abzuladen. Das ist bestimmt schade für Dieter Nuhr und wahrscheinlich mit Einkommensverlusten gekoppelt. Sein Spott galt sowieso den Falschen. Ehrlicherweise hätte er sein Publikum frontal auf die Hörner nehmen müssen. Dann allerdings hätte er noch nie Erfolg gehabt hierzulande. Der Deutsche ist nämlich der Bescheidwisser par excellence. Das läßt er sich auch von einem Dieter Nuhr nicht ausreden. Und ein Volk, das sich nicht allmählich einmal fragt, was das soll mit dem „Verschwindenmachen“ von aufgeweckten Geistern wie Akif Pirincci, Imad Karim, Hamed Abdel Samad, Uwe Steimle, Thilo Sarrazin, Hans-Georg Maaßen, der AfD und so vielen anderen mehr … – ein Volk also, das sich dem Meinungsterror von Gesinnungsethikern und selbsternannten Volkspädagogen beugt und dabei immer noch krampfhaft seine Illusion aufrecht erhält, es lebe in einer rechtsstaatlichen Demokratie, muß sich wirklich fragen lassen, ob es noch ganz bei Trost ist.

 

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