Wirren und Widersprüche: Das RKI als Sprachrohr der Regierung

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Prof. Lothar H. Wieler, Chef des RKI (Foto:Imago/IPON)

Berlin – Dass es sich beim Robert-Koch-Institut (RKI) um keine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung, sondern eine direkt weisungsgebundene Bundesbehörde handelt, gerät leider allzu oft in Vergessenheit – vor allem weil die RKI-Oberen, sehr zum Verdruss von kritischen Zeitgenossen und auch Medizinern, mit scheinbarer wissenschaftlicher Autorität sprechen, während sie sich in Wahrheit ständig widersprechen.

So wurde nun bekannt, dass das RKI seine umstrittene Empfehlung zum Umgang mit knappen Schutzmasken offenbar auf unmittelbare Intervention des Bundesarbeitsministeriums hin revidiert hatte. SPD-Arbeitsstaatssekretär Björn Böhning hatte sich beim Bundesgesundheitsministerium (das die Dienstaufsicht über das RKI innehat) beschwert, dass das RKI die Gesundheit von Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich beim Umgang mit Corona-Patienten „eklatant missachtet“ habe, zitiert der „Spiegel“ aus einem ihm vorliegenden Schreiben.

Hintergrund war die Auseinandersetzung über die Sicherheit von Beschäftigten in Kliniken, Praxen und Heimen: Experten raten dazu, dass Ärzte und Pfleger bei der Behandlung von Covid-19-Patienten mit einem Filter gesicherte FFP2-Masken tragen sollten, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Das RKI stiftete hier – nicht zum ersten Mal – mehr Verwirrung, statt dass es für Erhellung sorgte: Am 14. April hatte das Institut unter seinem Präsidenten Lothar Wieler noch eine aktualisierte Empfehlung veröffentlicht, in der es hieß: „Wenn FFP2-Masken nicht zur Verfügung stehen“, dann solle ein einfacher Mund-Nase-Schutz getragen werden; Anlass war der Maskenmangel in diversen Einrichtungen.

Motto:Was kümmert uns unser Geschwätz von gestern?

In einer Neufassung der RKI-Empfehlungen dann, die am 24. April veröffentlicht wurde, war der umstrittene Passus plötzlich nicht mehr enthalten: Böhning hatte zuvor das Gesundheitsministerium in seinem Schreiben gebeten, „das RKI aufzufordern“, seine Empfehlung „umgehend“ zu ändern – weil Beispiele aus Italien und Spanien zeigten, dass laxere Regeln zu vielen Todesfällen bei Patienten und Beschäftigten führen könnten, so „dts Nachrichtenagentur“.

Der Fall zeigt auf frappierende Weise, wie die politische Hörigkeit des RKI eher zu Desinformation und Fehlverhalten beiträgt als zu planvollem Handeln in der Krise. Auch als es um den grundsätzlichen Sinn von Schutzmasken in der Öffentlichkeit ging, hatte das Institut eine aufsehenerregende Kehrtwende hingelegt: Hatte es sich zuvor der WHO-Einschätzung angeschlossen, dass ein Nutzen des Maskentragens medizinisch nicht evident sei, erklärte Wielers Truppe Anfang April dann plötzlich die Wirksamkeit und begrüßte die (damals noch freiwillige) Verwendung von Mund- und Nasenbedeckungen.

Und dass die Datengrundlage und daraus gezogene Prognosen – von Neuinfektionen bis Reproduktionszahlen – ebenso konfus und inkonsistent erscheinen, ist angesichts der politischen Abhängigkeit des Instituts keine wirkliche Überraschung. (DM)

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