EGMR reingelegt: Irakischer „Flüchtling“ von den Toten auferstanden

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Foto: Von FOTOKITA/Shutterstock

In Finnland ermitteln die Behörden gegen einen Iraker, der nach der Rückkehr in sein Heimatland gefoltert und ermordet worden sein soll. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof hatte Finnland deshalb verurteilt, seiner Tochter eine Entschädigung von 20.000 Euro zu zahlen. Jetzt sieht alles danach aus, daß die EGMR-Richter auf teilweise gefälschte Dokumente reingefallen sind.

Der 44-Jährige war 2015 nach Finnland „geflüchtet“ und hatte Asyl beantragt. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, der Mann kehrte daraufhin 2017 in den Irak zurück. Kurz nach seiner Rückkehr hieß es, er sei ermordet worden.

Zwei Jahre später wurde Finnland vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) angewiesen, der Tochter des Mannes 20.000 Euro zu zahlen, nachdem entschieden worden war, dass die Behörden das Recht des Mannes auf Leben verletzt und ihn der Folter ausgesetzt hatten.

Nun vermutet die finnische Polizei, dass die Entscheidung der Richter zumindest teilweise auf gefälschten Dokumenten beruhte und der „von den Toten auferstandene“ Iraker putzmunter in seinem Heimatland lebt, berichtet yle.

Auf einem Foto ist der Verdächtige zu sehen, wie er mit einem anderen Mann auf dem Boden sitzt und vor ihm alle möglichen Leckereien wie Reis, Fleisch und Gemüse stehen.

Die Tochter soll inzwischen in Untersuchungshaft sein. Ihr wird vorgeworfen, ihrem Vater dabei geholfen zu haben, seinen Tod vorzutäuschen.

Die finnische Ermittler wollen den Verdächtigen kontaktieren, es ist jedoch nicht bekannt, ob sie versuchen werden, ihn nach Finnland zu bringen, oder ob er im Irak befragt wird.

Laut Polizeiangaben sei das Verhör der Tochter des Mannes gut gelaufen: „Die am vergangenen Freitag festgenommene Verdächtige hat den Verlauf der Ereignisse geklärt. Das Verhör bestätigte die Wahrnehmung, dass der irakische Mann (der Vater) lebt “, so der Ermittlungsleiter Jan Aarnisalo.

In die Todes-Inszenierung sollen neben der Tochter auch noch andere Personen involviert sein. Er wollte diese Personen nicht kommentieren, bestätigte jedoch, dass die Tochter nicht verdächtigt wird, allein gehandelt zu haben. „Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass dies eine geplante Handlung war, an der mehrere Personen beteiligt waren“, so der Ermittlungsleiter. Um wie viele Verdächtige es gehe, wolle er zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt geben, heißt es.

„Nach Informationen aus der Voruntersuchung hat Finnland in diesem Fall keinen Fehler bei der Ablehnung des Asylantrags des Mannes gemacht. Aufgrund unserer Ermittlungen war der Mann vor seiner Ankunft in Finnland im Irak nicht verfolgt worden“, erklärte Aarnisalo. (MS)