Niedergang & Östrogen: Wer beauftragte Eva Högl?

0
Eva Högl (rechts im Bild) - die neue Wehrbeauftragte? - Foto: Imago

Das Desaster in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf, würde man frei nach Erich Honecker am liebsten texten. Neue Wehrbeauftragte soll nach dem Willen der SPD Frau Eva Högl werden. Sie würde den langjährigen Wehrbeauftragten, den Parteigenossen Hans-Peter Bartels ablösen, der einen hervorragenden Ruf bei der Truppe genießt und auch gerne noch einmal um fünf Jahre verlängert hätte. Das Parlament muß seiner Ersetzung durch Eva Högl noch zustimmen. Sollte das geschehen, wäre das nächste Level im bundesöstrogenalen Sandkastenmanöver erreicht.

von Max Erdinger

Hin und wieder kommt es vor in der oberflächlichen Augengesellschaft, daß man für Parteipolitiker, die in der Öffentlichkeit die Sympathiewerte für die jeweilige Partei in den Keller treiben würden, vor der Öffentlichkeit verbergen – und auf einem Versorgungspöstchen unterbringen muß, welchem idealerweise wenig öffentliches Interesse zuteil wird. Daß man das bei der SPD kapiert zu haben scheint, sieht man daran, daß von Ralph Stegner nicht mehr viel zu hören und zu sehen ist. Der Posten des Wehrbeauftragten ist so ein Pöstchen. Über den Wehrbeauftragten gibt es wenig zu sehen und zu lesen. Das schmälert natürlich seinen Wert nicht. Im Verborgenen Gutes tun, ist schließlich auch etwas Schönes.

Zur Zeit heißt der Wehrbeauftragte noch Hans-Peter Bartels (SPD) – und er scheint sich trotz seiner Beliebtheit bei der Truppe unbeliebt gemacht zu haben. Und zwar bei der Bundesregierung. Im Janur hatte der honorige Mann einen Jahresbericht 2019 zur Bundeswehr veröffentlicht, in welchem er die Defizite schonungslos nüchtern offenlegte. Das war natürlich kein Blumenstrauß für Angela Merkel, und erstrecht war es keiner für Annegret Kramp-Karrenbauer und Ursula von der Leyen, die gegenwärtige Verteidigungsministerin und ihre Vorgängerin. Wie das Handelsblatt im September 2019 berichtete, sind viele Experten davon überzeugt, die Bundeswehr habe Munition für lediglich einen Tag. Lästermäuler kommentierten dies mit der Bemerkung, daran könne man sehen, wie richtig im Fall der Fälle ein Blitzkrieg sei.

Die bewährte Lösung des Problems

Nun ist es eine altbekannte Möglichkeit der Problemlösung, den Überbringer der schlechten Nachricht zu köpfen. Sie hat lediglich einen klitzekleinen Nachteil: Sie löst das Problem nicht wirklich. Es gibt von Kurt Tucholsky zwei Zitate, die gerade im Merkel-Zeitalter nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Das erste: „In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht.“ Das Zweite: „Unterschätze nie die Macht dummer Leute, die einer Meinung sind.“ – Das passt. Die Merkel-Ära ist die Zeit der „Konsensdemokratie“, in der alle immer „gemeinsam“ etwas tun müssen, und in der vor allem alle „gemeinsam“ genau in der Mitte zwischen den Rändern der Gesellschaft sich „gemeinsamen und alternativlosen Bewährungsproben“ stellen müssen. Kurt Tucholsky hätte bestimmt seine helle Freude gehabt, wenn´s nicht arge Übelkeit geworden wäre. Tatsächlich ist es eine Merkelsche Eigenart, jeden, der auf ihren Schmutz hinweist, abzusägen oder absägen zu lassen, und ihn zu ersetzen durch jemanden, der ihren Dreck in einen Haufen güldener Taler umdefiniert.

Hans-Peter Bartels ist so ein Schmutzhinweiser, und seit Januar scheint er in Ungnade gefallen zu sein. Da bietet es sich natürlich an, wieder einmal zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Frau ersetzt den honorigen Mann durch eine eifrige Frau. Das macht die ganze Bundeswehr noch weiblicher, als sie ohnehin schon ist. Wenn man sich allerdings überlegt, daß Soldatinnen bei der Bundeswehr laut Soldatengesetz im Ernstfall gar nicht an die Front abkommandiert werden dürfen, und wenn man sich nebenher noch überlegt, wozu es eine Armee überhaupt gibt, die Munition für einen eintägigen Blitzkrieg hat, dann fragt man sich schon, ob die Bundeskanzlerin und die beiden Verteidigungsministerinnen begriffen haben, was das Militär als solches für eine Funktion hat. Aber wahrscheinlich ist das eine irrelevante Frage in Zeiten, zu denen die einfache Realität durch die „gefühlte Realität“ gleichwertig ersetzt worden ist. Gemeinsam.

Eva Högl – Wehrbeauftragte in spe? – Foto: Imago

Daß Frauen keine besondere Affinität zum Militär haben, muß aber heutzutage nichts mehr heißen. Frauen können absolut alles, außer einparken. Und in einer Armee, deren Kasernen nicht mehr nach siegreichen Feldherren benannt werden sollen, sondern nach Gefallenen, ist der Stabsfeldwebel ohnehin so etwas wie ein Stabhochspringer, der sich vor dem Sprung einredet, daß er garantiert wieder unter der Latte durchspringen wird. Ich glaube ja nicht, daß eine Bundeswehr, die Munition für einen Tag hat, und deren Kasernen nach Gefallenen benannt werden sollen, noch von irgendeinem potentiellen Feind als Armee begriffen wird.

Dort dürfte nämlich der traditionelle kriegerische Anstand vorherrschen, der dem potentiellen Feind sagt, daß man Deutschland schon deswegen nicht angreifen darf, weil es nicht ritterlich wäre, einen Wehrlosen zu schlagen. Na ja, in den Augen der holden und weniger holden Weiblichkeit ist ein Ritter ohnehin nur ein Depp, der von einem Minnesänger lautmalerisch begleitet wird, während er das Taschentüchlein aufhebt, das die errötende Holde aus Versehen hat fallen lassen.

Vielleicht liege ich auch falsch und der Plan ist, den Begriff „Wehrbeauftragte“ mit einem neuen Inhalt zu füllen. Mit Eva Högl könnte nämlich die Abschreckungsdoktrin ohne Atomwaffen wieder installiert werden sollen, was womöglich die ganze teure Bundeswehr überflüssig macht, so daß man die viele „Munition für einen Tag“ auch noch gewinnbringend verkaufen könnte – an die Hamas z.B., – um hernach die Kasernen alle in „Alan Kurdi“ umzubenennen und einfach von „Alan Kurdi 1 – 600“ durchzunummerieren.

Wichtig für Wehrbeauftragte: Gerechtigkeitssinn

Da nun so eine theoretische Armee wie die Bundeswehr immer noch real existiert, gibt es dort natürlich auch militärische Hierarchien, die zwar zur Landesverteidigung nicht mehr viel taugen, aber immer noch gut genug sind, um Untergebene zu schikanieren. Da wäre es direkt hervorragend, vielleicht sogar ein Fortschritt, wenn es eine empathische Wehrbeauftragte gibt, die auch noch, wie Frau Eva Högl, Juristin ist und für die „menschliche Gesellschaft“ kämpfen will.

Es gibt Insiderberichte aus der Bundeswehr, denen zufolge Rekruten schon mit Holzgewehren durch den Schlamm robben mussten, da nicht für jeden Soldaten ein richtig gefährliches Schießgewehr vorhanden gewesen ist. Mit einer empathischen Wehrbeauftragten, an die sich solche Rekruten wenden können, wird nun im Jahresbericht kein unmenschlicher Holzspreißel im soldatischen Schußfinger mehr unerwähnt bleiben. Davon dürfen wir ausgehen. Ganz bestimmt wird auch mit der Unsitte Schluß sein, daß die Kriegsverlierer die Frauen der Siegreichen vergewaltigen. Weil sich das nämlich nicht gehört. Eva Högl wird diesem überkommenen Männerbund schon Manieren beibringen. Ursula von der Leyen hat ja mit dem „familienfreundlichen Großbetrieb Bundeswehr“ schon ein bißchen vorgearbeitet und für die richtige mentale Einstimmung auf das Zeitalter des Gefühlskrieges gesorgt. Wer vom ausgeprägten Gerechtigkeitssinn der Frauen noch nicht so ganz überzeugt ist, der verinnerliche bitte die untenstehende Bildtafel und besinne sich eines Besseren.

Der Gerechtigkeitssinn – Foto: Screenshot Facebook

Die menschliche Bundeswehr

Es ist unbestritten ein schöner Erfolg der „menschlichen Gesellschaft“, daß die Bundeswehr nicht mehr mit Gemetzel und Tod assoziiert wird, sondern mit Familienfreundlichkeit und Gleichberechtigung, wenn nicht gar Gleichstellung. Wobei natürlich „Gleichstellung“ schon ein bißchen nach „ihr werdet hier gleich die Stellung halten“ klingt, nach einer Redewendung also, die durchaus militärischen Ursprungs ist. Aber einerlei, es gibt noch viel zu tun, bis das zeitgemäße Deutschtum vor den Augen der Welt auch im Militärischen sichtbar wird. Wer es schafft, von der ganzen Welt geliebt zu werden, der braucht einen Angriff nicht mehr zu fürchten.

Und da auch der Medienschaffende und die Medienschaffend_*/Ine ~ $%! … äh … am konstruktiven Dialog zur gemeinsamen Schaffung der noch menschlicheren Gesellschaft zusammen teilhaben wollen, erlaube ich mir den folgenden Vorschlag zur Verbesserung des familiären Großbetriebsklimas: Anstatt schmissige Märsche mit martialischen Paraden auf den Kasernenhöfen zum Vortrag zu bringen, sollten sich die Heeresmusiker an der Hand nehmen, einen großen Kreis bilden, in die Mitte ein Teelicht stellen – und ein bekanntes Kindergeburtslied mit dem folgenden Text singen: „Wie schön, daß du gefallen bist, weil du jetzt auf kein´mehr schießt.“ – Die Wehrbeauftragte könnte feierlich danebenstehen, sich vor Rührung eine Träne aus dem Augenwinkel tupfen und dann ihr Taschentuch fallen lassen. Wer es aufhebt, wird General.