Ruprecht Polenz gefällt das: „Tatort“ verunglimpft Martin Sellner als Mörder

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Im "Tatort" kaum verfremdet: IB-Chef Martin Sellner (mit Ehefrau Brittany Pettibone) (Foto:Imago/Viennareport)

Volkserziehungsfernsehen vom Feinsten – dafür stand der jüngste ARD-„Tatort“ aus Hannover, der im Dunstkreis der sogenannten „Neuen Rechten“ spielte. Seltener war der Ausgang erwartbarer, stand von vornherein klarer fest, wer hier der Böse ist – und wo die Moral beheimatet ist. Die von Klischees nur so strotzende Sendung schreckte nicht einmal davor zurück, den Mörder als eindeutige Verkörperung von Martin Sellner, Chef der „Identitären Bewegung“ (IB) zu zeichnen.

Es ist ein glatter Rufmord und eine Verhetzung neuer Dimension, mit der im neuesten Film der ARD-Krimireihe unter dem vielsagenden Titel „National feminin“ die Vertreter missliebiger politischer Strömungen und als „Nazis“ pauschaldiffamierter Bewegungen zu Schwerverbrechern gestempelt werden – ohne dass sich die Filmschaffenden und Senderverantwortlichen auch nur ansatzweise die Mühe gemacht hätten, irgendeine Verfremdung vorzunehmen oder ihre Protagonisten als fiktive Charaktere zu zeichnen.

Im Gegenteil: Die gezeigten rechter Missetäter lassen keine Zweifel daran, wer gemeint ist: Optisch wurde Darsteller Felix Raue fast Eins zu Eins auf Martin Sellner getrimmt, die „IB“ heißt im „Tatort“ – irre einfallsreich – „Junge Bewegung“. Eine eiskalt gezeichnete rechtskonservative Juristin, zufällig Lesbe, soll erkennbar AfD-Fraktionschefin Alice Weidel darstellen.

Hier wurde die Grenze zwischen künstlerischer Freiheit und Verunglimpfung eindeutig überschritten. Dass das eindimensionale Drehbuch tatsächlich „Sellner“ (alias im Film „Schneider“) als schlussendlichen Mörder überführt und damit jegliche Erwartung des Zuschauers nach unvorhersehbarer Wendung, nach überraschender Handlungswende zunichte machte, beweist dann endgültig, worum es hier in Wahrheit ging: Nicht um Unterhaltung, sondern um Propaganda, um Schulung in politischem „Anstand“.

Die Zerrbilder der „Rechten“, die sich in den Hirnen von Vertretern der linken „Zivilgesellschaft“ ausbreiten, haben mit der Realität nichts zu tun – doch sie werden differenzierungs- und nuancenfrei von der „Tatort“-Regie umgesetzt; zwischen AfD und mörderischem Rechtsradikalismus, zwischen dem patriotischem Bekenntnis zur kulturellen Identität und „brauner“ NS-Unkultur gibt da keine Unterschiede und Abstufungen mehr. Die Front der „Antifaschisten“ kennt jenseits des Linksstaats nur noch Nazis. Kein Wunder, dass ausgerechnet Ruprecht Polenz voll des Lobes über diesen „Tatort“ war: „Das war ein Klasse-Tatort“, jubelte die berüchtigte CDU-Giftspritze auf Twitter.

War klar: Lob von Polenz für gelungene Propaganda

Perfide auch die zynische Bewertung von Verbrechen, sofern sie sich gegen den „pööösen Rääächten“ richten – ganz wie in der realen Mediendarstellung: Insgeheime Sympathie und sublime Anerkennung für die „couragierte“ politische Gewalt, Häme und Spot für das Opfer, das die Tat zu instrumentalisieren droht. Die „Junge Freiheit“ (JF) kommentiert diese Passage des „Tatort“ wie folgt: „Als der schlechte Martin-Sellner-Verschnitt von einem Linken mit einem Messer attackiert wird, ist die größte Sorge bei der anwesenden Staatsmacht, daß von dem Niedergestochenen Fotos gemacht werden… schließlich würde er so „zum Märtyrer“, wie die von Maria Furtwängler gespielte Hauptkommissarin Charlotte Lindholm wenig später auch noch einmal im Verhör mit dem Attentäter betont, als sie ihm sagt, Raue habe keine ernsthaften Verletzungen und andeutet, er werde das nun sicher ausschlachten.“

Dieser Ärger über das missglückte Attentat auf die Sellner-Figur, befindet die JF treffend, war „der moralische Tiefpunkt des gestrigen Krimis“. Wir lernen: Agitation und „Framing“ dürfen beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen auch in Corona-Zeiten nicht zu kurz kommen – denn hinter der temporären Herausforderung eines Virus gilt es bekanntlich, die „eigentlichen“ Bedrohungen der Freiheit in Erinnerung zu halten. (DM)