Luisa Neubauers Selektionsträume: Klimasünder dürfen verrecken?

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Luisa Neubauer träumt vom Systemwechsel (Foto:Imago/Scheffen)

Das Gesicht von „Fridays for Future“ (FFF) prägen nicht zufällig dekadente Wohlstandskinder, die von Haus aus keine materielle Not kennen – und schon gar keinen blassen Schimmer haben, wie sauer die Mittel erwirtschaftet werden müssen, die der Staat in ihren Umverteilungsphantasien abschöpft und nach ideologischem Gutdünken zum Fenster hinauswirft. Welch abnorme Blüten der anmaßende Realitätsverlust dieser moralisch wohlfeilen Aktivisten mittlerweile treibt, bestätigt FFF-Ikone Luisa Neubauer eindrucksvoll in ihrer aktuellen „Stern„-Kolumne.

Ernsthaft spricht sich Neubauer darin dafür aus, dass der Staat Corona-Nothilfen und Steuergelder nur solchen Unternehmen zukommen lassen sollte, die „pariskonforme Klimaziele“ verfolgen eine „nachhaltige“ Firmenpolitik verfolgen. Wer diese Kriterien (die dann natürlich von „Klimaschützern“, internationalen NGO’s und grün-fundamentalistischen Funktionären definiert würden) missachtet, soll ruhig zugrundegehen. Es ist die bewährte deutsche „Selektion“: Was (über)lebenswürdig ist, entscheiden die unfehlbaren Herrenmenschen, heute also die Klimaapostel. Das Schicksal der betroffenen Arbeitnehmer ist der in die Hamburger Millionärsdynastie Reemtsma hineingeborenen Luxusgöre offenbar ganz egal; für sie kann dann im Zweifel ebenfalls der Staat sorgen.

In einem aberwitzigen Vergleich setzt Neubauer Steuerflucht mit „Klimaflucht“ gleich, die nicht minder „unverantwortlich“ sei; deshalb müsse man „die Bewältigung der Krise dazu nutzen, Konzerne auf einen ökologischeren Kurs zu zwingen“. Würde die Politik „Konzerne ohne Klimaauflagen“ mit Staatshilfen unterstützen, so würden dadurch Geschäftspraktiken mit Steuergeld befeuert, die die Klimakrise antreiben. „Richtungsentscheidungen“ seien daher notwendig.

Neubauer kritisiert, dass Wirtschaft und Politik von „blinden und opportunistischen Wachstumsschüben” reden würden. Dass es eben dieses geschmähte Wachstum ist, das Wohlstand, zivilgesellschaftliche Stabilität und letztlich auch den Sozialstaat erst ermöglichen, begreift sie nicht. Clintons Parole „It’s the economy, stupid“ ist zu diesen notorischen Weltverbesserern bis heute nicht durchgedrungen.

Romantisierung der Krise

Der Stillstand ist für sie ein romantisches Innehalten; dementsprechend begrüßt sie auch eine allgemeine „Entschleunigung“ – und will Mobilität und Verkehrswesen radikal umbauen: “Wäre es nicht denkbar, nun da alles stillsteht, den Moment zu nutzen und sich im Sinne von, ja, der Gesundheit von Mensch und Umwelt zu fragen, wie es denn idealerweise aussähe, wenn sich alles bewegt – und ob Veränderungen nicht einen Hauch schneller gehen als lange gedacht?“ Corona als Motor der nächsten Revolution also.

Für viele linksgrüne Globalisierungskritiker und geschworene Gegner des „Neoliberalismus“ ist die Pandemie anscheinend so etwas wie eine gerechte Strafe für die vielen Sünden der westlichen Industriegesellschaften, die eine Chance zum radikal Neustart, zum sozialistisch-ökologischen Systemumbau bietet. „Sozialökologisches Krisenmanagement“ heißt das bei Luisa Neubauer: Sie würde „dem Bruttoinlandsprodukt und damit der Wachstumsorientierung gerne den unverdienten Heiligenschein herunterreißen” und stattdessen Konzepten verfolgen, die das „tatsächliche Wohlergehen von Mensch und Umwelt“ zum alleinigen Maßstab machen.

Darum geht es hier eigentlich: Die schöne neue Welt, die neosozialistische Zukunft auf dem Reißbrett. Es ist derselbe geschichtsvergessene, verantwortungslose Utopismus, der aus der Gesellschaft wieder mal ein Experimentierlabor machen möchte – diesmal im Zeichen der „Klimarettung“, und ohne Rücksicht auf das, was auf dem Spiel steht. Das 20. Jahrhundert hat uns gelehrt, in welche Katastrophe ideologischer Wahn und moralischer Rigorismus führen können. (DM)

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