Tabaksucht schlimmer als Corona? Frankreich limitiert Nikotinprodukte

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Nikotinprodukte in französischer Apotheke (Foto:Imago/PanoramiC)

Paris – Seit eine französische Studie die mögliche Schutzwirkung von Nikotin gegen Covid-19 nahelegte, setzte ein Run auf nikotinhaltige Ersatzpräparate und -pflaster ein, die normalerweise zur Bekämpfung von Zigarettensucht gedacht sind. Prompt schob die französische Regierung dem einen Riegel vor und limitierte den Verkauf. Wie auch in Deutschland gilt dort: Was gesund und sinnvoll ist, entscheidet alleine der Staat.

Welche Medikamente helfen oder nicht, welche Impfungen Sinn machen oder nicht, ja sogar welche Hygienemaßnahmen etwas bringen oder nicht (Händewaschen, Mundschutz) – das wird von der Obrigkeit verfügt. Dass die Bürger in Reaktion auf die Studie, über die diverse französische Medien berichtet hatten, Nikotin-Ersatzprodukte verstärkt nachfragten, ist eine völlig erwartbare und normale Konsequenz. Grund genug für die Bürokratie, gegen „Hamsterkäufe“ einzuschreiten.

Der Verkauf von Nikotinpflastern, -kaugummis oder anderen Ersatzstoffen im Internet wurde, wie „Bild“ berichtet, zufolge komplett untersagt; Apotheken dürfen bis zum 11. Mai nur noch solche Mengen verkaufen, die für eine einmonatige Behandlung der Nikotinsucht benötigt werden. Nikotinpflaster sollten die Bürger nach Möglichkeit gar nicht kaufen.

Nikotin nur zur Suchtentwöhnung

Anscheinend ist die Sorge um Raucher noch größer als um Corona-Patienten: Gesundheitsminister Olivier Véran erinnerte daran, dass es jedes Jahr 70 000 Tote durch Tabak in Frankreich gebe. Durch sein entsprechendes Dekret soll, so wörtlich, sichergestellt werden, dass „gesundheitliche Risiken durch exzessiven Konsum oder Missbrauch nach Medienberichten über eine möglicherweise schützende Wirkung von Nikotin vor der Lungenkrankheit Covid-19“ vermieden werden.

Soll dies bedeuten, dass der Staat also darüber entscheidet, ob Tabakopfer noch schützenswerter sind als Corona-Tote? Prävention von Nikotinsucht kommt vor Virusprävention – obwohl letzter gerade das gesamte Land lahmlegt? Die für den Wirbel um Nikotinprodukte verantwortliche Studie hatte vor allem auf das Phänomen abgestellt, dass anscheinend weniger Raucher als Nichtraucher von schweren Covid-19-Verläufen betroffen waren. Hieraus wurde die möglicherweise schützende Wirkung von Nikotin abgeleitet. (DM)

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