Corona-Willkür: Jetzt wehrt sich das Volk! Eine Reportage

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Protestler mit Eselsmaske wird abgeführt. Foto: Paul Klemm

Überall in Deutschland wächst der Unmut über die Corona-Beschränkungen der Merkel-Regierung. Jouwatch-Reporter Paul Klemm hat sich an die wiederständischen Hotspots begeben, Bürger befragt und Unterdrückung durch die Polizei dokumentiert. 

Das Hotel Lutherbirke liegt idyllisch in der mit Auwald bewachsenen Landschaft um Wittenberg. Bei diesem schönen Wetter wäre die Hotelterasse normalerweise gefüllt mit Gästen, die das gute heimische Essen genießen, im Sonnenschein miteinander plaudern und vielleicht ein kühles Bier dabei trinken. Doch statt Geselligkeit und Hausmannskost gibt es im Hotel Lutherbirke aktuell nur leere Stühle und Betten. Die sonnenbeschienene Terrasse bleibt still. Es ist eine Stille, die tödlich für das Geschäft ist, wie mir die Hotelbetreiberin Cindy Jost berichtet. „Wir möchten einfach gern wieder unsere Gäste bewirten“, sagt die elegant gekleidete Gastwirtin. „Auch um unsere Kassen zu füllen. Mit dieser Mahnwache heute wollen wir dazu aufrufen und sagen, dass es uns gibt.“ Sie steht vor einem circa 150 Quadratmeter großen, mit Absperrband umspannten Bereich, darin hunderte leere Stühle, ein vollständig gedeckter, aber leerer Tisch und drei ebenfalls leere Betten. Und das direkt vor der Wittenberger Schlosskirche – gegenüber der Tür, wo Luther 1517 seine Thesen angehämmert hat. Ein gespenstisches Stilleben inmitten der historischen Innenstadt. 

Leere Stühle als Zeichen des Protests. Foto: Paul Klemm
Kulinarische Freuden sind in der Corona-Krise tabu. Foto: Paul Klemm

Aufgebaut wurde es von den Gastwirten und Hoteliers Wittenbergs, die damit auf die schwere berufliche Krise aufmerksam machen wollen, in der sie gerade stecken. „Haben Sie schonmal eine vergleichbare Situation erlebt?“, frage ich Cindy Jost. „Nein!“, stößt die Hotelbetreiberin aus. „In dieser großen Form noch nicht. Natürlich gibt es auch mal Regentage, wie wir sie nennen, aber so haben wir das noch nie erlebt.“ Ich spreche auch mit Rene Muntel, der als Koch im Hotel Lutherbirke arbeitet. Für die Aktion heute hat er sich extra seine bordeauxrote Zweireiherjacke angezogen, die von Köchen oft als Dienstuniform getragen wird. Durch Corona ist Rene Muntel in die Kurzarbeit abgerutscht Um weiterhin seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, hat er sich bei der Inititiative „Das Land hilft“ beworben, die Jobs als Erntehelfer verspricht. Doch von der habe er genau null Stellen vorgeschlagen bekommen. Nun weiß er nicht mehr, wie es weitergehen soll. „Ich kann ja auch meine Miete nur noch teils bezahlen.“ Warum die Regierung nicht wenigstens die Außenbereiche wieder öffnen lässt, kann er nicht verstehen. 

Rene Jost war Koch in einem Hotel, jetzt kann er seine Miete nicht mehr zahlen. Foto: Paul Klemm

Nicht nur in Wittenberg stehen an diesem Freitag leere Stühle in der Stadt. Auch vor der Münchner Feldherrnhalle, auf dem Hamburger Rathausmarkt oder dem Römer in Frankfurt haben Gastronomen so für den Erhalt ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage demonstriert. Protest formiert sich auch in Chemnitz. Dort ist es die Bürgerbewegung „Pro Chemnitz“, die sich gegen das Joch aus Corona-Beschränkungen stemmt. Von Wittenberg aus fahre ich mit dem Auto knapp zwei Stunden nach Chemnitz. Dort angekommen begrüßt mich das städtische Wahrzeichen, der steinerne, überdimensionierte Karl-Marx-Kopf, mit den Worten „Stay home, stay safe“. Die Botschaft ist auf einem Transparent zu lesen, das Gewerkschafter vom linken DGB an dem Monument befestigt haben. Wie passend, denke ich: hat mit der „Stay home“-Politik der Bundesregierung doch so etwas wie ein Marxismus neuer Prägung von der Gesellschaft Besitz ergriffen. 

Marx-Monument mit Corona-Banner. Foto: Paul Klemm

Am Stadthallenpark, der gegenüber des Karl-Marx-Denkmals liegt, warten schon die ersten Demonstranten. Ob die Demo heute stattfinden kann oder nicht, ist noch unklar. Eigentlich hat das Verwaltungsgericht den Bürgerprotest für rechtmäßig erklärt. Doch die Stadt Chemnitz hat dagegen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht in Bautzen eingelegt. Sie will die Demonstration der Lockdown-Gegner mit allen Mitteln verhindern. Und tatsächlich: um halb Sechs, zum offiziellen Demobeginn wird den Protestlern mitgeteilt, dass sie heute nicht demonstrieren können. So habe es das OVG entschieden. Doch so schnell lässt sich „Pro Chemnitz“ nicht kleinkriegen. Pflichtbewusst den staatlich festgelegten Mindestabstand einhaltend, zeigen die Bürger ihre mitgebrachten Schilder und Fahnen. Darunter auch ein kleines Mädchen, das mit Buntstiften auf eine Pappe geschrieben hat: „Ich will Schule und keine Maske tragen.“

Die Polizei scheint sich mit bloßer Distanzwahrung nicht zufriedenzugeben. In Stoßtrupps durchkämmt sie die Menge der Demonstranten, fordert die Menschen zum Weitergehen auf, erteilt einigen sogar Platzverweise. Es kommt zu hitzigen Diskussionen zwischen Bürgern und Polizisten. Ein junger Mann fordert die Uniformierten dazu auf, sich dem Protest anzuschließen. Doch da beißt er auf Granit. Er solle einen Mundschutz aufsetzen, wird ihm gesagt.

Je weiter die Bürger von den Polizisten auseinandergetrieben werden, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die Demonstration an diesem Abend noch stattfindet. Dann ruft ein Mann: „Los! Wir müssen laufen! Los!“ Über die Bahngleise setzt sich die Menge in Bewegung. Der Mann, der gerufen hat, wird umgehend verhaftet. „Aufruf zur Straftat“, so die Begründung der Polizei. Auch einen älteren Herrn mit schwarz-weiß-roter Fahne setzen die Beamten fest. Seine Fahne schwenkt er tapfer weiter – und nennt einen der Polizisten „eierlos“, weshalb er später noch eine Anzeige wegen Beleidigung kassiert.

Festgenommener Mann schwenkt schwarz-weiß-rote Fahne. Foto: Paul Klemm

Bis zum Marktplatz kommen die Demonstranten. Dann versperren ihnen die Uniformträger den Weg. Und nicht nur das: sie fangen an, die Chemnitzer zu umstellen! Ihre Formation ähnelt einer Schlinge, die sich unaufhaltsam zuzieht. Hat die Polizei eben noch auf Einhaltung der anderthalb Meter Abstand gepocht, drängt sie jetzt die Versammelten durch gezielte Einkesselung zusammen. Die Bürger sind verärgert, einige stoßen Beleidigungen aus.

Was nun passiert, überrascht: Polizeitrupps rücken vor und verhaften Personen, die ihnen zuvor als Anheizer aufgefallen sind. So auch einen Mann mit Eselsmaske, der auf seinem Schild den WHO-Geldgeber Bill Gates kritisiert. Während die Ergriffenen abgeführt werden, skandiert die wütende Menge: „Wir sind das Volk! Wir sind das Volk! Wir sind Volk!“

Protestler mit Eselsmaske wird abgeführt. Foto: Paul Klemm

Die polizeiliche Strategie geht auf. Eingeschüchtert durch die Einkesselung und die Festnahmen zerstreut sich die Menge wieder. Vereinzelt flammen noch Streitgespräche auf , aber der Demonstrationszug ist aufgelöst. Damit hat die staatliche Repression ein weiteres Mal über bürgerlichen Freiheitsdrang gesiegt. Trotzdem wollen die Bürger auch nächste Woche wieder auf die Straße gehen. „Wir lassen uns nicht den Mund verbieten!“, stellt eine Chemnitzerin klar. Und vielleicht sind die Protestversuche in Chemnitz nur das Vorbeben einer landesweiten wiederständischen Erschütterung. Dass die Bundesregierung ihre durch Corona erhaltene Macht freiwillig wieder abgeben wird, ist jedenfalls äußerst unwahrscheinlich.

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