Corona-Lage in Deutschland entspannt sich weiter

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Foto: Von Gorodenkoff/Shutterstock

Berlin – Die Corona-Lage in Deutschland entspannt sich weiter – zumindest aus gesundheitlicher Perspektive. Am Freitag sank den vierten Tag in Folge die Zahl der Covid-19-Patienten, die auf einer Intensivstation liegen, auf nunmehr 2.688 Personen. Nachdem alle Krankenhäuser erst seit etwas über einer Woche die Intensivbetten melden müssen, war der Höhepunkt am 20. April mit 2.872 belegten Betten erreicht worden, seitdem wurden wieder Betten frei.

32.561 Intensivbetten wären aktuell bundesweit betreibbar, beispielsweise könnten rechnerisch allein die Krankenhäuser in Hessen aktuell sämtliche Corona-Intensivpatienten aus ganz Deutschland betreuen. Laut Recherche der dts Nachrichtenagentur sind bis Freitagabend, 20 Uhr, 155.353 Corona-Infektionen in Deutschland bestätigt worden, 1,3 Prozent mehr als am Vortag. 5.757 Personen sind mit dem Coronavirus gestorben, 214 oder 3,9 Prozent mehr als am Vortag.

Laut dts-Hochrechnung sind rund 115.300 Menschen, die ein positives Testergebnis hatten, wieder gesund, es verbleiben 34.300 aktiv Infizierte mit Nachweis, 1,8 Prozent weniger als am Donnerstag. Damit sinkt seit 6. April fast kontinuierlich die Zahl der aktiv an Covid-19 erkrankten Personen. Auch die Zahlen des Robert-Koch-Instituts, die von den Angaben der Städte und Landkreise stets etwas abweichen, bestätigen diesen Trend.

Mecklenburg-Vorpommern ist unterdessen kurz davor, Corona-frei zu sein. Laut dts-Hochrechnung gibt es in dem Bundesland nur noch rund 30 akut infizierte Personen mit Nachweis.

Hier weitere Meldungen zum Thema:

Schwimmlehrerverband fürchtet mehr Badeunfälle

Durch die monatelange Schließung aller Schwimmbäder aufgrund der Coronakrise, warnen Experten vor einer steigenden Zahl von Badeunfällen in diesem Sommer. „Meine Sorge ist, dass sich bei gutem Wetter in diesem Corona-Sommer sehr viele in Flüssen, Seen und Meer ablenken wollen und wir dann mehr Unfälle und Todesfälle zu beklagen haben“, sagte der Präsident des Deutschen Schwimmlehrerverbandes (DSLV), Alexander Gallitz, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagausgaben). Die Schwimmschulen würden wohl frühestens im Herbst wieder öffnen.

„Ich fürchte, vor September geht in den Schwimmschulen nichts“, so Gallitz. In der Branche herrsche Chaos. „Für die Schwimmlehrer und Schwimmschulen in Deutschland ist Corona eine Katastrophe.“

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) empfiehlt daher den Bürgern, trotz steigender Temperaturen in der Corona-Ausnahmesituation auf Badevergnügen in der Natur zu verzichten. „Zurzeit raten wir vom Baden und Wassersport ab, denn wer im oder auf dem Wasser in Not gerät, bringt auch die Retter in eine mögliche Infektionsgefahr“, sagte DLRG-Experte Achim Wiese den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die DLRG gehe davon aus, dass die Deutschen nach Corona noch schlechter schwimmen werden.

Die Wartezeiten für Schwimmkurse oder Wassergewöhnungskurse für die Kleinsten würden noch länger werden. Bereits vor Corona habe sie in manchen Städten deutlich mehr als ein Jahr betragen. „Die Schwimmfertigkeit der Menschen in Deutschland leidet darunter, da zurzeit keine Ausbildung durchgeführt werden kann“, so Wiese.

Eltern sollten deshalb besondere Vorsicht walten lassen. Dazu komme, dass in vielen Kommunen Schwimmbäder marode oder geschlossen seien. „Das Schwimmenlernen ist auch eine Frage des Geldbeutels“, so der DLRG-Experte weiter. „Wir haben festgestellt, dass in Gebieten, in denen viele leben, die finanziell weniger gut ausgestattet sind, Menschen schlechter schwimmen.“ Grundsätzlich gelte jedoch, „die Menschen schwimmen in Flensburg genauso schlecht wie in Konstanz“. 2019 ertranken nach DLRG-Angaben in Deutschland mindestens 417 Menschen, davon 362 in Binnengewässern. Die größte Gefahr gehe von unbewachten Flüssen, Seen und Kanälen aus, so die DLRG.

Gesundheitsminister sieht Spielraum für Lockerungen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fordert pragmatische Lockerungen in der Coronakrise. „Partys oder Volksfeste bergen ein extrem hohes Risiko“, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagausgaben). „Wer dagegen mit dem nötigen Abstand zu anderen in einem Geschäft einkaufen geht oder sich beim Sport im Fitnessstudio fit hält, sollte das tun können.“

Wichtig sei es, bei den nächsten Schritten mehr über allgemeine Kriterien als über Quadratmeter-Zahlen zu reden. „Wir alle spüren ja, dass es für viele schwer verständlich ist, warum Läden mit 799 Quadratmetern öffnen dürfen, Läden mit 801 aber nicht. Oder warum man um den See spazieren gehen darf, aber nicht Golf spielen kann.“

Entscheidend dafür, was stattfinden oder öffnen könne, müssten vor allem Abstands- und Hygieneregeln sein. „Je nachvollziehbarer die Regelungen sind, desto eher werden sie akzeptiert und gelebt“, mahnte Spahn. Die große Mehrheit der Bürger und auch der Unternehmen handele sehr verantwortungsbewusst.

Besorgt zeigte sich der Minister mit Blick auf die Belastungen in den Familien. In zwei Bereichen werde die Akzeptanz der Bürger für die Einschränkungen gerade deutlich strapaziert: „Das eine sind Kitas und Schulen.“ Die Zumutungen für Kinder, berufstätige Eltern und Alleinerziehende seien sehr groß.

„Das andere ist der Eindruck, dass die Länder nicht einheitlich vorgehen.“

Laschet: Auffangen aller Corona-Schäden unmöglich

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) fordert beim Coronakrisenmanagement deutlich mehr Anstrengungen, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. „Nicht jeden wirtschaftlichen Schaden kann der Staat mit immer neuen Milliardenprogrammen bewältigen. Die Politik darf auch nicht diese Illusion befeuern“, sagte Laschet der „Welt“ (Samstagausgabe).

Man müsse „behutsam unsere Unternehmen wieder in die Lage versetzen, selbst wieder zu wirtschaften, statt auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein“. Das nenne man soziale Marktwirtschaft. Der Christdemokrat kritisierte mit Blick auf die geltenden Restriktionen, dass deren Lockerung in der politischen Debatte eine zu geringe Rolle spiele.

„Wenn der Staat aufgrund einer Pandemie das öffentliche und wirtschaftliche Leben fast vollständig lahmlegt, dann muss der Staat auch Konzepte haben, um es wieder hochzufahren.“ Es sei „einfacher, alles zu schließen“. Die Krise sei zudem eine „Herausforderung für die Solidarität unter den Generationen, klar“.

Man müsse daher alles tun, dass die Schäden dauerhaft so klein wie möglich blieben, auch für die öffentlichen Haushalte. Der Lockdown erzeuge jeden Tag Schäden. „Operationen werden für Nicht-Corona-Patienten verschoben, Reha-Maßnahmen gestrichen, Kindeswohlgefährdungen nehmen zu, Millionen Menschen drohen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. Niemandem ist geholfen, wenn sich keiner Gedanken macht, wie die nächsten Wochen und Monate in Deutschland aussehen könnten.“ Eingriffe in Grundrechte sollten jeden Tag aufs Neue bewertet und diskutiert werden, „das ist unsere Pflicht“. Mit Blick auf die anderen Bundesländer sagte der CDU-Politiker: „Überbietungswettbewerbe egal welcher Art darf es nicht geben, dafür ist die Lage viel zu ernst. Ich werbe weiter für die Geschlossenheit der Länder.“ Er äußerte sich zuversichtlich, dass dieser Appell auch in Bayern akzeptiert werde: Markus Söder (CSU) sei der amtierende Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz. Allein dieses Amt bringe ein großes Interesse an Geschlossenheit mit sich. Mit Bezug auf sein eigenes Krisenmanagement sagte Laschet: „Ich erlebe Kritik, auch polemische, aber auch so viel Zuspruch und Ermutigung wie noch nie in meinem politischen Leben. Man muss sich frei machen von Stimmungen und tun, was man für richtig und verantwortbar hält.“

Prominente appellieren für abgestufte Lockerung des Lockdowns

Sechs bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Medizin, Ökonomie und Kultur haben zur Lockerung der Quarantänemaßnahmen gegen die Corona-Pandemie aufgerufen. „Wir müssen aus dem Lockdown so rasch wie möglich in eine Phase übergehen, die unsere Volkswirtschaft aus dem Winterschlaf aufweckt, Eingriffe in unsere Grundrechte minimiert und uns dennoch hinreichend vor einem Wiederaufflammen der Gesundheitskrise schützt“, heißt es in einem zweiseitigen Schreiben der Prominenten-Guppe, über das der „Spiegel“ berichtet. Zu der Gruppe gehören der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der Hallenser Medizinprofessor Alexander Kekulé, der frühere Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, der Münchner Ethikprofessor Julian Nida-Rümelin, der Hamburger Ökonom Thomas Straubhaar sowie die Potsdamer Schriftstellerin Juli Zeh.

Der Lockdown vom 22. März sei richtig gewesen, heißt es in dem Schreiben. Nun aber sei er „im Begriff, unser soziales, kulturelles und wirtschaftliches Leben zu ruinieren“. Die von Bund und Ländern jüngst beschlossenen Lockerungen hält die Gruppe für nicht ausreichend.

„Sie würden die Republik noch viele Monate, vielleicht sogar Jahre unter das Joch der täglich wechselnden Fallzahlen stellen.“ Stattdessen empfiehlt die Gruppe, die harten Quarantänemaßnahmen auf Menschen mit Vorerkrankungen und Ältere über 65 Jahre zu konzentrieren. Für die übrige Bevölkerung solle dagegen ein Konzept des „Smart Distancing“ verfolgt werden, zu dem sie Hygiene- und Abstandsregeln, Gesichtsmasken sowie die Nachverfolgung von Kontakten zählten.

„Wir brauchen neue Testverfahren, modernste Datentechnik und einen breiten gesellschaftlichen Konsens, wie wir mit den neuen Risiken umgehen“, heißt es. „Zudem wären wir gut beraten, in stärkerem Maße auf die Eigenverantwortung der Menschen und die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen zu setzen“, so die Gruppe. (dts)