Studie sorgt für Aufsehen: Kommt Corona-Ausbreitung nach 70 Tagen von selbst zum Erliegen?

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Nur moderate Maßnahmen galten in Singapur (Foto:Imago/AFLO)

Es wäre eine Sensation – und würde einer spektakulären Wende in der bisherigen Corona-Risikobewertung gleichkommen: Einer Studie aus Israel zufolge, die derzeit für Aufsehen in den israelischen und US-amerikanischen Medien sorgt, soll der Verlauf der Sars-CoV2-Pandemie in allen Ländern mehr oder weniger identisch sein – und zwar völlig unabhängig von den ergriffenen Gegenmaßnahmen.

Ob ein Staat also einen totalen Lockdown vollzieht, ob es (wie Schweden) auf Herdenimmunität setzt und auf öffentliche Schließungen und Kontaktbeschränkungen weitgehend verzichtet, oder ob es den Virus (wie Weißrussland oder Nordkorea) komplett ignoriert – letztlich ist all dies für das Infektionsgeschehen weitgehend irrelevant, weil das Virus gewissermaßen eine „Halbwertszeit“ hat, über die es sich ausbreitet und anschließend von selbst abebbt.

Die beobachtbaren unterschiedlichen Auswirkungen in einzelnen Staaten sollen der von Professor Isaac Ben-Israel geleiteten Studie zufolge, über die die „Times of Israel“ berichtet, alleine auf unterschiedliche soziale Verhältnisse und Fähigkeiten der Gesundheits- und Betreuungseinrichtungen zurückzuführen sein.

Mathematiker Ben-Israel, der die Studie gemeinsam mit anderen namhaften Wissenschaftlern leitete, ist Leiter der israelischen Raumfahrtagentur sowie des des Nationalen Rates für Forschung und Entwicklung. Wie die „Achse des Guten“ schreibt, analysierte das Team sämtliche zur Verfügung stehenden Daten der vom Corona-Virus betroffenen Länder und kommen zu einem „frappierenden Schluss“: Die statistische Analyse von Wachstum und Rückgang neuer Fälle zeige, dass „die Verbreitung des Virus nach etwa 40 Tagen einen Höhepunkt erreicht und nach 70 Tagen nahezu vollkommen abklingt“ – und zwar völlig ungeachtet der von den zuständigen Regierungen eingeleiteten Gegenmaßnahmen.

Keine Verharmlosung, nur harte Statistik

Ben-Israel redet damit nicht den „Verharmlosern“ das Wort; auch er plädiert für Vereinzelungsmaßnahmen und „Social-Distancing“. In einem Punkt allerdings widerspricht der von den meisten westlichen Ländern gewählten Strategie vehement: Der „Lockdown ganzer Volkswirtschaften“ lasse sich anhand der gegenwärtigen Daten nicht kaum rechtfertigen, sondern stelle „einen Fehler“ dar. Dies zeige die Entwicklung von Staaten wie Singapur, Taiwan oder Schweden, die keine radikale Corona-Politik umsetzten und dennoch glimpflich durch die Krise kommen.

Dem Team um Ben-Israel geht es ausschließlich um statistische Analysen, nicht medizinisch-virologische Erkenntnisse. Eine Erklärung für das von der Studie offengelegte Phänomen hat er nicht; „Times of Israel“ zitiert den Forscher wie folgt: „Es gibt alle möglichen Spekulationen. Vielleicht hängt es mit dem Klima zusammen, oder das Virus hat eine eigene Lebensspanne“. Dass manche Staaten wie Spanien oder Italien eine extreme Zahl an Todesopfern aufweisen, ist dem Studienleiter zufolge primär eine Folge des „auch ohne Corona bereits überforderten Gesundheitssystems“ dort. Umgekehrt ist der glimpfliche Verlauf in Deutschland mit dem hier bestehenden, solideren Gesundheitssystem erklärbar. (DM)

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