Alte Masche, neue Route: Erdogan schickt wieder Flüchtlinge

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Dürfte demnächst massiv zunehmen: Bootsverkehr nach Lesbos, hier im Sommer 2019 (Foto:JouWatch)
Ankara / Izmir – Nach einigen Wochen der taktischen Zurückhaltung setzt das türkische Regime seine erpresserische und aggressive Anti-EU-Politik fort – und schickt wieder Flüchtlinge gen Europa auf Reisen: Tausende Migranten werden gezielt Richtung Griechenland in Marsch gesetzt, wenn auch auf einer alternativen Route.
Vor allem Syrer, aber auch en masse Pakistani, Afghanen und arabische Flüchtlinge – die Türkei hat reichlich Nachschub an menschlichen Druckmitteln, um die EU zu destabilisieren. Eine Zeitlang sah es danach aus, als hätte Corona die Flüchtlingskrise quasi eingefroren; wie aus einer vergangenen Zeit, wie aus einem Parallelgesellschaft muteten die Bilder von Randalierern, Steinerwerfern und gewaltbereiten vermummten „Schutzsuchenden“ an der griechischen Grenze an.
Doch ausgerechnet Corona sorgt nun für die Fortsetzung der verstörenden Bilder von Februar – und zwar der Ausbruch der Pandemie in der Türkei: In dem Maß, wie die türkische Regierung die Krise kleinredete und nur zögerlich Entscheidungen traf, stieg der Unmut der Bevölkerung. Nun, da die Türkei mit voller Wucht getroffen wird und sich das Krisenmanagement als dilettantisch erweist – eine Ausgangssperre wurde vorgestern Nacht mit nur zwei Stunden Vorlauf bekanntgegeben, was zu Panikkäufen und Chaos führte – sucht Erdogan sein Heil im Populismus – und versucht wieder, die von seinem Volk zunehmend als Dauerbelastung empfundenen Flüchtlinge loszuwerden.
Fortsetzung nach vier Wochen Unterbrechung
Diesmal allerdings auf neuen Wegen: Wie die „Welt“ berichtet, lässt Erdogan die Flüchtlinge diesmal Richtung Izmir karren, an die Mittelmeerküste, von wo aus sie mit Booten auf die nahegelegenen griechischen Inseln zu gelangen suchen. Behörden versichern den Menschen, die Überfahrt mit bereitliegenden Booten nach Griechenland sei „kein Problem“. Die „Welt“ berichtet von syrische Familien, die mit Bussen planmäßig an die Küste gefahren werden, um von dort gen Griechenland in See zu stechen.
In Athen wächst nun die Sorge, dass die Krise genau dort weitergeht, wo sie vor rund vier Wochen jäh unterbrochen wurde – wenn auch an anderen Schauplätzen. Auf den Insellagern ist die Situation – auch medizinisch – mehr als bedenklich; bereits lokal ausgebrochene Corona-Infektionen erschweren die Lage zusätzlich. Erdogan ist dies wohlbekannt – und sehenden Auges treibt er die Migranten aus seinem Land Richtung Griechenland und EU. Dass es sich dabei nicht um leere Drohungen handelt, beweisen Videos auf Twitter, die etliche jungen Flüchtlinge in dem populären Urlaubsort Kücukkuyu zeigen, von wo aus Schmugglerboote Richtung Lesbos auslaufen.
Andere Flüchtlinge sollen von Bussen der türkischen Regierung in nördlichere Orte gebracht worden sein, um von dort zu starten.
Es wird also nur eine Frage der Zeit sein, bis die Bundesrepublik sich wieder erbarmt – und jene, die jetzt aus der Corona-geplagten Türkei entsorgt werden, aufnehmen wird; entweder auf direktem Weg – oder über die sukzessive Evakuierung der überfüllten Lager. (DM)
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